Hürth/Frechen – Es sind bewegende Worte, die Amtsrichter Peter Königsfeld am Montag im Saal 112 bei der Urteilsbegründung findet. „Die 40 Sozialstunden haben nur symbolischen Charakter, die eigentliche Strafe hast du schon vorher erhalten“, sagt er der 19-jährigen Frechenerin, die wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt ist. Sie war die Fahrerin, in deren Auto eine junge Frau starb und drei weitere Schüler sehr schwer verletzt wurden. Und das alles, weil offenbar Blödsinn gemacht wurde.
Es ist der 10. April, ein Mittwoch mit frühlingshaften Temperaturen. Schulschluss am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth für viele Schüler. Die damals 18-Jährige hat seit fünf Monaten den Führerschein. Von den Eltern gab’s einen Kleinwagen, um den täglichen Schulweg zu bewältigen. An dem Mittwoch ist ihr Wagen wieder voll. Übervoll. Denn anstatt fünf quetschen sich sechs junge Leute hinein. Die Erste steigt in Gleuel aus.
Beifahrerin lenkte
Als die 19-Jährige von der Kölner Straße in Richtung Frechen abbiegt, ist die Stimmung im Wagen ausgelassen. Sekunden später ändert sich das schlagartig. Auch wenn nicht alle im Wagen mitbekommen, dass die 19-Jährige ihre Beifahrerin bittet, das Steuer für einen Augenblick zu übernehmen, hat das fatale Folgen. So schildern Zeugen das Geschehen. Offenbar aus Spaß brüllt die Beifahrerin „Hui“ in den Wagen und macht eine ruckartige Lenkbewegung, wie einer der Zeugen erklärt. Die Fahrerin greift schnell zum Lenkrad. Der Kleinwagen bricht beim Gegenlenken bei etwa 80 Stundenkilometern aus, schleudert und prallt gegen einen Baum. Sekunden später brennt das Auto. Mehrere Ersthelfer ziehen die Jugendlichen aus dem Fond des Wagens.
„Die Jungs haben geschrien, auf der Beifahrerseite sah ich meine Freundin liegen“, sagtet die Angeklagte vor Gericht. Erst Tage später hat sie im Krankenhaus erfahren, dass ihre beste Freundin tot ist.
Die drei Mitschüler erleiden neben Knochenbrüchen auch schwere Verbrennungen. Einer kann erst nach drei Monaten aus dem Krankenhaus entlassen werden. Sein Berufswunsch, Soldat zu werden, ist in weite Ferne gerückt. Was früher Sport war, heißt jetzt für die Jungs Reha. Die Brandnarben werden alle drei ein Leben lang an den Unfall erinnern.
„Ob Sie sich eine Zigarette anmachen, die Jacke aufknöpfen wollten oder nach dem Handy gegriffen haben, spielt im Grunde keine Rolle“, sagte der Vorsitzende. Sie sei den Pflichten einer Fahrzeugführerin nicht nachgekommen. Als Fahrerin trage man die Verantwortung im Fahrzeug. „Sie können stolz sein“, lobt der Richter einen der Lebensretter, der als Zeuge geladen war.
Die 19 Jahre alte Fahrerin entschuldigte sich bei ihren Mitschülern und bei den Eltern der verstorbenen Freundin. „Es tut mir leid. Wenn ich nur könnte, ich würde die Uhr zurückdrehen.“
