Abo

BrandermittlungenExperten lesen in Hürth die Spur des Feuers

3 min
Zu sehen ist eine Lagerhalle, die bei einem Feuer Schaden genommen hat.

Teile der Hallen sind sogar augenscheinlich äußerlich unbeschadet vom Feuer verschont geblieben.

Ermittler suchen nach der Ursache für den Lagerhallen-Brand in Hürth-Kalscheuren.

Nur noch die Außenmauern stehen – dahinter türmen sich Berge von Asche, Geröll und Müll. Das ist alles, was von den 5500 Quadratmeter großen Lagerhallen des Onlinehändlers Omnideal, die am 26. Januar im Gewerbegebiet in Hürth-Kalscheuren abbrannten, übrig geblieben ist. Eine Woche nach der Katastrophe haben sich die Brandermittler der Kriminalpolizei ein Bild von der Unglücksstelle gemacht.

Die Löscharbeiten hatten mehrere Tage gedauert, das Dach war eingestürzt und das Brandgut mit Radladern ins Freie gebracht worden. All das macht die Arbeiter der Ursachenermittler nicht einfacher. In ihrer Ausbildung haben die Kriminalbeamten gelernt, die Spur des Feuers zu lesen – auch nach solchen großen und von den Einsatzkräften durch die Löscharbeiten massiv veränderten Brandstätten.

Hürth: Ausgangspunkt des Feuers wird zuerst ermittelt

„Bei unserer Arbeit geht es darum, eine Straftat auszuschließen oder zu erkennen und nachzuweisen“, erklärt Polizeioberkommissar Guido Schlender (35). Er ist einer der Brandermittler, die im Rhein-Erft-Kreis nach Bränden die Tatorte ganz genau unter die Lupe nehmen. Zunächst einmal gilt es, den Ausgangspunkt des Feuers zu ermitteln. „Der ist oft dort, wo das Feuer am heftigsten gewütet und am stärksten gebrannt hat“, erklärt er. Das gelte bei kleinen Bränden, aber auch bei ganz großen Feuern – so wie bei den Lagerhallen in Kalscheuren.

Auch wenn die Brandstätte durch die Löscharbeiten verändert wurde, findet Schlender oft klare und eindeutige Hinweise, die auf den Ausgangspunkt des Feuers schließen lassen. Mit geschultem Blick fixiert er dazu zum Beispiel die noch stehenden Wände, schaut dabei auch gezielt nach Holzrückständen und Metallen. „Dort, wo es die meisten Veränderungen der Materialien gibt, war oft die Hitze am größten“, erklärt er.

In der Regel könnte dort auch das Feuer ausgebrochen sein. Denn die starke Hitze verändere die Materialien. Metalle zum Beispiel verfärben sich und oxidieren, Holz verkohlt. „Und dort, wo es zu stärkeren Rußablagerungen gekommen ist, brannte das Feuer in der Regel nicht so heiß“, erläutert Schlender. Viele Details, die zum Ergebnis der Ermittlungsarbeit führen, verraten die Brandermittler natürlich nicht. Gleiches gilt auch für die Besonderheiten, auf die Schlender und seine Kollegen bei den Begehungen zu achten haben.

Zu sehen ist eine Metalltür, die sich in der Hitze eines Brandes verformt hat.

Veränderungen sind auch hier im Stahlgerüst der Halle in den Materialien zu erkennen - doch nur dort wo die Veränderungen der Materialien am größten sind, kann ein Hinweis dafür sein, dass dort auch das Feuer ausgebrochen ist.

„Im Blick haben wir immer die elektrischen Leitungen, verbliebene Gerätschaften und Steckdosen“, erklärt er. Er achte immer auf Gegenstände, die an einem Brandort eigentlich nichts verloren haben. Im Falle der Lagerhalle stehen die Ermittlungen zur Klärung der Brandursache noch ganz am Anfang. „Wir ermitteln hier in alle Richtungen“, erklärt Schlender. Noch sei weder ein technischer Defekt noch eine vorsätzliche oder fahrlässige Tat auszuschließen.

Ein schnelles Ergebnis ist nicht zu erwarten

Von heute auf morgen sei mit einem Ergebnis der Untersuchungen ohnehin nicht zu rechnen. „Hier helfen uns jetzt auch die Schilderungen von Zeugen sowie Foto- und Videomaterial“, berichtet Schlender weiter. Etliche Aufnahmen seien den Ermittlern bereits zur Verfügung gestellt worden. Darüber hinaus hätte ihnen die Feuerwehr Drohnenaufnahmen zur Auswertung überlassen.

Das „Herz“ der Brandermittler ist jedoch der eigene Einsatzwagen. Immer griffbereit liegen dort unter anderem weiße Schutzanzüge, Mundschutz, Gummistiefel, Werkzeuge und jede Menge technische Hilfsmittel parat. „Oft nehmen wir von den Brandstätten auch Proben mit, die im Labor unter anderem auf mögliche Rückstände von Brandbeschleunigern untersucht werden“, berichtet Schlender.

Zu sehen ist eine Brandermittlerin, die sich die Hände reinigt.

Immer mit unterwegs sind im Einsatzfahrzeug der Brandermittler auch Reinigungsmittel, um sich den Ruß und die Asche abwaschen zu können.

Um auch die seltensten Brandbeschleuniger nachweisen zu können, gäbe es inzwischen eine Vielzahl von Möglichkeiten, unter anderem spezielle Chemikalien. Die Brandermittlung beschreibt Schlender als eine richtige Forschungsarbeit. Das mache sie so spannend und abwechslungsreich: „Erst ganz zum Schluss entsteht das Gesamtbild.“ So auch in Hürth.