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Diebstahl oder Streich?Mehrere Autokennzeichen in Hürth sind über Nacht verschwunden

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Das Foto zeigt zwei Hände, die nach einem Auto in einem Kennzeichenhalter greifen.

Mehrere Autokennzeichen verschwanden von geparkten Fahrzeugen in Hürth. (Symbolbild)

Betroffen waren nach Auskunft der Polizei nur die hinteren Nummernschilder. Das sollten Betroffene nach einem Diebstahl oder Verlust tun.

Gleich mehrere Autobesitzer in Hürth erlebten in den vergangenen Wochen eine unangenehme Überraschung. An ihren am Straßenrand geparkten Autos fehlte plötzlich das hintere Kennzeichen. Ob es sich um gezielten Diebstahl handelt, ist bislang unklar – für die betroffenen Fahrzeughalter ist der Verlust aber auf jeden Fall ärgerlich.

Im sozialen Netzwerk Facebook berichtete ein anonymer Nutzer, dass an seinem Auto über Nacht das hintere Kennzeichen verschwunden sei. Auffällig sei gewesen, dass auch beim davor geparkten Auto das Kennzeichen gefehlt habe. Später habe er erfahren, dass in derselben Nacht auch noch ein weiteres Auto betroffen gewesen sei.

Polizei und Kreisverwaltung sehen keine Häufung von Kennzeichenklau

In der Kriminalstatistik der Polizei werden Kennzeichendiebstähle nicht als eigener Tatbestand erfasst. Polizeisprecher Hauke Weigand bestätigte jedoch auf Nachfrage, dass es sowohl kurz vor der Jahreswende als auch im Januar mehrere entsprechende Anzeigen in Hürth gegeben habe.

„In einigen Fällen haben wir unsere Ermittlungsergebnisse bereits an die Staatsanwaltschaft übermittelt“, sagt Weigand. „Die Verfahren richten sich weiterhin gegen Unbekannt. Der Polizei Rhein-Erft-Kreis liegen derzeit auch keine Erkenntnisse vor, dass die Kennzweichen anderweitig aufgefallen sind.“ Eine besondere Häufung sehen aber weder die Kreispolizeibehörde noch das Straßenverkehrsamt des Rhein-Erft-Kreises.

Ob es sich bei den jüngsten Fällen um gezielten Diebstahl oder einen „Dumme-Jungen-Streich“ handele, konnte der Polizeioberkommissar nicht sagen. Auffällig sei allerdings, dass ausschließlich die hinteren Kennzeichen verschwunden seien. „Meist werden die vorderen Kennzeichen geklaut. Das machen Leute, die gern mal etwas schneller fahren. Wenn sie geblitzt werden, kann man das Kennzeichen nicht richtig zuordnen“, so Weigand.

Betroffene sollten umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten

Weitere mögliche Motive für Kennzeichendiebstahl seien Tankbetrug oder die Verdeckung anderer Straftaten. Oft suchten sich die Täter gezielt Autos desselben Typs aus, damit das falsche Kennzeichen nicht so schnell auffalle.

Wer den Verlust seines Autokennzeichens bemerkt, sollte umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten. „Das Kennzeichen wird dann zur Fahndung ausgeschrieben, so Sprecher Weigand. „Häufig finden wir die Kennzeichen hinterher irgendwo im Gebüsch wieder, wenn die Täter sie entsorgt haben.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Halter es dann wieder an sein Auto schrauben darf. Denn als gestohlen gemeldete Nummernschilder werden nach Angaben des Straßenverkehrsamts gesperrt und frühestens nach zehn Jahren erneut vergeben. Betroffene müssen daher die Zuteilung eines neuen Kennzeichens beantragen.

Meist werden die vorderen Kennzeichen geklaut. Das machen Leute, die gern mal etwas schneller fahren
Hauke Weigand, Polizeioberkommissar

Dafür sollten sie möglichst zeitnah einen Termin beim Straßenverkehrsamt vereinbaren. „Ein häufiger Fehler ist es, die notwendige Umkennzeichnung, also die Zuteilung neuer Kennzeichen nach einem Verlust oder Diebstahl, hinauszuzögern“, sagt Thomas Schweinsburg, Sprecher der Kreisverwaltung. „Je zügiger die Umkennzeichnung erfolgt, desto schneller wird das gestohlene Kennzeichen eindeutig aus dem Verkehr gezogen. Gleichzeitig verbessert eine schnelle Sperrung des alten und die Zuteilung eines neuen Kennzeichens die Absicherung des Betroffenen.“

Mit Termin seien die Formalitäten in der Regel innerhalb eines Tages erledigt. Die Verwaltungsgebühren betragen laut Schweinsburg 32 Euro, hinzu kommen die Kosten für neue Kennzeichenschilder. Ohne Kennzeichen darf man übrigens nicht zum Straßenverkehrsamt fahren, um dort ein neues Nummernschild zu beantragen. „Eine Ausnahme ist nur möglich, wenn die Fahrt zuvor ausdrücklich mit der Polizei abgestimmt ist“, so Schweinsburg.

ADAC rät, Kennzeichen mit Spezialschrauben zu befestigen

Der ADAC rät, neben Polizei und Straßenverkehrsamt auch die Kfz-Versicherung unverzüglich über den Verlust des Kennzeichens zu informieren – unabhängig davon, ob es gestohlen oder verloren wurde. „Damit erspart man sich viel Ärger für den Fall, dass mit dem geklauten oder verlorenen Kennzeichen Ordnungswidrigkeiten oder sogar Straftaten begangen werden“, erklärt Thomas Müther, Sprecher des ADAC Nordrhein.

Nach Angaben des Automobilclubs werden in Deutschland jährlich rund 160.000 Kennzeichen als gestohlen gemeldet. Einen vollständigen Schutz gebe es nicht, so Müther. „Man kann es den Dieben aber zumindest schwerer machen.“

Übliche Kunststoffhalterungen ließen sich oft mit wenigen Handgriffen lösen. Besser seien fest mit dem Fahrzeug verschraubte Kennzeichen. Mit speziellen Torx-Schrauben könnten die Kennzeichen so gesichert werden, dass sie sich nicht mit üblichem Werkzeug lösen lassen. Müther: „Wenn es zu lange dauert, nehmen die Täter womöglich Abstand vom Diebstahl.“