Die grausigen Bilder lassen den Mann nicht los. Eine Tierärztin appelliert an Hundehalter, ihre Vierbeiner anzuleinen – gerade in der Brutzeit.
Im SchrebergartenHürther Rentner (92) muss zusehen, wie Hunde vier seiner Hühner totbeißen

Oswald (l.) und Heinrich Mach auf der Bank im Schrebergarten mit ihrem Hahn „Johahn“. Vier Hühner wurden dort von freilaufenden Hunden totgebissen.
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Es ging alles blitzschnell: Oswald Mach (92) sah die vier Hunde, wie sie teils sogar zwischen seinen Beinen durch in das eingezäunte Gehege in seinen Schrebergarten liefen. Bevor er richtig reagieren konnte, habe sich jeder der Hunde schon jeweils ein Huhn gepackt und es totgebissen. „Ich habe meine Hühner im Todeskampf nur noch schreien hören“, berichtet der 92-Jährige von einer grausamen Szene, die sich unlängst in seinem Garten abgespielt hatte. Er sei einfach nicht schnell genug gerannt, um die Hunde zu vertreiben und so seine Hühner zu retten.
Die Bilder von seinen vier blutigen totgebissenen Hühnern und ihre Schreie wollen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Noch liegen auch die im Todeskampf der Hühner abgefallenen Federn im Gehege. Von seinen einst sechs Hühnern haben lediglich zwei den Angriff überlebt. „Und die trauen sich immer noch nicht wieder auf die Wiese – sie bleiben lieber dicht am Zaun, versteckt unter den Hecken und Sträuchern“, sagt Oswald Mach.
Hürther Rentner liebt die Arbeit im Garten und den Umgang mit seinen Hühnern
Von seiner Bank im Garten hatte Oswald Mach seine Tiere immer gut im Blick. Der 92-Jährige genoss es, den Hühnern von dort aus beim Picken und Scharren zuzusehen. „Das beruhigt, entspannt und entschleunigt“, sagt er. Er liebe die Arbeit im Garten und mit seinen Hühnern. Seinem Hahn hat er einen Namen gegeben. „Das ist unser Johahn“, sagt er und lacht. „Er ist zahm und frisst mir, so wie die Hühner, aus der Hand.“
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Niemals würde er seine Tiere in den Kochtopf stecken. „Sie sind doch mein Vergnügen, mein Hobby und meine Freude – die dürfen bei mir so lange leben, wie sie halt leben“, sagt er. Und sein Sohn Heinrich Mach (67) ergänzt: „Das ist hier ein bisschen wie in einer anderen Welt.“ Täglich kommt auch er zum Schrebergarten, um nach seinem Vater zu sehen, aber auch, um selber die Idylle dort zu genießen. In der Vergangenheit konnte er sich oft auch einige der Eier mitnehmen, die ihnen die Hühner täglich frisch ins Nest gelegt haben. Doch auch damit ist jetzt erst einmal Schluss.
Tierärztin aus Hürth kennt das Problem mit freilaufenden Hunden
Sein Vater und er mögen Tiere eigentlich richtig gerne – auch Hunde. „Doch Hunde, die hier hinter den Schrebergärten auf den Wanderwegen nicht angeleint laufen, müssen einfach aufs Wort gehorchen“, finden sie. „Hätten die vier Hunde auf die schreienden Befehle ihres Halters gehört, wären unsere Hühner noch lebendig“, sagt der Junior. Immerhin: Der Halter hat Mach den Verlust seines Federviehs finanziell erstattet.
„Fremde Hunde haben in Gärten anderer Leute unerlaubt überhaupt nichts verloren“, betont Tierärztin Linda Schmitz aus Hürth-Gleuel. Sie findet auch: „Hunde gehören jetzt in Feld, Wald und Wiese an die Leine – oder aber sie gehorchen wirklich aufs Wort.“ Da nütze kein 80 Prozent und auch kein „Vielleicht“, sagt sie. Zum Schutz anderer Spaziergänger und zum Schutz der Tiere im Wald sei es wichtig, dass die freilaufenden Hunde 100-prozentig aufs Wort gehorchen. „Sie müssen auf dem Weg bleiben.“
Gerade aktuell beginne die Zeit, in der auch die Bodenbrüter ihre Nester bauen und für Nachwuchs sorgen. Für sie und ihren jungen Nachwuchs können freilaufende Hunde Lebensgefahr bedeuten. „Und es wird auch kontrolliert“, sagt die Tierärztin. Öfter hat sie auf den Wanderwegen am und nahe dem Otto-Maigler-See in letzter Zeit auch mitbekommen, dass die Hürther Ordnungsbehörden Kontrollen durchführen.
Wo Leinenpflicht gilt und wo nicht
Im Wald gilt das Landesforstgesetz NRW. Demnach müssen Hunde in Naturschutzgebieten an die Leine genommen werden. „Auf den anderen Waldwegen dürfen sie freilaufen, sofern sie direkt abrufbar sind und sich generell im Einwirkungsbereich ihres Besitzers aufhalten“, erklärt Revierförster Frank Mayer.
Hunde, die sich nicht von alleine dauerhaft beim Besitzer aufhalten, müssten an die Leine genommen werden. Insbesondere im jetzt beginnenden Frühling sei das wichtig. Wenn nämlich die Hunde ins Unterholz geraten, könnten sie mitunter die Tiere des Waldes bei der Aufzucht ihres Nachwuchses „Oder ihn gar fressen“, sagt Mayer. (mkl)

