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ErmittlungenOGS-Verein soll Essen an Grundschule in Hürth falsch abgerechnet haben

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Das Foto zeigt eine Außenaufnahme der Schule und des Schulhofs.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verantwortliche des früheren OGS-Trägervereins an der Clementinenschule in Alt-Hürth.

Eltern schöpften Verdacht, weil Kinder sich über zu kleine Essensportionen beschwert hatten. Die Stadt hat einen neuen Träger beauftragt.

Die Staatsanwaltschaft in Köln ermittelt seit dem Frühjahr 2025 gegen Verantwortliche des früheren Trägervereins der Offenen Ganztagsbetreuung (OGS) an der Grundschule Am Clementinenhof in Hürth. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer auf Anfrage dieser Redaktion. Das Verfahren richtet sich demnach gegen drei Beschuldigte aus dem Umfeld einer Kinderbetreuungseinrichtung in Alt-Hürth. Es bestehe der Anfangsverdacht der Untreue.

Die Stadt Hürth hat den Vertrag mit dem Verein gekündigt und den Betrieb der OGS bereits Mitte Mai 2025 an einen neuen Träger vergeben.

„Unter anderem geht es um den Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Essensbestellungen“, teilte Bremer mit. Das Ermittlungsverfahren sei nach einer Anzeige von Eltern eingeleitet worden. Zwischenzeitlich wurde es deutlich ausgeweitet.

Hürth: Kinder bekamen nur ein halbes Schnitzel zum Mittagessen

Mehrere Eltern berichteten, sie seien misstrauisch geworden, nachdem Kinder sich wiederholt über die Mittagsverpflegung beschwert hätten. Nach ihren Schilderungen habe es teilweise zu wenig Essen gegeben. Demnach seien halbe Schnitzel ausgegeben worden, zur Suppe habe es lediglich ein Viertel eines Brötchens gegeben. Inhalte von Pudding- und Joghurtbechern seien mit dem Esslöffel auf mehrere Kinder verteilt worden.

Der damalige Träger soll gegenüber Eltern erklärt haben, man habe zur „Minimierung von Essensmüll“ weniger Mahlzeiten bestellt. Der Verein habe ihnen gegenüber angegeben, in der Regel 110 bis 120 Essen bestellt zu haben. Tatsächlich hätten aber etwa 170 Kinder die OGS besucht. Wie viele davon zu Mittag gegessen haben, wird noch ermittelt.

Hürth: Staatsanwaltschaft stellte Unterlagen bis ins Jahr 2021 sicher

Einige Eltern vermuten Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung der Mahlzeiten. Ihren Angaben zufolge seien ihnen mehr Essen in Rechnung gestellt worden, als tatsächlich beim Caterer bestellt worden seien. Zunächst habe der Verein vier Euro pro Mahlzeit verlangt, ab Januar 2025 dann eine Monatspauschale von 68 Euro. Nach Berechnungen von Eltern könnte sich allein für Januar 2025 eine Differenz von mehr als 3700 Euro ergeben haben.

Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben bereits zahlreiche Zeugen befragt, darunter die Eltern der betreuten Kinder sowie Mitarbeitende der OGS. Außerdem seien Büroräume des Vereins durchsucht worden. Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen, die bis ins Jahr 2021 zurückreichen, dauere an.

Stadt Hürth hat einen neuen Träger mit dem Ganztagsbetrieb beauftragt

Wann mit einem Abschluss der Ermittlungen zu rechnen ist, lasse sich derzeit nicht sagen, so die Staatsanwaltschaft. Auch ob neben dem Untreuverdacht im Zusammenhang mit den Essensbestellungen weitere mögliche Vorwürfe geprüft würden, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Die Stadt Hürth wollte sich mit Verweis auf laufende straf- und zivilrechtliche Verfahren nicht näher äußern. Man habe sich jedoch gezwungen gesehen, den Vertrag mit dem damaligen Trägerverein zu kündigen. Am 19. Mai vergangenen Jahres habe die gemeinnützige Gesellschaft Schülergarten die Ganztagsbetreuung an der Clementinenschule übernommen.

Die Internetseite des früheren OGS-Betreuungsvereins ist seit mehreren Monaten nicht mehr erreichbar. Mehrere E-Mail-Anfragen dieser Redaktion an ein Vorstandsmitglied blieben unbeantwortet.