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BühnentanzAuf dem Weg zur Ballerina

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Nach drei Jahren Ballettunterricht in Blatzheim wagt Lilli Joachim (11) jetzt den Sprung in die staatliche Palucca-Hochschule für Bühnentanz in Dresden.

Kerpen/Erftstadt – Ihre Füße standen Lilli Joachim bislang etwas im Weg: Wenn sie ihre Beine streckt, wölbt sich der Spann nicht so nach außen, wie es bei einer Ballerina eigentlich gerne gesehen wird. Trotzdem bestand die elfjährige Schülerin aus Lechenich nun die Aufnahmeprüfung an der renommierten staatlichen Palucca-Hochschule für Bühnentanz in Dresden. Die Füße seien lediglich ein „anatomisches Problem“, erläutern die Ballettlehrerinnen Elena Oberwalleney und Janina Simonis. „Dafür hat Lilli andere Talente. Sie ist besonders ausdrucksstark und lebt jede Rolle im Tanz wirklich.“

Oberwalleney und Simonis leiten die Ballettschule „Kult“, eine „Schule für Bühnentanz“, in Blatzheim. In der alten Kommandeursburg bilden sie und ihr Team 200 Schülerinnen und zurzeit nur einen Schüler aus. Viele machen dort als Hobby mit und trainieren einmal bis dreimal die Woche. Einige, wie Lilli, seien talentierter und ambitionierter als andere, erläutert Simonis. Sie trainieren in den Talentförderklassen fünfmal die Woche und können so später vielleicht eine staatliche Hochschule für Tanz besuchen.

Nach den Herbstferien geht es für Lilli in Dresden los. Sie wird dort mit 60 anderen Kindern in einer Art Ballettinternat wohnen. Wenn alles gut läuft, hat sie dann mit 18 Jahren einen Bachelor und ein staatliches Examen als ausgebildete Tänzerin in der Tasche.

Schnell zum Training

„So eine Chance will ich mir nicht entgehen lassen,“, sagt die Elfjährige. Für sie sei immer klar gewesen: „Wenn ich angenommen werde, mache ich das.“ Mutter Wiebke Joachim unterstützt sie. „Lilli wird sicherlich Heimweh bekommen. Aber die Schule in Dresden wird ihren Alltag entspannen.“ Jetzt sei es so, dass Lilli, die das Kerpener Gymnasium in der sechsten Klasse besucht, nach der Schule meist in die Ballettschule zum Training fahre. „Danach geht es nach Hause, Hausaufgaben machen und ins Bett. Dies hört sich schlimm an, ist aber das, was sie machen will.“ Da sei es doch besser, wenn Schul- und Ballettunterricht sowie das Wohnen wie in Dresden an einem Ort integriert seien. „Das erspart viele Fahrwege.“

Lilli, die erst mit acht Jahren mit dem Ballettunterricht begann, habe großen Ehrgeiz, sagt Oberwalleney. „Sie wollte unbedingt in unser Förderprogramm.“ Bei einem Workshop, den die Dresdener Tänzerin Asako Tanaka in Blatzheim durchführte, habe das Mädchen richtig Feuer gefangen. Nach dem Ballettinternat stünden ihr viele Wege als Profi-Tänzerin offen, etwa bei Musicals und am Theater. „Das ist keine brotlose Kunst.“

Falls Lilli sich aber in Dresden nicht wohlfühle, könne sie jederzeit nach Hause kommen und wieder in Kerpen zur Schule gehen, berichtet die Mutter. So sei es auch mit dem Gymnasium vereinbart.