Kerpen – In den 1980er Jahren hatte das Unternehmen „Rey Druck Kerpen“ noch 15 Mitarbeiter. Zuletzt waren es nur noch vier. Doch auch die müssen sich jetzt einen neuen Arbeitsplatz suchen: Denn die traditionsreiche Kerpener Druckerei samt dem angeschlossenen Schreibwarengeschäft auf der Hahnenstraße 3-7 hat zum 31. Januar offiziell geschlossen. In den nächsten Tagen soll lediglich noch der Ausverkauf sein, dann endet die Firmengeschichte nach 135 Jahren. Die Firmeninhaber Rosemarie und Peter Gottfried Rey gehen mit 75 beziehungsweise 72 Jahren in den Ruhestand. Einen Nachfolger für den Betrieb haben sie nicht gefunden.
„Der hätte zu hohe Investitionen, etwa in neue Druckmaschinen, vornehmen müssen, das lohnt sich nicht mehr“, erzählt Peter Gottfried Rey. Seit 1960 arbeitete der Buchdruckermeister im Betrieb mit. 1878 habe sein Urgroßvater, Ludwig Rey, das Unternehmen als Buchbinderei in „Kerpen, am Ausgang nach Sindorf“ gegründet. Per Annonce in den damaligen Zeitungen empfahl er sich „bestens bei billigen Preisen“ mit „schöner und starker Arbeit“. Bis heute befindet sich das Unternehmen noch am alten Firmensitz, der aber dank des Wachstums von Kerpen mittlerweile in der Ortsmitte liegt.
Familiendrucksachen, etwa für Hochzeiten oder Todesfälle, Geschäftsdrucksachen für Betriebe konnten sich die Kunden bei der Firma Rey gestalten und drucken lassen. In den Anfangsjahren wurden dort auch gleich die passenden Fotos dazu gemacht. Daneben gab es einen gut bestücktem Schreibwarenladen mit Schulbedarf, Büchern und Zeitungen. Doch zunehmende Konkurrenz – etwa durch den neuen Büroartikelmarkt im Einkaufszentrum Erft Karree – oder durch Discounter, die ebenfalls Schulartikel anbieten, hätten die Geschäfte immer schlechter werden lassen. Dabei habe man mit dem eigenen Warenangebot eigentlich auch preislich mithalten können, betonen beide. Dazu komme, dass mittlerweile auch im Internet Drucksachen erstellt werden können. Zudem habe zuletzt auch der Umbau der Hahnenstraße noch einmal für Einbrüche gesorgt. „Jetzt ist die Straße fertig, aber wir haben nichts mehr davon.“
Es tue „weh“, so das Ende der eigenen Firma erleben zu müssen, sagt Peter Gottfried Rey. Früher habe es in Kerpen viele Traditionsgeschäfte gegeben. Jetzt sind „fast alle weg“. Das liege eben im Trend. Er danke der Kundschaft, die bis zuletzt treu geblieben sei, und den eigenen Mitarbeitern, die teilweise schon über 30 Jahre dabei sind. „Wir sind wie eine Familie gewesen und hatten immer ein Super-Betriebsklima.“
