Kerpen-Blatzheim – Für Autofahrer auf der Bundesstraße 477 zwischen Blatzheim und Nörvenich ist es ein gewohnter, aber immer wieder gern gesehener Anblick: Jeden Herbst erblühen die Felder dort in vielen Farben, weil auf dem Katharinenhof der Familie Donners Stiefmütterchen angebaut werden. Doch nach 40 Jahren ist nun Schluss: Landwirt Ludwig Donners (61) und seine Frau Sibille werden den Blumenanbau an einen Nachfolger mit eigenen Flächen übergeben.
„Ich habe mir immer Nischen gesucht, die sonst keiner macht“, erinnert sich Donners. Auf dem elterlichen Hof, der 1963 als Aussiedlerhof neu gebaut wurde, begann er 1974 mit dem Anbau von Stiefmütterchen auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern. „Früher wurde noch viel mit der Hand gemacht.“ Die Pflänzchen wurden selber angezogen, auf den Äckern ausgesetzt, vereinzelt und später geerntet. Zwischendurch musste mit der Hacke auch schon mal Unkraut gejätet werden. „Heute haben wir beispielsweise eine Bandpflanzmaschine, mit der dies alles viel schneller geht.“ Dennoch gehe es nicht ohne die polnischen Saisonarbeitskräfte, die teilweise schon seit 20 Jahren auf dem Hof aushelfen würden. Nicht nur Stiefmütterchen, auch Zier-Artischocken, Weidekätzchen, Haselnusssträucher und Forsythien hat Donners schon angebaut und vermarktet. Gerade gehen kistenweise Tannenzweige vom Hof, die nun für Adventskränze gebraucht werden. Die Anbaufläche der Stiefmütterchen von Sibille und Ludwig Donners ist mittlerweile auf 30 000 Quadratmetern angewachsen. Dort stehen die Stiefmütterchen zurzeit in voller Blüte: Alleine 50 verschiedenen Farben gibt es. Privatkunden, Gartenbaubetriebe, Friedhofsgärtnereien bis hin nach Holland oder Belgien gehören zur Stammkundschaft der Donners. Besonders beliebt seien zurzeit die „kleinblumigen“ Stiefmütterchen, die sogenannten „Minis“, sagt Donners.
Donners ist stolz darauf, seinerzeit sogar den Bundespräsidenten und die Bundesregierung beliefert zu haben, als diese noch in Bonn residierten. Gerade ist die Verkaufssaison auf dem Hof wieder angelaufen. Die letzte, die fast noch ins Wasser gefallen wäre. Denn die heftigen Regenfälle der vergangenen Wochen haben Donners schwer zu schaffen gemacht. So habe es vor ein paar Tagen bei ihm binnen einer Stunde 45 Liter auf den Quadratmeter geregnet: „Das hat mir 10 000 Pflänzchen weggeschwemmt.“ Überhaupt, das Wetter sei in den vergangenen Jahrzehnten immer unberechenbarer geworden. „Das merken wir auch an extremen Trockenheiten. Wir müssen mehr bewässern und haben dafür einen Brunnen gebohrt.“
Um die kleinen Pflänzchen alle trotz des verregneten Sommers in die Erde zu bekommen und gedeihen zu lassen, musste manchmal bis in die Nacht gearbeitet werden. Für die Ernte und den Verkauf, die sich bis Allerheiligen erstrecken werden, hoffen Sibille und Ludwig Donners nun auf „goldenes Oktoberwetter“.
