Abo

BeschwerdeGesamtschul-Elternteil beklagt „systematisch verschlossene“ Toiletten in Kerpen

3 min
Die Türen mit roten griffen von Toiletten in einer Schule sind zu sehen.

Die anonyme Beschwerde war im Mängelmelder eingegangen. Die Willy-Brandt-Gesamtschule weist die Vorwürfe zurück.

Von einer „unzumutbaren und gesundheitsgefährdenden Praxis“ zur Toilettenbenutzung an der Willy-Brandt-Gesamtschule ist auf der Mängelmelder-Seite der Stadt Kerpen seitens eines anonymen Elternteils die Rede. In der Pause seien die Toiletten an der Schule „systematisch verschlossen“, der Gang werde vielmehr nach Liste während des Unterrichts gewährt, je nach Einschätzung der Lehrpersonen auch gar nicht.

„Das ist nicht richtig. Während der Pausen sind immer die zwei Toilettenanlagen im Aquarium und im Foyer offen“, sagte dazu die Schulleiterin Andrea Gurdon. Sie wies auf die bauliche Besonderheit der Gesamtschule hin, nämlich das Vorhandensein von vielen, sogenannten Jahrgangsstufentoiletten. Die Klassenräume seien für jede Jahrgangsstufe auf Flure konzentriert mit jeweils eigenen Toilettenanlagen, die für die Benutzung während des Unterrichts vorgesehen seien.

Zerstörung: Schulleitung möchte nachvollziehen können, wer wann die Toilette aufgesucht hat

Diese Anlagen würden tatsächlich in den Pausen geschlossen, da die Flure während der Pause unbeaufsichtigt und nicht als Aufenthaltsräume vorgesehen seien. Ja, es gebe eine Liste während des Unterrichts, räumte sie ein, um nur einzelnen zur gleichen Zeit den Toilettenbesuch zu ermöglichen. Damit wolle man Treffen auf den Jahrgangsstufentoiletten vermeiden.

Bei immer wieder vorkommenden Zerstörungen wolle die Schulleitung außerdem nachvollziehen können, wer wann die Toilette aufgesucht habe. „Mit viel Fingerspitzengefühl“ reguliere die Lehrerschaft den Toilettengang der Schülerinnen und Schüler während des Unterrichtes, so die Schulleiterin. Bei manchen ihrer Schülerinnen und Schüler, die wiederholt gleich mehrfach pro Unterrichtseinheit austreten wollten, schrillten freilich schon mal die Alarmglocken. Immer suche die Lehrerschaft aber das Gespräch mit den Eltern und frage nach Ursachen.

Bergheimer Gutenberg-Gymnasium setzt vermehrt auf soziale Kontrolle

Von einem „parallelen Leben“ im unbeaufsichtigten Toilettenraum mit „ganz eigener Gruppendynamik“, die bisweilen zu Zerstörungen führe, sprach auch die Schulleiterin des Gutenberg-Gymnasiums in Bergheim, Anja Schwingel. Ein Chipsystem habe sich in den zwei Toilettenanlagen nur als „mäßig erfolgreich“ erwiesen.

Die personalisierten Chips zum Öffnen der Toilettentür seien gerne mal bei Verlust oder Vergessen verliehen worden, auf Anklopfen hin wurde die Tür geöffnet. Darum sei bei Zerstörungen leider nicht klar auszumachen, wer genau zu dem Zeitpunkt die Toilette aufgesucht habe.

Das Gutenberg-Gymnasium setze darum vermehrt auf soziale Kontrolle, so Anja Schwingel. Die Türen zum Vorraum der Toiletten seien während der Pausen geöffnet. Eine Reinigungsfachfrau schaue auch während der Schulzeit mal rein, um kleinere Arbeiten zu verrichten oder die Toilettenpapier-Rollen zu ergänzen. Den Wert der Schultoilette habe die Renovierung der Anlagen der Schülerschaft vor eineinhalb Jahren deutlich gemacht, und zwar durch Verschönerungen.

„Da hängen mittlerweile bei den Jungen FC-Schals an den Wänden, die Mädchen hatten sich einen großen Spiegel gewünscht“, schilderte sie. Das Austreten während des Unterrichts erfordere freilich „pädagogisches Feingefühl“ der Lehrkräfte. Bisweilen werde man aber „hellhörig“, wenn sich der Drang zur Toilette plötzlich und gleichzeitig bei drei Schülern melde.

„Zerstörungen sind alles in allem kein drängendes Problem am Europagymnasium – zum Glück!“, meldete der Schulleiter Wendel Hennen vom Gymnasium der Stadt Kerpen auf Anfrage. Das dortige Konzept sei einfach. In den beiden großen Vormittagspausen und in der Mittagspause stünden die Toiletten allen Schülerinnen und Schülern frei zur Verfügung. Während des Unterrichts gelte die Faustregel, dass immer nur eine Person pro Lerngruppe gleichzeitig auf die Toilette gehe – wie an nahezu allen Schulen.