Die ersten Minuten sind entscheidend für den Erfolg der Erstversorgung von Betroffenen und deren weiterer Behandlung.
36-Jährige gestorbenUnfall in Kerpen – Autofahrer fuhren davon, ohne zu helfen

Tödliche Verletzungen erlitt eine 36-jährige Frau, nachdem sie mit ihrem Wagen frontal gegen einen Traktor geprallt war.
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Am Mittwochmorgen ereignete sich auf der Kreisstraße 55 in Höhe Kerpen-Bergerhausen ein schwerer Verkehrsunfall. Eine 36-jährige Frau aus Kerpen starb an der Unfallstelle. Als die Feuerwehr noch nicht da war, wendeten mehrere Autofahrer an der Unfallstelle ihre Fahrzeuge und fuhren weg, ohne zu helfen. Mittwoch, 7.45 Uhr. Auf der Kreisleitstelle der Feuerwehr und bei der Polizei gehen mehrere Notrufe ein. Die Anrufer berichten von einem schlimmen Unfall auf der Kreisstraße 55 in Höhe der Kommandeursburg in Kerpen-Bergerhausen.
Auf dem Weg zum Gerätehaus an der Unfallstelle gestoppt
Ein Kleinwagen und ein Traktor sollen frontal zusammengeprallt sein. Die Feuerwehr löst Alarm aus. Neben der Hauptwache in Kerpen werden auch die Löscheinheiten Manheim und Blatzheim alarmiert. Auch eine Rettungsassistentin, die ehrenamtlich beim Löschzug Blatzheim mitarbeitet, ist zu Hause und macht sich in Shorts und Sweatshirt sofort auf den Weg zum Gerätehaus, um dort in ihre Uniform zu springen, um mit den Kollegen zur Einsatzstelle zu fahren. Doch so weit kommt es nicht.
Traktorfahrer und Rettungsassistentin zogen Frau aus dem Wagen
Die Frau kommt auf dem Weg an der Unfallstelle vorbei, hält an und leistet Hilfe. Sie erkennt sofort, dass das Unfallopfer schwer verletzt ist. Gemeinsam mit dem Traktorfahrer zieht die Rettungsassistentin die verletzte Frau aus dem Wagenwrack. Die 36-Jährige wird auf der Straße reanimiert. Was sich dann für Szenen abspielten, erschüttert selbst erfahrene Feuerwehrleute: „Einige Autofahrer fuhren bis zur Unfallstelle, guckten, bevor sie ihren Wagen drehten und davonfuhren“, berichtet die Rettungsassistentin später.
Minuten später erreichen etwa 25 Helfer von Feuerwehr und Rettungsdienst, die unter der Leitung von Ralph Doberschütz stehen, die Einsatzstelle. Die Frau wird im Rettungswagen weiter behandelt, zwischenzeitlich landet ein Rettungshubschrauber. Doch alle Versuche, das Leben der Frau zu retten, scheitern. Die Polizei nimmt bis zum Mittag Spuren auf. Die Unfallursache ist noch unklar.
Es ist bereits der zweite tödliche Verkehrsunfall in diesem Jahr. Am vergangenen Wochenende war ein junger Mann mit seinem Wagen auf der Kreisstraße 50 zwischen Kerpen-Balkhausen und Hürth-Berrenrath von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Brückenpfeiler geprallt.
ADAC: Nicht zu helfen, ist die falsche Entscheidung
Der ADAC rät, sich bei Unfällen so zu verhalten: Bis professionelle Helfer eintreffen, sind häufig nur Menschen ohne besondere medizinische Kenntnisse vor Ort. Nicht jeder traut es sich auch zu, Erste Hilfe zu leisten. Die ersten Minuten sind aber entscheidend für den Erfolg der Erstversorgung von Betroffenen und deren weiterer Behandlung. Daher sollte man unbedingt Erste Hilfe leisten. Niemand wird einem einen Vorwurf machen, wenn man nicht die gleichen Kenntnisse hat wie ein professioneller Helfer. Nur, nicht zu helfen, ist die falsche Entscheidung. Als Ersthelfer muss die Eigensicherung immer höchste Priorität haben. Die ersten Minuten nach einem Unfall sind sehr kritisch, weil die Gefahr besteht, dass weitere Autofahrer die Unfallstelle nicht sofort erkennen und nicht rechtzeitig zum Stehen kommen. Dann droht eine Kettenreaktion mit oft schweren Folgeunfällen. Bei einem Verkehrsunfall sollte man zunächst die Unfallstelle absichern.
Das eigene Fahrzeug stellt man mit eingeschalteter Warnblinkanlage am besten auf dem Pannenstreifen oder am äußersten rechten Fahrbahnrand ab, in sicherem Abstand zur Unfallstelle. Schon vor dem Aussteigen sollte man, wenn möglich, die Warnweste anziehen. Mitfahrer sollten zu ihrer eigenen Sicherheit nur auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen. Beim Aufstellen des Warndreiecks rät der ADAC dazu, dem Verkehr hinter der Schutzplanke oder zumindest am äußersten Straßenrand mit aufgeklapptem Warndreieck entgegenzugehen und andere Autofahrer mit Handzeichen zu warnen.
In der Stadt sollte man das Warndreieck in etwa 50 Metern Entfernung vom Unfall aufstellen, auf Landstraßen etwa 100 Meter und auf Autobahnen mindestens 150 Meter, empfiehlt der ADAC weiter. Anschließend sollte man verunglückte Personen aus der Gefahrenzone bringen, sofern das möglich ist und man sich damit nicht selbst gefährdet. Dann den Notruf absetzen und mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen.


