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Selbsthilfegruppe und Bücher So will ein Kerpener alkoholkranken Menschen Mut machen

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Das Foto zeigt das Portrait eines Mannes mit Brille und einem grauen Hemd.

Drei Bücher zur Alkoholsucht aus der Sicht des Betroffenen hat der 57-jährige Kerpener Ralf Pelzer geschrieben.

Seit März 2024 ist Ralf Pelzer trockener Alkoholiker und will Betroffenen mit seinen eigenen Erfahrungen helfen.

„Ich möchte alkoholkranken Menschen helfen und ihnen Mut machen“, sagt Ralf Pelzer. Darum habe er die Selbsthilfegruppe „Neustart Rhein-Erft-Kreis“ gegründet. Es handelt sich um eine nicht öffentliche Facebook-Gruppe für Alkoholkranke, erläutert Ralf Pelzer, zu der er als Moderator erst auf Anfrage den Zugang für Posts anonymisierter Nutzer ermögliche. Er sei weder Arzt noch Suchttherapeut, berichtet er, sondern selbst Alkoholiker und seit dem 28. März 2024 „trocken“.

Auf den Gedanken, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, in der sich Betroffene jederzeit austauschen können, hat ihn die Selbsthilfegruppe in der Sindorfer Caritas gebracht, der er in Präsenz angehöre. Alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe montags in Sindorf. Viel Hilfe habe er dort erlebt.

Kerpen: Online-Hilfe für Suchtkranke bei dringenden Problemen

Aber was, wenn er plötzlich an einem anderen Tag jemanden brauche, dem er ein dringendes aktuelles Problem schildern könne? „Achtsam“ sei er geworden und „auf der Hut“ im Umgang mit der Sucht. Denn alkoholkrank bleibe man auch nach erfolgreicher Entgiftung, das würden viele unterschätzen.

Aus schmerzhaften Erfahrungen wisse er, wie schnell ein Rückfall passiere. Kleine Anlässe und Frustrationen im Alltag könnten schon Auslöser sein, wieder – so wie er – zum Bier oder Jägermeister zu greifen. Auch die Illusion, „kontrolliert Alkohol trinken zu können“, habe ihn nach wiederholten Entgiftungen vor einigen Jahren wieder zum Trinken gebracht.

Angst, zu versagen, führte zur Katastrophe

Aus einem Glas Glühwein beim Weihnachtsmarkt, „zum Ausprobieren“, sei der Alkoholkonsum schleichend über vier Jahre hinweg mehr und häufiger geworden. Dann hat die Furcht, bei seiner Arbeit als Schichtleiter in einem Kerpener Lager zu versagen, eines Tages zur Katastrophe geführt.

Nach einer Nachtschicht habe er den ganzen Tag getrunken. Er selbst habe keine Erinnerung mehr an den Tag, „Filmriss“, sagt er. Dreimal sei er am Kiosk gesehen worden, um dort immer noch mehr Bier und Jägermeister zu kaufen, habe man ihm später erzählt. Mit 3,3 Promille habe ihn dann die Polizei nach einer Fahrerflucht im Auto gestellt, nachdem er beim Ausfahren zur Nachtschicht einen parkenden Wagen „angetitscht“ habe. „Nichts Schlimmes“, hatte er im Rausch für sich entschieden.

Missbrauch durch eine Tante in einer Traumatherapie aufgearbeitet

Nach einer anschließenden Entgiftung, einer 18-wöchigen Therapie für Alkoholsüchtige und einer Traumatherapie, in der er den sexuellen Missbrauch durch seine Tante in jungen Jahren aufgearbeitet habe, sei er trocken.

Geholfen hat ihm außerdem das Aufschreiben seiner Lebensgeschichte in Buchform, angefangen mit seiner Jugend, geprägt von konservativen Eltern und ersten Berührungen als Elfjährigem mit Bier und Zigaretten auf einem Abenteuerspielplatz in Dormagen. Über seine Erfahrungen in Baukolonnen und beim Gerüstbau schreibt er, wo zusätzlich zum Bier Amphetamine bewirkten, die schweren Stahlteile wie Federgewichte erscheinen zu lassen. Erlebnisse in Landeskrankenhäusern, seine Karriere als selbstständiger Chef von zehn Mitarbeitern bis zum letzten Zusammenbruch runden die Geschichten ab.

Auf dem Foto sind drei Bücher zu sehen.

Drei Bücher zur Alkoholsucht aus der Sicht des Betroffenen hat der 57-jährige Kerpener Ralf Pelzer geschrieben.

Drei Bücher habe er so mittlerweile verfasst, die alle im Buchhandel erhältlich seien. In „Lebensgeschichte eines Kämpfers – wie ich die Sucht besiegte“ und „Steh auf, wenn du am Boden liegst“ will er Betroffene motivieren, ihre Sucht ein erstes Mal – oder auch zum wiederholten Male – anzugehen und sich professionelle Hilfe zu suchen.

Trockenen Alkoholikern hofft er insbesondere mit seinem zweiten Band „Nach dem Absturz kommt kein Feuerwerk – über das Leben nach dem Aufhören“ hilfreiche Gedanken aus seinem Erfahrungsschatz anbieten zu können.


So ist die Gruppe erreichbar

Zur Onlinegruppe gegen Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch führt der Link https://www.facebook.com/groups/762144599661876/ oder die E-Mailadresse SHG.Neustart@gmail.com