Kerpen – „Wer mir etwas schenken möchte: Hier werden Sie ganz bestimmt fündig.“ Bürgermeisterin Marlies Sieburg konnte es sich nicht verkneifen, ihre Begrüßungsrede augenzwinkernd mit einem dezenten Hinweis auf ihren bevorstehenden Geburtstag zu beenden. Was da am Wochenende beim städtischen Kunst- und Handwerkermarkt im Rathausfoyer an schönen Dingen feilgeboten wurde, war aber auch wirklich verlockend.
34 Ausstellerinnen und Aussteller präsentierten bei der 31. Auflage des Marktes wieder Kunst und vor allem Kunsthandwerk in großer Vielfalt und beachtlicher Qualität. „Made in China ist hier nicht zu sehen“, betonte die Bürgermeisterin. Nach den Vorstellungen der Organisatoren aus dem Kulturamt soll vielmehr Selbsterdachtes und Selbstgemachtes, das einen gewissen Pfiff hat und nicht an jeder Ecke zu bekommen ist, den Schwerpunkt bilden.
Den recht hohen Ansprüchen wurde der Markt durchaus gerecht, zumal die Besucher auch diesmal wieder einige neue Entdeckungen machen konnten. Dazu gehörten die extravaganten Halsketten aus der Werkstatt von Monique Zahlten, die ihren Schmuck aus Fahrradschläuchen anfertigt. „Zunächst war das nur als Gag gedacht“, erzählt die Belgierin aus Hauset, „doch als meine Freundinnen plötzlich alle so eine Kette haben wollten, habe ich die Schnitttechnik und die Design immer weiter verfeinert. Und hautverträglich ist das Material auch.“
Filigrane Teller
Auf das Fusing, bei dem verschiedene Glasarten millimetergenau zurechtgeschnitten, dann miteinander verschmolzen und schließlich in Formen gegossen werden, hat sich der Solinger Glaskünstler Wolfgang Gersonde spezialisiert. Das Ergebnis sind filigran gearbeitete Schalen und Teller, bei deren Anblick sich viele Besucher fragten, ob die Glasobjekte auch für den täglichen Gebrauch geeignet seien. „Absolut“, versprach Gersonde, „ich nenne meine Sachen deshalb gern dekorative Gebrauchskeramik. Sie sollen nicht so empfindlich sein, dass man sie nicht benutzen könnte, aber gleichzeitig so reizvoll, dass man sie auch einfach nur als Blickfang zum Anschauen aufstellen kann.“
Blickfänge anderer Art fertigt der Frechener Hobby-Kunstschmied Peter Fleischer an. Er arbeitet zwar mit den Methoden der Goldschmiedetechnik, greift beim Material aber ausschließlich auf echtes Silber zurück. „Allein schon aus Kostengründen. Die Leute sollen es sich ja leisten können. Silber ist ein edles, aber eben nicht ganz so teures Metall, aus dem man nicht nur Ringe, sondern wunderbar auch Haarspangen, Ohrringe oder auch Lesezeichen schmieden kann.“
Jedes Teil ein Unikat – das gilt auch für die Bernsteinanhänger aus der Kerpener Werkstatt von Elisabeth Labus. Sie verwendet am liebsten baltischen Naturbernstein, den sie zuweilen nur teilweise schleift und poliert. „Man soll dem Schmuckstück noch ansehen können, wie dieser faszinierende Stein in seiner natürlichen, unbearbeiteten Form aussieht“, erklärt die Schmuckdesignerin.
Und es gab Weihnachtskrippen und rustikale Holzschnitzarbeiten von Kunibert Wirtz aus Simmerath, witzige Keramikfiguren von Inge Fuchs aus Kerpen, Mode aus Gaby Funkes Kerpener Spinnstube, handgearbeitete Glasperlen von Angela Liane Wagner aus Köln und vieles mehr aus Ton, Glas, Holz oder edlen Steinen.
