Kerpen/Frechen – Das Feld breitet sich braun und weit vor den Augen der Spaziergänger aus. Es sieht aus, als ob nichts gesät wäre, doch der Schein trügt. Unter der Oberfläche keimen die Rübenpflänzchen. Doch Landwirte aus Kerpen und Frechen fürchten schon jetzt um ihre Ernte. „In den ersten zehn bis 14 Tagen sieht man die Pflanzen nicht. Wenn jetzt ein Hundehalter sein Tier über das Feld rennen lässt, dann bricht das Pflänzchen unter der Oberfläche und wächst nicht mehr“, berichtet Hubertus Röllgen von Gut Hohenholz in Türnich.
Er hat die Diskussionen mit den zahlreichen Hundehaltern satt, die ihre Tiere um seine Felder herum ausführen. „Fast täglich diskutiere ich mit den Leuten. Oft wird es laut“, sagt der Landwirt. In den letzten Wochen seien zwei Hunde auf seinen Hof gerannt und hätten dort frei laufende Hühner gerissen: „Der eine hat das Huhn nur getötet, der andere hat es gleich an Ort und Stelle aufgefressen.“ Die Kommentare der Hundehalter seien gleich gewesen: „So etwas hat mein Hund noch nie gemacht.“
Röllgen hält nichts von Verboten und Verordnungen: „Ich möchte nur Verständnis wecken, warum es so wichtig ist, dass die Tiere nicht über das Feld laufen sollen. Anfeindungen bringen doch nichts.“
So sieht es auch Martin Krist aus Frechen. Er bewirtschaftet ein Feld gleich neben den Quarzwerken in Habbelrath. Sanfter grüner Flaum hat sich über den Acker gelegt, denn die ersten Pflanzen sprießen. Doch ein Teil des Feldes ist gar kein Acker mehr, sondern ein Feldweg: „Erst geht einer hier mit dem Hund entlang. Der Hund schnuppert, die Rüden markieren und laufen so ihrer Nase nach ganz eigene Wege durch das Feld“, berichtet Krist. „Ein Spaziergang ist für einen Hund wie Zeitunglesen. Deshalb folgt nun jeder nächste Hund den Spuren, die seine Vorgänger gelegt haben. Und die Herrchen und Frauchen auch.“
Das Resultat ist für jeden zu sehen. Dort wo einmal Feld war, ist nun eine platt getrampelte, verödete Fläche entstanden. Dabei hat Krist das Feld eingezäunt – mit Stacheldraht.
Doch niemand hält sich an die Abgrenzung. Zäune und Schilder würden nur bedingt helfen, so Krist. Das beweisen die aufgebogenen Drähte in der Nähe der öden Stelle. Krist ist selbst Hundehalter: „Wir haben unseren Hund aber von klein auf so ausgebildet, dass er immer auf den Feldwegen bleibt. Wer das nicht tut, der muss sein Tier eben an die Leine nehmen. Ich lasse meinen Hund ja auch nicht durch die Vorgärten der anderen Hundehalter laufen.“ Auch er kennt die Auseinandersetzungen am Feldrand: „Einmal habe ich eine Halterin angesprochen, deren drei Bernhardiner munter in meinem hoch stehenden Kornfeld herumtobten. Ihre Antwort war nur, wenn ich das nicht wolle, könne ich ja mein Feld einzäunen.“
Gefahr von Fehlgeburten
Peter Brand, Landwirt aus Brüggen, sieht weitere Probleme: „Hunde, die über das Feld rennen, scheuchen Feldhühner, Hasen oder auch Fasane auf.“ Bauer Röllgen von Gut Hohenholz betont: „Wir verdienen unseren Lebensunterhalt mit dem Feld. Außerdem sind das Lebensmittel, die wir dort anpflanzen.“ Krist warnt auch davor, Hunde auf Pferde- oder Kuhweiden laufen zu lassen, nicht nur, weil sie die großen Tiere scheu machen könnten: „In Hundekot können sich Clostridien befinden. Die können bei Pferden und Kühen Fehlgeburten auslösen.“
Die Landwirte hoffen auf mehr Verständnis: „Es geht uns nicht um die Hunde und wir wollen auch niemandem den Spaß an einem schönen Spaziergang durch unsere Felder nehmen, aber wir möchten das Wissen verbreiten, warum es so schädlich ist, seinen Hund auf freiem Feld spielen zu lassen“, sagt Röllgen. Und auch die anderen Landwirte äußern sich ähnlich. Krist sagt: „Wir sind keine Hundehasser, beileibe nicht. Die Hunde können nichts dafür. Es kommt immer auf denjenigen an, der die Leine in der Hand hat.“
