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SozialarbeiterGeduldige Anwälte der Kerpener Kinder

2 min

Schulsozialarbeiter Joachim Madras (l.) und Thomas Hannemann mit Marlies Sieburg (2.v.l.) und Therese Landscheidt .

Kerpen – Viele Kinder gehen nicht gern in die Schule. Doch manche bleiben noch viel weniger gern zu Hause. Morgens um 7 Uhr schleichen sie schon über die Schulhöfe – traurig, leer und ausgebrannt. Zu Hause gab es wieder Streit. Es gab auch Schläge, selbst für die Mutter. Es gab nichts zu Essen. Eigentlich ist es zu kalt, doch viele wollen einfach nur raus in den Schutzraum Schule. Früher blieben solche Fälle oft unerkannt. Doch seitdem vor zehn Jahren die ersten Sozialarbeiter in Kerpen eingesetzt wurden, kommen immer mehr Schicksale ans Licht. Faule Zähne, geritzte Arme – solchen Indizien gehen die Sozialarbeiter nach. Und sie hören zu, wenn Kinder von ihren Problemen berichten.

Zunächst gab es Stellen nur an Haupt- und Förderschulen, weil dort mehr Probleme wegen Gewalt, Mobbing oder auch Verwahrlosung vermutet wurden. Inzwischen gibt es sieben Sozialarbeiter für alle Schulformen in Kerpen. Auch am Gymnasium ist man froh über die Unterstützung des Jugendamtes, denn dort sind die Sozialarbeiter angesiedelt. Sie unterstehen nicht dem Direktor der Schule, sondern sind selbstbewusste Partner mit eigenen Rechten und Pflichten – und einem ganz anderen Zeitmanagement, wie Joachim Madras und Thomas Hannemann, Mitarbeiter der ersten Stunde, betonen. „Es ist uns wichtig, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Das dauert, aber erst dann öffnen sie sich, und wir können helfen.“ Gestresste Lehrer im stundenplanunterteilten Schulalltag hätten dafür zunächst kein Verständnis gehabt, doch im Laufe der Zeit sähen sie die Früchte der Geduld. „Heute will keine Schule mehr die Sozialarbeiter missen“, berichtet Amtsleiterin Therese Landscheidt.

Einstimmiger Beschluss

Bürgermeisterin Marlies Sieburg blickte stolz zurück. Die Idee zur Schulsozialarbeit habe die SPD gehabt, doch alle Beschlüsse seien einstimmig gefasst worden: „Damit waren wir in Kerpen einmalig. Ich weiß nicht, wie viele Tausende Euro der Einsatz der Sozialarbeiter dem Steuerzahler erspart hat, weil viele Jugendliche doch nicht auf die falsche Spur geraten sind, aber ich bin überzeugt davon, dass man Kindern nicht früh genug helfen kann.“