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Bestattungen in PulheimWandel auf dem Friedhof

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Die Pulheimer Verwaltung möchte künftig auch Grabmale aus Glas zulassen.

Pulheim – Im Grunde genommen sind sich Politik und Verwaltung einig: Die Gebühren für Bestattung und Gräber wie auch für den Unterhalt der Friedhöfe in Pulheim sind zu hoch und die Art der Grabstätten nicht vielfältig genug. Allen ist klar, dass die Stadt auf den Wandel der Bestattungskultur reagieren und ihre Friedhofs- und Bestattungssatzung aus dem Jahr ändern muss. Uneinig sind sie sich aber im Hinblick auf den zeitlichen Ablauf.

Gutachten vorgelegt

Im Haupt- und Finanzausschuss bremsten die Politiker die Verwaltung erst einmal aus. Die Fachabteilung im Rathaus hatte jeder Fraktion ein paar Exemplare eines rund 120 Seiten starken Gutachtens und jedem Politiker einen 22 Seiten zählenden Beschlussvorschlag mitsamt Erläuterung zukommen lassen. In den Herbstferien, was viele Politiker bedauerten. Die Zeit sei zu knapp gewesen, um die Unterlagen zu dem Thema zu lesen, viele Politiker seien in den Herbstferien im Urlaub gewesen, es gebe erheblich Beratungsbedarf, so der Tenor im Haupt- und Finanzausschuss.

Auch der Ruf nach einem runden Tisch wurde nach dem Vortrag des Gutachters Eberhard Goebel vom Institut für Kommunale Haushaltswirtschaft in Helsa. Quer durch die Fraktionen. Zu dem runden Tisch sollen beispielsweise Kirchen, Institutionen und die Vertreter all der Berufsgruppen eingeladen werden, die mit Friedhöfen und Bestattungen zu tun haben. Politik und Verwaltung sollten sich mehr Zeit als die zwei Wochen bis zur Sitzung des Stadtrates am 4. November nehmen, um zu entscheiden, welche Friedhöfe geschlossen würden, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Dierk Timm.

Um die Kosten für den Unterhalt der neun städtischen Friedhöfe zu senken, und zwar deutlich, hatte der Gutachter vorgeschlagen, rund 45 000 Quadratmeter nicht mehr von den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs pflegen zu lassen. Langfristig. Rund 200 000 Euro – das entspricht etwa einem Drittel der jährlichen Unterhaltungskosten für die Friedhöfe – ließen sich somit nach Ansicht des Gutachters einsparen. In der Expertise ist auch von Schließungen die Rede. So etwa hat Eberhard Goebel der Stadt vorgeschlagen, den neuen Friedhof in Sinthern und den alten in Sinnersdorf zu schließen. Um auf die geänderte Bestattungskultur zu reagieren, hatte der Gutachter eine ganze Reihe von neuen Grabtypen vorgeschlagen. In der Expertise sind Rasengräber aufgeführt, Urnengemeinschaftsanlagen, Kolumbarien oder Urnenstelenanlagen (Hochbauten ohne gärtnerische Gestaltung), Baumgräber, Bestattungsgärten und Gräber für Sternenkinder (Kinder, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder nach der Geburt versterben).

Tierfriedhof vorgeschlagen

Über das Gutachten hinausgehend, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, einen Tierfriedhof zu errichten. Ruhestätten für muslimische Religionsgemeinschaften und Aschestreufelder lehnt die Verwaltung ab. Auf Wunsch der Verwaltung soll die neue Friedhofs- und Bestattungssatzung erneute im Stadtrat am Dienstag, 4. November, 18 Uhr, „auf sehr breiter Ebene diskutiert werden“, so Bürgermeister Frank Keppeler.