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Sorge um das BrauchtumDarum bangen Karnevalisten in Brühl und Pulheim um ihre Tradition

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Auf dem Bild ist eine karnevalistische Tanzgruppe zu sehen.

Die KG Stommeler Buure fürchtet um die karnevalistische Tradition im Ort.

Die KG Stommeler Buure und der Festausschuss Badorf-Eckdorf beklagen gestiegene Kosten und einen schlechten Verkauf von Eintrittskarten.

Vor einer ernsten Bewährungsprobe sehen sich Karnevalisten in zwei Kommunen des Kreises: In Pulheim bangen die Narren um die Zukunft des Stommelner Karnevals, in Brühl schlägt der Festausschuss Badorf-Eckdorfer Karnevalsfreunde Alarm. Ein schleppender Verkauf von Eintrittskarten zur Proklamation und zu Sitzungen, hohe Kosten für die Festzelte und Künstler – die Karnevalisten sehen sich vor existenziellen Herausforderungen und bangen um ihre Tradition.

Die Einbrüche bei den Kartenverkäufen setzen sich fort. Hier ist eine Spirale zu beobachten
Wolfgang Schreck, Präsident des Karnevalsverband Rhein-Erft

Auch Wolfgang Schreck, Präsident des Karnevalsverband Rhein-Erft, ist in Sorge: „Die Einbrüche bei den Kartenverkäufen setzen sich fort. Hier ist eine Spirale zu beobachten.“ Es gebe allerdings regionale Unterschiede, so seien die Verkäufe in Frechen auf einem „ganz guten Stand“. Zudem zeichne sich ab, dass es große Sponsoren wie in der Vergangenheit künftig nicht mehr geben werde.

Schreck empfiehlt den Vereinen eine verstärkte Werbung, auch mit Plakaten. Auch die Zusammenlegung von Veranstaltungen und die Bündelung von Kräften aus Karnevals- und Ortsvereinen sei eine Lösung: „Wir müssen neue Wege finden, denn Tradition ist immer nur so gut, wie sie auch bezahlbar ist.“

Es droht ein weiteres Stück unseres wertvollen Brauchtums verloren zu gehen
Festausschuss Badorf-Eckdorfer Karnevalsfreunde

Derweil haben Tobias Kremer, Ingo May und Georg Klett vom Vorstand des Festausschusses Badorf-Eckdorfer Karnevalsfreunde einen „Brandbrief zur Pflege des karnevalistischen Brauchtums in Badorf-Eckdorf“ in den sozialen Medien veröffentlicht. „Die Aufwendungen, unter anderem für die Sicherheit, und die Gebühren steigen von Jahr zu Jahr“, so May. „Wir brauchen Unterstützung“, betont er. „Auch in der Form, dass wir für unsere Veranstaltungen genügend Karten verkaufen“, führt er aus.

„Gemeinsam mit unserem Zeltwirt, Getränke Segschneider, haben wir in den vergangenen Jahren versucht, stets faire und angemessene Preise zu gestalten“, schreiben die Karnevalisten. Bislang laufe der Verkauf schleppend, was auch bedeuten würde, dass unter der angespannten finanziellen Lage dies voraussichtlich die letzte Session im Festzelt sein könnte. „Damit droht ein weiteres Stück unseres wertvollen Brauchtums verloren zu gehen“, wird mitgeteilt.

Was nach außen wie ein schleichender Rückgang wirkt, entwickelt sich intern zu einer existenziellen Herausforderung
KG Stommeler Buure, Pulheim

Auch in Stommeln ist die Sorge um die Zukunft des Brauchtums groß: „Seit Jahren sinken die Besucherzahlen – und das trotz hochwertig besetzter Veranstaltungen, großem ehrenamtlichen Engagement und eines Programms, das über Jahrzehnte fest zum Dorfleben gehört“, analysiert Marcel Paas von der KG Stommeler Buure. „Was nach außen wie ein schleichender Rückgang wirkt, entwickelt sich intern zu einer existenziellen Herausforderung“, so die KG.

Pulheim: Jeder freie Platz bedeutet fehlende Einnahmen

Für die Herrensitzung seien noch 80 Karten, für den WieverDanz noch rund 200 Karten übrig. Jeder freie Platz bedeute fehlende Einnahmen, was die finanzielle Situation verschärfe. Zudem seien die leeren Plätze nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch persönlich enttäuschend für Dutzende Ehrenamtliche, die seit Monaten planten, organisierten und ihre Freizeit investierten.

Voraussichtlich sei es bereits in der kommenden Session notwendig das karnevalistische Angebot drastisch zu reduzieren, wenn sich der Trend fortsetze, fürchten die Stommeler Buure: Herrensitzung, Wiever Danz und Fastelovendsjeck müssten gestrichen werden, ein Festzelt auf dem Marktplatz würde es nicht mehr geben. Und das ausgerechnet im Jahr des 80-jährigen Bestehens. „Jetzt handeln, oder zusehen, wie eine Tradition stirbt“, so die KG. Beide Vereine appellieren nun, dringend Karten zu kaufen. „Noch leuchten die Lichter im Zelt, ob sie auch in Zukunft leuchten werden, entscheidet sich jetzt“, heißt es bei den Pulheimern.