Sie fahren teure Autos und leben in riesigen Villen mit Wohnzimmern – so groß, dass ein ganzer Fuhrpark hineinpassen würde. So jedenfalls sieht wohl bei vielen das Bild im Kopf aus, wenn sie das Stichwort Millionär hören. Vielleicht leben sie auch ganz bodenständig. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
Macht viel Geld glücklich?
Doch macht viel Geld überhaupt glücklich? Lange galt in internationalen Untersuchungen die Marke von 75.000 US-Dollar beim jährlichen Einkommen als Schwelle: Danach, so besagt zum Beispiel eine Studie von 2010, steige das emotionale Wohlbefinden kaum weiter an. Diese Zahlen sind jedoch einige Jahre alt – inflationsbedingt müsste man hier also wahrscheinlich noch ein gutes Schüppchen drauflegen, um eine Summe zu nennen, die mehr oder weniger wunschlos glücklich macht.
Zahlen des Statistischen Landesamts für 2022
Ebenfalls ein paar Jahre alt sind die Zahlen, die der Landesbetrieb IT NRW als Statistisches Landesamt anhand der Lohn- und Einkommensteuerstatistik nun für das Jahr 2022 vorgelegt hat. Demnach ist die Zahl der in Nordrhein-Westfalen lebenden Einkommensmillionärinnen und -millionäre im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent auf 8123 gestiegen.
Rhein-Erft-Kreis liegt unter dem Landesschnitt
Im Rhein-Erft-Kreis lebten demnach 142 Personen, deren Jahreseinkünfte im siebenstelligen Euro-Bereich lagen. Zusammen veranlagte Eheleute und Personen in eingetragenen Lebenspartnerschaften wurden bei der Erhebung der statistischen Daten als ein Steuerpflichtiger gezählt. Die Zahl ist im Vergleich zu 2021 leicht gestiegen, damals waren es 140 Einkommensmillionäre.
Bezogen auf knapp 474.000 Einwohner an Rhein und Erft, kommen 3,0 Einkommensmillionäre auf 10.000 Einwohner.
Damit liegt der Kreis deutlich unter dem Landesschnitt. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 4,5 Einkommensmillionären pro 10.000 Einwohner.
Zum Vergleich: Unter den 396 nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden hatte erneut Meerbusch im Rhein-Kreis Neuss 2022 mit 24,7 je 10.000 Einwohnern die höchste Millionärsdichte, gefolgt von Herdecke (12,6) und Ahaus (12,3).
Im Vergleich zu den Nachbarn schneidet der Rhein-Erft-Kreis schlechter ab als der Rhein-Sieg-Kreis (4,0) und der Kreis Euskirchen (3,4), landet aber noch vor dem Kreis Düren (2,4). Unter den 31 Kreisen des Landes gehört der Rhein-Erft-Kreis zu den fünf mit der niedrigsten Quote. Die Nachbarstadt Köln kommt auf 757 Einkommensmillionäre und eine Quote von 7,4.
Pulheim vorn, Frechen, Hürth und Brühl dahinter
Große Unterschiede gibt es innerhalb des Kreisgebietes. So verteilen sich die 142 Einkommensmillionäre sehr unterschiedlich auf die zehn Städte. Das Rennen macht Pulheim: Mit 29 Einkommensmillionären hat die Stadt die meisten im Kreis und kommt mit 5,2 pro 10.000 Einwohner auf Rang 118 im Landesvergleich. Dahinter folgen die Städte Frechen mit 24 Einkommensmillionären (4,6), Hürth mit 21 (3,4) und Brühl mit 19 (4,2).
Kerpen, mit rund 66.100 Einwohnern Ende des Jahres 2022 und auch weiterhin die größte Stadt im Kreis, kommt auf 15 Einkommensmillionäre. Mit einer Millionärs-Quote von 2,3 landet die Kolpingstadt damit lediglich auf Platz sieben der zehn Städte.
Die schlechteste Quote (0,8) hat Wesseling mit lediglich drei Einkommensmillionären, obwohl die Stadt mit knapp 37.600 Einwohnern (Ende 2022) nicht zu den kleinsten des Kreises zählt. Elsdorf kommt auf sieben Einkommensmillionäre (3,3), Bedburg auf sechs (2,4). Auffällig ist Erftstadt: Dort ging die Zahl von 14 im Jahr 2021 auf sechs im Jahr 2022 zurück. Die Millionärs-Quote sank damit von 2,8 auf 1,2. Einen Rückgang verzeichnen auch Bergheim und Hürth: In der Kreisstadt ging der Wert von 14 auf zwölf zurück, in Hürth gab es 2021 noch vier Einkommensmillionäre mehr.
Über die Ursachen schweigt die Statistik. Ob die Erftstädter weniger verdienten, der Stadt den Rücken kehrten oder ob vielleicht sogar Auswirkungen der Flutkatastrophe im Juli 2021 eine Rolle spielten, ist den Zahlen nicht zu entnehmen. (eva mit thw)

