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Geschwister-Scholl-GymnasiumGenerationen kamen in Pulheim miteinander ins Gespräch

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Zu sehen sind Schülerinnen an einem Tisch mit Vertretern einer älteren Generation

Der Religionskurs des Pulheimer Geschwister-Scholl-Gymnasiums zum Austausch auf dem Pulheimer Marktplatz ein.

Jung und Alt führen angeregte Gespräche auf dem Marktplatz in Pulheim.

Die Spaltung der Gesellschaft, der Schwund von persönlichem Austausch und die Verlagerung von Diskursen in die sozialen Medien besorgen viele Menschen. Um dem etwas entgegenzusetzen, tummelten sich am Freitagmittag auf dem Pulheimer Marktplatz Alt und Jung, mit dem Ziel, Gemeinschaft und Demokratie zu stärken. An drei Tischen lockten Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Pulheim die Marktbesucherinnen und -besucher an: nicht nur mit selbstgebackenem Kuchen, sondern vor allem mit dem Ziel, in den Austausch zu gehen.

Die Schülerinnen und Schüler aus der neunten Stufe hatten im Vorfeld im Religionsunterricht zum Thema „Demokratie und Begegnung“ gearbeitet. Hierbei kamen sie nicht nur überein, dass Demokratie auch Austausch bedeutet, bei dem verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, sondern dass die Orte des Austauschs zunehmend schwinden. Nicht zuletzt, weil der Diskurs verkürzt und emotionalisiert in den digitalen Raum gewandert ist.

Pulheim: Schülerinnen und Schüler suchten Begegnungsorte

„Wir haben im Unterricht gemerkt, dass wir viel mehr echte Begegnungsorte brauchen“, sagt Religionslehrerin Inga Feuser, die mit der neunten Stufe die Aktion mitorganisiert hat. Und so entstand kurzerhand die Idee, einen „Marktplatz der Begegnung“ zu organisieren. Innerhalb von nur drei Wochen haben die Schülerinnen und Schüler die Aktion auf die Beine gestellt.

Mit dem Wunsch, mit Menschen jedweden Alters in Kontakt zu treten, hatte der Kurs Themenvorschläge vorbereitet, um politische und gesellschaftliche Diskurse anzuregen. „Wir wollen auch Themen behandeln, über die man nicht im Smalltalk redet“, erläutert Mia (15).

Gemeinsam mit Mitschülerin Yuna (15) kamen sie ins Gespräch mit Claudia Gilsdorf und Johanna Wobig-Lavenson, zwei Frauen aus Pulheim. Sie diskutierten über Informationsquellen, Nachrichten und Medienkonsum. Fragen wie „Kennen Sie Logo, die Kindernachichten?“ oder „Guckt ihr noch analoges Fernsehen?“ führten zu einem angeregten Mehrgenerationenaustausch, der Themen wie Donald Trump, KI oder den Rechtsruck in Deutschland nicht ausließ.

Auch Marktbesucherin Agnes Walter suchte das Gespräch mit den jungen Menschen. Auf Mias Frage „Was denken Sie, wie die Zukunft sein wird?“ entgegnete Walter: „Heute könnte ich ohne mein Handy nicht mehr leben. Aber mit KI, das weiß ich ja nicht. Sind wir dann überflüssig?“

Und so führten die Gespräche weiter, von Robotern bis zu Roland Kaiser, den alle kannten. Am anderen Tischende fragte der vierzehnjährige Henry einen 92-Jährigen, der anonym bleiben wollte, über die Nachkriegszeit aus. An allen Tischen entspannen sich Gespräche, von Politik und Medien hin zu Porzellanmalerei und Pretty Woman. Trotz aller Unterschiede fanden sich oft Gemeinsamkeiten – solange man einander zuhörte, offen miteinander sprach und darauf schaute, was einander verbindet.