Rosemarie und Johann Ess lernten sich auf einem Volksfest in Rumänien kennen. Der spätere Bräutigam machte in Schwabentracht mächtig Eindruck.
GoldhochzeitWarum dieses Jubelpaar aus Pulheim doppelten Grund zum Feiern hat

Johann und Rosemarie sind im Westen Rumäniens aufgewachsen und feiern jetzt Goldene Hochzeit in Pulheim.
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„Er hat zuerst geschaut, ob ich tanzen kann“, sagt Rosemarie Ess und lacht. Zwischen Schwabentrachten, Tanz und Marschmusik begann 1976 im Westen Rumäniens die Geschichte der Jubilare, die heute in Pulheim leben und goldene Hochzeit feiern.
Es war noch eine ganz andere Welt, als sie in den 1970er-Jahren in Rumänien nahe der serbischen und ungarischen Grenze lebten. Johann wohnte in einem Ort namens Ostern. Die Nachbardörfer hießen Gottlob, Lenauheim oder Hatzfeld. Die beiden gehörten zur deutschsprachigen Minderheit der Banater Schwaben.
Bräutigam trat in voller Schwabentracht auf
In dieser Gemeinschaft war es üblich, dass es traditionelle Volksfeste gab. Mit Bussen fuhren die Menschen in die nächstgrößere Stadt Temeswar. „Wir haben uns beim Tanzen kennengelernt“, erzählt Johann Ess. Er selbst trat in voller Schwabentracht auf. Es gab einen Marsch und eine Zeremonie in der Kirche. Unter den vielen Gästen kamen die beiden ins Gespräch.
Fast hätte sich auch zwischen Johann Ess’ Bruder und Rosemaries Zwillingsschwester eine Beziehung angebahnt. Die Geschichte bringt das Ehepaar heute noch zum Schmunzeln. Zum Abschied begleitete er sie zum Bus. Dort unterhielten sie sich noch eine Weile. So wusste sie, wo er arbeitete, und rief dort ein paar Tage später an. „Die freundliche, angenehme Stimme hat angerufen“, hat ihm eine Kollegin dann gesagt.
Kein einfacher Start für die junge Familie in der neuen Heimat
Danach ging bei beiden alles ziemlich schnell. Das Fest fand im Mai statt, die Verlobung folgte im August, die standesamtliche Hochzeit am 4. September und nur einen Tag später die Hochzeitsfeier, am Geburtstag von Rosemarie Ess. „Ich weiß gar nicht mehr, warum wir das so gemacht haben“, sagt sie. So kommt es, dass sie in diesem Jahr am gleichen Tag goldene Hochzeit und ihren 70. Geburtstag feiert.
1977 kam ihr Sohn auf die Welt und drei Jahre später dann ihre Tochter. 1987 ist die Familie nach Deutschland ausgewandert. In Nürnberg mussten sie sich anmelden, über einen Umweg über Unna kamen sie nach Köln. Kein einfacher Start für die junge Familie. Zuerst lebten sie in einem Wohnheim. Johann Ess fand bald eine Stelle in einer Kölner Bäckerei. Er ist ausgebildeter Konditor.
Rosemarie Ess war lange in der Kirche in Mauenheim als Küsterin tätig. „Ich bin ein Mensch, der gern viel spricht“, sagt sie. „Die Leute in der Kirche sind lieber zu mir gegangen als zum Pfarrer.“
Seit fast zwei Jahren lebt das Ehepaar Ess jetzt in Pulheim. Ihre Tochter Eveline wohnt mit ihrem Mann und ihrem Sohn nur eine Etage über ihnen. Ihr Bruder wohnt mit seinen zwei Töchtern in Köln. Ihre Tochter sieht die Eltern als Vorbild und sie freut sich, dass sie nun wieder ganz in der Nähe wohnen. Sie ist überzeugt, dass der weite Weg und die gemeinsam bewältigten Schwierigkeiten ihre Eltern als Paar gestärkt haben. „Man rauft sich halt zusammen“, sagt Rosemarie Ess. „Wir haben uns immer noch gern“, ergänzt ihr Mann.
