Der Fotoclub Stommeln zeigt in einer Ausstellung zum Thema „Wasser“ bis zum 6. Januar im Hans-Köster-Saal faszinierende Bilder.
Fotoclub StommelnIn Pulheim sind Momentaufnahmen voller Schönheit und Ästhetik zu sehen

Mit ihren Aufnahmen präsentieren sich die Mitglieder des Fotoclubs.
Copyright: Oliver Tripp
Mit zehn Jahren habe ihm die Mutter eine spartanische Spiegelreflexkamera der Marke Zeiss mit Nachführbelichtungsmessung in die Hand gedrückt, die habe er nicht mehr hergegeben, erinnert sich Hans Pfleger. Heute legt sich der 75-Jährige mit moderner Digitaltechnik und dem 800 Millimeter-Tele auf die Lauer, um seine Lieblingsmotive einzufangen, Tiere.
Da friert er eine Wasseramsel beim Anflug auf das Nest hinter dem Wasserfall eines Wehres ein, fotografiert eine Ente beim Start oder zwei schwere Kaltblüter beim Schritt durch spritzendes Wattwasser, mit zwei hübschen Geschwistern im Sattel. Eine Möwe im Flug rundet das Motiv am unteren rechten Rand ab, wie ein Punkt am Schluss eines Satzes – ein „Glücksfall“, sagt Pfleger.
Alle der 19 Fotografinnen und Fotografen des Fotoclubs Stommeln 73, die am Morgen der Ausstellungseröffnung zum Thema „Wasser“ im Kultur- und Medienzentrum mit Augenmaß, Wasserwaage und Geduld ihre Werke hängen, können Geschichten zu ihren Fotos erzählen.
Schneeflocken als vergängliche Motive
Wie rückt man beispielsweise einer Schneeflocke mit dem Makroobjektiv zu Leibe, um ihre filigrane Kristallstruktur zu zeigen? Bringe man nur einen Moment zu lange oder zu nah das Objektiv an die Flocke, schmelze schon durch dessen Strahlungswärme die feine Struktur dahin, erläutert Günther Koppelmann. Er hat es aber raus, platziert die Flocke und selbst eine erstarrte Seifenblase bei Minustemperaturen auf gefrorene Tischdecken oder Spiegel.
Sprühende Meeresgischt über meterhohen Wellen am Atlantik oder Pazifik zeigt Meinhard Maaßen, im Wind horizontal gefrorene Eiszapfen und verregnete Straßenszenen hat Sven Carstensen aufgenommen, Schwimmer in arktischer Kälte oder warmen Quellen zeigt Hans Nitsch. Ellen Thoms hat einen Sonnenschirm aufgenommen, nach einem Unwetter im Teich der Fliestedener Golfanlage liegend. Als Team arbeitet das Ehepaar Brigitte und Antje Schröder beim Fotografieren ihrer Hunde Agathe und Chilli im Wattenmeer. Antje animierte die Darsteller, Brigitte drückte den Auslöser.
Der Vorsitzende Klaus-Dieter Bartels fotografiert die zeichenhafte Abwesenheit von Wasser mittels eines demontierten Beckens in einem alten Gebäude unter einem Quadrat gelber Wandfliesen. Ein Aufkleber zeigt einen durchgestrichenen Wasserhahn – „Kein Wasser“. Eine surreal anmutende Wasserhahninstallation hat Klaus Liebertz mit Titel „Der vorletzte Tropfen…“ aufgehängt. In einem Rahmen zeigt er auf Weiß völlig freigestellt einen überdimensionierten, gebrauchten und demontierten Wasserhahn. Im Rahmen darunter den scheinbar dazugehörigen Tropfen. Den echten Wasserhahn hat er dazu gestellt.
Digitale Fotoperfektion zeigt sich in vielen der Aufnahmen. Um sich bewusst von der selbstverständlich, gewordenen Schärfe des Autofokus abzuwenden, habe sie bei einem Strandspaziergang bei langer Belichtungszeit die Kamera selbst bewegt, schildert Andrea Maaßen. Menschen erscheinen nurmehr als Schemen mit eigentümlichen Schatten, die Farben verwischen in unbestimmte Zwischentöne, es erinnert ein wenig an Malereien von William Turner.
Alternativen zur digitalen Perfektion gesucht
Auch Wolfgang Schmitz will weg von der digitalen Perfektion. Seine Fotos erinnern an die Schwarzweißfotos der analogen Ära. Manchmal lege er eigens Filter über seine Motive, um die Körnigkeit hochempfindlicher Schwarz-Weiß-Filme zu imitieren, sagt er. Viele Jahre habe er in der Schwarz-weiß-Entwicklung des legendären Kölner Fotolabors Sander gearbeitet, fotografiert habe er damals nicht. Erst nach dem Anstellungsverhältnis habe er mit dem Fotografieren begonnen, um Geschichten zu erzählen, es sei auch ein wehmütiges Zurücksehnen nach der alten Technik.
Die Fotoausstellung im Foyer des Hans-Köster-Saales ist noch bis zum 6. Januar zu sehen. Klaus Dieter Bartels bittet dazu um Terminabsprachen unter 02238/808192 oder 808193. Der Fotoclub ist per E-Mail oder über die Homepage zu erreichen.

