Am Wochenende haben zahlreiche Freiwillige im Rhein-Erft-Kreis ein Zeichen gegen Umweltverschmutzung gesetzt.
MüllsammlungBeim Frühjahrsputz erinnern sich Helfer in Rhein-Erft an ihre kuriosesten Funde

Hinrich Doering vom Nabu-Ortsverband Wesseling organisiert immer wieder Müllsammelaktionen in Urfeld.
Copyright: Kathrin Höhne
Kopfschütteln und Fassungslosigkeit, manchmal auch ein Schmunzeln –in diesem Spektrum bewegen sich die Reaktionen der Ehrenamtler, die sich teils seit vielen Jahren an Müllsammelaktionen beteiligen und immer wieder auf kuriose und besorgniserregende Hinterlassenschaften ihrer Mitbürger stoßen.
Der nun in Wesseling bei der vom Nabu-Ortsverband initiierten Aktion gefundene Autoölkanister ist da beinahe traurige Normalität. In Frechen wurden einmal Tablets der Musikschule Frechen am Stadion entdeckt und Munitionsfunde der Polizei übergeben. Auch die 230 Schnapsflaschen, die vor einiger Zeit an einem Kreisel an der Gottfried-Kremer-Allee gefunden wurden, sind dort vielen in Erinnerung geblieben. In Pulheim fanden Freiwillige Helfer schon eine Münzsammlung und in Erftstadt jede Menge Fliesen und ein Spülbecken.
Mitarbeiter zweier Werke trugen 1,5 Tonnen Unrat zusammen
Bei einer erneuten Sammelaktion in Wesseling war es nun die bloße Masse des Unrats, die im negativen Sinne beeindruckte: Freitag (20.Februar) trugen dort rund 60 Mitarbeitende aus den beiden Werksteilen Wesseling und Köln-Godorf des Shell Energy and Chemicals Park Rheinland beim diesjährigen „Dreck-weg-Tag“ rund 1,5 Tonnen Müll zusammen, als sie die Bereiche zwischen dem Werksteil Wesseling und Urfeld säuberten.
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Anlässlich der nun durchgeführten Initiativen in mehreren Städten im Rhein-Erft-Kreis wiesen BUND und Nabu erneut darauf hin, dass achtlos entsorgter Abfall Ökosystemen langfristig schadet. Besonders Plastik zerfalle zu Mikroplastik und schade den Tieren und Pflanzen. Dagegen wollen die Aktiven, die zum Frühjahrsputz in Wesseling-Urfeld kamen, etwas tun. Jedes Jahr ruft Hinrich Doering vom Nabu-Ortsverband Wesseling zum Mitmachen auf.
Auf Spaziergängen fällt uns immer wieder Müll auf
Ferdinand Mück, einer der Teilnehmer, fand auf den ersten Metern gleich mal einige Kunststoffrohre am Feldrand. „Auf Spaziergängen fällt uns immer wieder Müll auf“, sagte er. Deswegen sei er mit seiner Frau zur Aktion gekommen, um zu helfen und zu mahnen. Eingesammelt wurden an diesem Tag in Urfeld bereits in der ersten Stunde Renovierungsreste, Flaschen, Teile von Silvesterböllern und Abdeckfolien sowie eine kleine Metallwanne und der besagte Autoölkanister.
In Erftstadt gehörten am Samstag auch die Mitglieder der IG Konradsheimer Bürger zu den fleißigen Aufräumern. Neben Müll stieß man dabei auch auf vielen Wegen auf Hundekot, wies Peter Oberhofer vom Vorstand der IG Konradsheimer Bürger auf ein weiteres Problem hin. In der Vergangenheit seien die Aktiven auf Reifen, Felgen, Spülbecken, Badfließen oder auch Einrichtungsgegenstände gestoßen.

Bei der Müllsammelaktion in Urfeld entdeckten die freiwilligen Helfer einen Altölkanister.
Copyright: Kathrin Höhne
An bestimmte Funde kann sich ebenso der Ortsvorsteher von Pulheim und Orr Gert Lauterbach, der jedes Jahr zur Reinigungsaktion rund um die „Große Laache“ aufruft, erinnern. Das auffälligste sei wohl eine Münzsammlung vor vielen Jahren gewesen, aber ebenso seien schon alte Munition, Kücheneinrichtungen und ebenfalls alte Reifen gefunden worden. Am Samstag kamen 40 Freiwillige zur „Großen Laache“, um das Feuchtgebiet von Unrat zu befreien. „Unsere Natur braucht Menschen, die nicht wegsehen, sondern handeln“, betonte Gert Lauterbach.
Während in Kerpen am Samstag eine stadtweite Sammelaktion angesetzt war, beteiligten sich rund 300 Kinder der Christinaschule und Papa-Giovanni-Schule am Freitag in Pulheim-Stommeln am „Dreck-weg-Tag“, den der Rotary Club zum zweiten Mal mit Unterstützung des städtischen Bauhofes organisiert hatte. „Ich habe eigene Handschuhe und einen Müllsack dabei“, rief die sechsjährige Jeyla begeistert und erklärte: „Das ist nicht gut für die Umwelt, wenn überall Müll herumliegt und die Tiere werden krank, wenn sie ihn fressen.“
Die Tigerklasse der Christinaschule war bestens vorbereitet und hochmotiviert. „Als ich gesagt habe, lasst uns Müll sammeln, haben alle in die Hände geklatscht und sich gefreut“, verriet Gruppenleiterin Anja Sonntag. „Sie wollen später auf dem Schulhof mit ihren Fundstücken einen Müllberg errichten."
In Brauweiler war die Gesamtschule bei der Müllsammelaktion aktiv. Auch Mitglieder des Vereins „Begleitung geflüchteter Menschen Pulheim“ wie Mengesha Asmaa halfen tatkräftig mit. „Die Müllsammelaktion ist ein schönes gemeinschaftliches Erlebnis“, schwärmte Julia Faht, die Präsidentin des Rotary Clubs Pulheim und griff selbst auch beherzt zu Müllzange, Plastikbeutel und Handschuhen. „Wir sind aber auch immer wieder betroffen über die Gedankenlosigkeit einiger, die Müll einfach so in die Natur werfen.“

Ein kleiner Müllberg auf dem Schulhof - Die Schulkinder der Christinaschule sind engagierte Müllsammler.
Copyright: Elke Petrasch-Brucher
Das waren die Schulkinder auch. „Igitt“, schrien einige. „Überall Zigarettenkippen.“ Mit der Zange landeten diese hohem Bogen im Müllsack. Genauso wie leere Glasflaschen, Getränkedosen, Folienkonfetti, ein Karnevalsschwert und Plastikverpackungen. Nur Toni freute sich. „Ich habe ein Karnevalssträußchen mit roten Rosen gefunden, das nehme ich mit nach Hause“, sagte sie strahlend.
Groß war die Überraschung, als ein Müllsammler ein Fahrradgestell aus dem Gebüsch zog. Ein anderer steuerte einen rosafarbenen, leicht lädierten Roller bei. „Ja, manche Funde sind schon kurios“, fand Julia Faht. „Letztes Jahr haben wir eine kleine Badewanne, die Füllung einer Matratze und einen Zimmerventilator gefunden. Nicht zu fassen, wer so etwas einfach in die Natur wirft.“

Überraschendes Fundstück in Pulheim: ein Fahrradgestell.
Copyright: K. Bergner
Die Kinder würden so etwas niemals tun, versichern viele. „Damit sorgen wir mit unserer Aktion nicht nur für eine saubere Umwelt, sondern stärken auch das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln in unserer Gemeinschaft“, freute sich die Präsidentin über die Resonanz. Auch in diesem Jahr konnten nach zwei Stunden rund 30 prallvoll gefüllte Säcke voller Müll vom Bauhof abgeholt werden. Julia Fahts Fazit: „Ein großer Erfolg. Gemeinsam engagieren wir uns für eine saubere Stadt. Das machen wir auf jeden Fall nächstes Jahr wieder. “

