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Mit Kerosin aus KölnMerz verspricht sichere Treibstoffversorgung trotz Krise

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Das Werksgelände von Shell in Wesseling

Das Werksgelände von Shell in Wesseling – unter anderem stellt der Mineralölkonzern hier Kerosin her. 

Treibstoff ist teuer und knapp – die Bundesregierung sieht die Versorgung dennoch als gesichert. So blickt die Kölner Shell-Raffinerie auf die aktuelle Lage.

Wenige Monate vor den Sommerferien wächst in der Luftfahrtbranche die Angst vor einem Kerosinmangel durch den Iran-Krieg. Der internationale Airline-Verband (Itata) hatte vergangene Woche auf mögliche Engpässe hingewiesen, die bereits ab Mai eintreten könnten. Die Bundesregierung und die EU waren am Montag hingegen um Beruhigung bemüht und warnten stattdessen vor Alarmismus.

Der Iran-Krieg hat zwar bereits einen sprunghaften Anstieg des Kerosinpreises ausgelöst, noch stärker als beim Rohöl. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei aber gesichert, bekräftigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor einem Treffen mit Versorgern, Flughäfen, Airlines und Verbänden.

Reiche: „Stehen nicht unvorbereitet da“

„Wir stehen nicht unvorbereitet da“, sagte die Ministerin im Deutschlandfunk: „Wir lassen uns aber nicht treiben. Wir handeln gezielt, wir handeln abgestimmt, mit kühlem Kopf.“ Deutschland habe sich sehr früh an der historischen Freigabe strategischer Ölreserven über die Internationale Energieagentur (IEA) beteiligt. 2,6 Millionen Tonnen Öl würden langsam in den Markt gegeben. Zusätzlich halte der Erdölbevorratungsverband rund 1,1 Millionen Tonnen Kerosin vor.

Sie spreche mit der Branche darüber, wie nicht nur mit Vorräten umgegangen werde, sondern Importe sichergestellt werden könnten, sagte Reiche. Und es gehe darum, die Raffineriekapazitäten hochhalten zu können. „Wir sind in der glücklichen Situation, elf Raffinerien zu haben in Deutschland, durchs Land verteilt, die Kerosin produzieren“, sagte Reiche.

Eine davon ist die Industrieanlage des Mineralölkonzerns Shell im Kölner Süden. Über eine Pipeline gelangen täglich rund 26.000 Tonnen Rohöl vom Hafen in Rotterdam über die deutsch-niederländische Grenze bei Venlo Richtung Rheinland. Im Werksteil in Köln-Godorf werden sie zwischengelagert und unter anderem zu Benzin und Diesel, aber eben auch zu Flugturbinenkraftstoff weiterverarbeitet. Dafür wird ein sogenannter Hydrocracker benötigt.

Shell: „Versorgung robust“

„Aus Rohöl entsteht immer ein Produktmix. Die einzelnen Produktmengen lassen sich nicht beliebig vergrößern“, erklärt Shell-Sprecher Sebastian Düring. Je nach Rohölsorte und Anlagenkonfiguration liege der Kerosinanteil typischerweise bei rund zehn Prozent. Über eine direkte Verbindung wird das Endprodukt weiter zum Flughafen Köln/Bonn geliefert. Auch weitere Airports, darunter der Flughafen in Frankfurt, beziehen Shell zufolge Teilmengen des Treibstoffs aus dem Rheinland. Sie gelangen über Tanklager oder Lastwagen zu den Abnehmern.

Die Versorgung der Fluggesellschaften mit Kerosin und die Betankung der Maschinen übernimmt dort typischerweise nicht der Flughafen selbst, sondern wird über die Airline und deren Logistikpartner gesteuert, wie ein Sprecher am Standort Düsseldorf erklärt. „Die Tanklager werden aus zwei Raffinerien in der Region beliefert. Die Versorgung ist nach internationalen Standards organisiert und auf einen stabilen Betrieb ausgelegt.“ Über Füllstände und Vorräte könne er allerdings aus Sicherheits- und Wettbewerbsgründen keine Details nennen.

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, steht zwischen Johann Wadephul (CDU, l), Außenminister, Karsten Wildberger (CDU, r), Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, sowie vor Levin Holle, wirtschaftspolitischer Berater  für Kanzler Merz, vor Beginn der Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen auf Schloss Herrenhausen.

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, warnt vor Alarmismus im Zuge der Energiekrise und möglicher Kerosin-Engpässe

In dieser Hinsicht hält sich auch Shell zurück. Nur so viel: „Aktuell fahren wir unsere Anlagen so, dass wir im Rahmen der Möglichkeiten maximal Jet bereitstellen und gleichzeitig die Versorgung mit den anderen wichtigen Produkten stabil halten“, sagt Düring. Da das Shell-Werk im Rheinland über die Pipeline an weltweite Rohölströme angebunden sei, könne man flexibel agieren: „Wir können über 100 Rohölsorten verarbeiten. Das macht die Versorgung robuster und reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Weltregionen.“ Laut Wirtschaftsministerium bezieht Deutschland Öl unter anderem über Pipelines aus Kasachstan, Norwegen und den USA.

Reiche warnte erneut den Koalitionspartner SPD sowie Grüne und Linke vor Einführung einer „Übergewinnsteuer“. „Wichtig ist, die Raffinerien jetzt nicht weiter zu belasten“, sagte sie. 50 Prozent des Kerosins stammten aus deutscher Produktion. „Wenn ich Beteiligte in Berlin immer wieder über eine ‚Übergewinnsteuer‘ sprechen höre, treffen wir damit jene 11 Raffinerien, die dafür sorgen, dass in Deutschland Kerosin, Benzin und Diesel vorhanden ist“, kritisierte sie insbesondere SPD-Finanzminister Lars Klingbeil. 

Seine Partei dringt derweil auf ein Spitzentreffen von Bund und Ländern zur Sicherstellung der Energieversorgung in Deutschland. Auf die Frage nach Schritten gegen einen möglichen Treibstoffmangel infolge des Iran-Kriegs verwies SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf auf anstehende Gespräche – aber auch auf die Forderung der SPD-Ministerpräsidentinnen und -präsidenten nach einer Sonderkonferenz mit der Bundesregierung. Als Vorbild führten sie die Bund-Länder-Beratungen in der zurückliegenden Coronakrise an.

Bei der Hannover Messe äußerte sich auch Kanzler Friedrich Merz zum Thema und möglichen Folgen für die Flugindustrie: „Unser Ziel ist klar: Die deutsche Wirtschaft und die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass die Versorgung mit zentralen Produkten wie etwa Diesel, Benzin, Flugbenzin gesichert bleibt.“ Derzeit sei die Lage zwar angespannt, aber die Versorgung gesichert. „Für den Fall, dass sich die Lage verschärfen sollte, sind wir auf Maßnahmen vorbereitet.“ (mit dpa)