Ein verdrehter Schlauch, Sekunden der Stoppuhr und ganz viel Teamgeist beim Kreisjugendfeuerwehrzeltlager in Bergisch Gladbach.
KreisjugendfeuerwehrzeltlagerEin Wochenende wie ein kleiner Großeinsatz – mit Bildergalerie

Wie man Wasser fördert und einen Löschangriff aufbaut, hatten die Jugendfeuerwehrleute beim Wettbewerb zur Leistungsspange zu zeigen.
Copyright: Guido Wagner
Der Schlauch liegt. Fast perfekt. Fast. Doch dann zeigt Kreisjugendfeuerwehrwart Peter Czychun auf die Stelle kurz vor dem Verteiler. „Da ist ein Drall drin“, sagt er trocken. Ein kleiner Fehler nur. Aber einer, der bei den Wettkämpfen um die Leistungsspange beim Kreisjugendfeuerwehrzeltlager in Bergisch Gladbach Punkte kosten kann.
Auf dem Kunstrasenplatz an der Belkaw-Arena herrscht konzentrierte Betriebsamkeit. Rund 500 Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis sind zum Zeltlager nach Bergisch Gladbach gekommen. Für die Wettkämpfe sind die Nachwuchsretter eigens ins Stadion gebracht worden. Hier geht es um Pokale, Platzierungen und um die Frage, welche Jugendfeuerwehr die Feuerwehrarbeit am präzisesten beherrscht.
Ich finde es toll, anderen Menschen zu helfen und ein Teil von etwas Großem zu sein
Neun Jugendliche der Jugendfeuerwehr Overath stehen bereit. Gruppenführer Lennard Ley gibt die Kommandos. Die Trupps wiederholen die Befehle laut und deutlich. Dann geht alles ganz schnell: Schläuche werden ausgerollt, Kupplungen verbunden, die Pumpe angeschlossen. Jeder Handgriff sitzt – oder sollte sitzen.

Knapp 500 Jugendfeuerwehrleute und THW-Jugendliche traten bei der Leistungsspange.
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Es gilt, einen Löschangriff vorzubereiten. Vom offenen Gewässer, aus dem das Wasser gepumpt wird, bis zum vordersten C-Rohr, mit dem am Ende wie bei einem realen Einsatz Flammen gelöscht werden könnten – wenn das „offene Gewässer“ am anderen Ende der Schlauchleitung nicht eine blaue Plane wäre, die hier auf dem Kunstrasen anstelle eines echten Löschwasserteichs ausgelegt wurde. Sonst aber ist alles echtes Feuerwehrmaterial. Und es kommt auf jeden Handgriff an.
Je weniger Fehlerpunkt bei den Aufgaben anfallen, desto besser das Ergebnis für die Leistungsspange
„Je weniger Fehler, desto besser“, erklärt Peter Czychun, während das Team der Wertungsrichterinnen und Wertungsrichter jede und jeden Einzelnen genau im Blick hat. Gewertet wird in zwei Altersgruppen: unter und über 14 Jahren, wie Vize-Kreisjugendfeuerwehrwart Stefan Wallmeyer erläutert. Jeder Teilnehmer hat eine feste Aufgabe. Jeder Handgriff wird bewertet. Wird ein Befehl nicht korrekt wiederholt? Fehlerpunkt. Wird ein Schlauch nicht richtig verlegt? Fehlerpunkt. Bleibt irgendwo ein Drall im Schlauch? Wieder ein Fehlerpunkt. Aus vielen kleinen Unsauberkeiten entsteht am Ende ein Fehlerkatalog, der über die Platzierung entscheidet.

Auch das Fördern von Wasser mit einer großen Pumpe will gelernt sein.
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„Was Jugendfeuerwehr ausmacht? Vor allem der Zusammenhalt“, sagt die 17-jährige Antonia Schlepper von der Jugendfeuerwehr Paffrath/Hand nach ihrem Wettkampf. „Dass es immer noch das Hobby ist und nicht nur Leistung.“ Antonia kennt die Feuerwehr von klein auf. Ihr Vater Michael ist stellvertretender Löschzugführer in Paffrath/Hand, auch ihr älterer Bruder ist in der aktiven Wehr. Kann man da überhaupt anders? Antonia grinst. „Geht auch. Mein anderer Bruder ist nicht bei der Feuerwehr. Und wir verstehen uns alle prima.“
Leistungsspange gehört seit Jahren zu den Höhepunkten jedes Kreisjugendfeuerwehrzeltlagers
Der Wettbewerb um die Leistungsspange gehört seit Jahren zu den Höhepunkten des Kreisjugendfeuerwehrzeltlagers. Vier Disziplinen stehen auf dem Programm: der klassische Löschangriff, Kugelstoßen, Staffellauf und die Wasserversorgung über lange Wegstrecken. Es gibt unterschiedliche Wertungen für jüngere und ältere Teilnehmer. Die unter 14-Jährigen absolvieren eine vereinfachte Variante des Löschangriffs, damit auch die Jüngsten faire Chancen haben. Die älteren Teams müssen das komplette Programm bewältigen.

Frank Haag vom Kreisfeuerwehrverband überreicht den Pokal für die Sieger beim Leistungsspange-Wettbewerb zusammen mit Saskia Schüller (l.) und Feuerwehrkreisverbandschef Jörg Köhler an Marie Pütz von der Jugendfeuerwehr Bergisch Gladbach-Paffrath/Hand.
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„Links um“, ruft Lennard Ley und führt seine Overather Gruppe zur nächsten Disziplin. Zwischen den Wettkämpfen sitzen Gruppen auf Bänken am Rand des Sportgeländes, feuern sich gegenseitig an oder verfolgen die Läufe der Konkurrenz. Für viele Teilnehmer ist das Zeltlager weit mehr als nur ein Wettbewerb. Es sind Tage voller Freundschaften, gemeinsamer Erlebnisse und langer Abende. Dazu gehören auch die Nachtwachen am Lagerfeuer. Von zwei bis sechs Uhr morgens über den Zeltplatz zu wachen, klingt zunächst spannend – bis der Schlafmangel zuschlägt.
Zeltlagerleben zwischen Lagerfeuer, Nachtwache und Feuerwehraufgaben im Wettbewerb mit den anderen
„Macht Spaß, aber irgendwann ist man müde“, sagt Antonia lachend. Währenddessen skizziert Betreuer Björn Schlierkamp bereits die Herausforderung der nächsten Station. „Acht C-Schlauch-Längen hintereinander bringen und am besten unter 55 Sekunden. Dann gibt’s die volle Punktzahl“, sagt er nach einem Blick ins Reglement.

Auch die THW-Jugendgruppen aus Bergisch Gladbach und Wermelskirchen haben am Kreisjugendfeuerwehrzeltlager 2026 in Bergisch Gladbach teilgenommen.
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Auf der Tartanbahn geben die Staffelläufer alles für ihr Team. Daneben wacht das Maskottchen der Burscheider Jugendfeuerwehr, ein Stoffhund in Originalgröße und mit eigener Einsatzkleidung, über das Geschehen. Immer wieder feuern sich die Gruppen gegenseitig an. Rivalität gehört dazu – aber mindestens genauso viel Kameradschaft.
Jugendfeuerwehren haben nach der Corona-Zeit wieder regen Zulauf erlebt und sind vielfach stark aufgestellt
Dass die Jugendfeuerwehren trotz der schwierigen Corona-Jahre heute wieder so stark aufgestellt sind, freut auch die Verantwortlichen. Viele hatten damals befürchtet, dass zahlreiche Jugendliche dem Ehrenamt dauerhaft den Rücken kehren würden. „Die Kinder sind zurückgekommen“, berichtet Kreisjugendfeuerwehrwart Peter Czychun, „So hätte ich das anfangs nicht für möglich gehalten.“

Fertig zum Löschen.
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Manche Feuerwehren seien inzwischen sogar an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. In Burscheid etwa gebe es derzeit 27 Jugendliche bei einer maximalen Gruppenstärke von 30. Bei der Overather Jugendfeuerwehr sind es im gesamten Stadtgebiet sogar 47. Was den Reiz für den Feuerwehrnachwuchs ausmacht? „Man trifft Freunde in der Jugendfeuerwehr, macht auch mal was ohne Handy“, sagt Dominik Mergler.
Eine gute Gelegenheit, um andere Jugendfeuerwehrleute zu treffen und sich auszutauschen
Für den Heiligenhauser ist es trotzdem das letzte Kreisjugendfeuerwehrzeltlager. „Ich bin jetzt 18 und gehe dann in die aktive Wehr“, sagt er. Dort möchte auch Mia Grab einmal landen. Die 14-Jährige von der Jugendfeuerwehr Overath ist seit drei Jahren dabei. „Feuerwehr hat mich schon immer interessiert“, sagt die Steinenbrückerin. „Ich finde es toll, anderen Menschen zu helfen und ein Teil von etwas Großem zu sein.“
Das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager sei eine gute Gelegenheit, auch einmal andere Jugendfeuerwehren kennenzulernen – und zu sehen, wie gut man die Feuerwehrarbeit inzwischen beherrscht. Und so wird auf dem Wettkampfplatz weiter gekuppelt, gerannt und bewertet. Immer wieder ertönt das Kommando zum nächsten Start. Die Teams wechseln sich im Minutentakt ab.
Wir haben letztes Jahr gewonnen. Natürlich versuchen wir, den Titel zu verteidigen.
Mittendrin die Jugendfeuerwehr Paffrath/Hand. Titelverteidiger aus dem Vorjahr. Gruppenführerin Marie Pütz lächelt nach ihrem Lauf zufrieden. „Wir haben letztes Jahr gewonnen“, sagt die 17-Jährige. „Natürlich versuchen wir, den Titel zu verteidigen.“
Als am späten Nachmittag die Jugendlichen auf dem Zeltlagergelände Platz nehmen, liegt die Anspannung noch einmal in der Luft. Akribisch haben die Schiedsrichter Laufzettel ausgewertet, Fehlerpunkte addiert und Zeiten verglichen. Dann wird die Entscheidung bekanntgegeben. „Paffrath/Hand“, schallt es aus den Lautsprechern. Sofort brandet Jubel auf. Arme schnellen in die Höhe, Jugendliche fallen sich um den Hals. Titelverteidigung geschafft. Nicht nur Gruppenführerin Marie Pütz strahlt.
Vorbereitungen für Kreisjugendfeuerwehrzeltlager 2027 in Overath haben schon begonnen
Nach Tagen voller Wettkämpfe, Nachtwachen, Lagerfeuer und Gemeinschaft endet das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager mit freudigen Gesichtern. Pokale wechseln die Besitzer, Erinnerungsfotos werden gemacht, Telefonnummern ausgetauscht.
Und während die ersten schon über das nächste Zeltlager sprechen, bleibt eine Erkenntnis: Manchmal entscheiden im Feuerwehrwettkampf nur Kleinigkeiten. Ein vergessener Handgriff. Ein nicht wiederholter Befehl. Oder ein kleiner Drall in einem Schlauch.
Aber im nächsten Jahr gibt’s eine Gelegenheit, alles noch mal neu anzugehen. Dann findet das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager in Overath-Vilkerath statt – und die Vorbereitungen dafür haben längst begonnen.
