Horst Engel betrachtet Wolfgang Kubickis Wahl zum Bundesvorsitzenden als Weckruf. Seine Partei hat knapp neun Monate vor einer wichtigen Wahl keine Eile.
LandtagswahlEhrenvorsitzender in Rhein-Erft bläst zum Aufbruch – FDP verharrt in Schockstarre


Horst Engel ist Ehrenvorsitzender der FDP.
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Wenigstens einer im weiten Rhein-Erft-Kreis schien Notiz von Wolfgang Kubickis Wahl zum FDP-Bundesvorsitzenden genommen zu haben. Kaum waren die Jubelstürme nach dessen Erfolg gegen die ebenso überraschend wie kurzfristig angetretene Marie-Agnes Strack-Zimmermann verklungen, setzte sich ein anderer Liberaler in Pulheim an seinen PC und schrieb Folgendes: „Der FDP-Ehrenvorsitzende im FDP-Kreisverband Erft gratuliert Wolfgang Kubicki herzlich zur Wahl zum neuen FDP-Bundesvorsitzenden.“
Der Ehrenvorsitzende ist Horst Engel, dem es nicht nur in einem Satz gelang, gleich dreimal den Namen seiner Partei unterzubringen, sondern den Gewählten auch zum neuen liberalen Heilsbringer zu erklären.
Engel und Kubicki liegen in vielen Bereichen auf einer Wellenlänge
So schreibt Engel weiter: „Ich kenne ihn aus langjähriger, enger Zusammenarbeit, vor allem im Bereich der Innenpolitik. Er ist eine einzigartige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Er hat die beeindruckende Gabe, in dieser Mediengesellschaft mit liberalen Botschaften durchzudringen. Mit ihm an der FDP-Spitze wird der Wiederaufstieg der FDP gelingen!“
Dann verschickte er eine E-Mail, unter anderem auch ans Postfach dieser Redaktion.
Engels Glückwunsch kommt nicht von ungefähr, sind er und Kubicki doch nicht nur Vertreter ein und derselben Generation – der Pulheimer ist lediglich fünf Jahre älter –, sondern liegen inhaltlich auf einer Wellenlänge; und sie sind lautstarke Vertreter der Interessen ihrer mal wieder arg gebeutelten Partei – und nicht zuletzt ihrer eigenen.

Doppelspitze: Susanne Kayser-Dobiey und Alexander Rheindorf
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Doch es gibt einen Unterschied: Während der Schleswig-Holsteiner mit 74 Jahren seinen größten Triumph feiert, liegt Engels aktive politische Zeit außerhalb seiner Heimatstadt mehr als zehn Jahre zurück: 2012 endete nach zwölf Jahren seine Zeit als Landtagsabgeordneter, ein Jahr zuvor gab er den Vorsitz der Kreispartei ab, nach 22 Jahren. Und nach sage und schreibe 45 Jahren schied Engel im vorigen Jahr aus der Kommunalpolitik aus. In den vergangenen Jahren machte er vor allem als unermüdlich und unerbittlich kämpfender Verbandsvorsteher des Bachverbands von sich reden.
Und nun wieder aus Anlass von Kubickis Wahl. Engel – die Stimme der FDP im Rhein-Erft-Kreis? Jedenfalls hat es diesen Anschein. Glückwünsche vonseiten des Vorstands sucht man vergebens, auch öffentlich geäußerte Hoffnungen, die mit ihm an der Spitze der Bundespartei verbunden sind. Anders als andere Kreisverbände posteten die Liberalen zwischen Bedburg und Wesseling zudem keine Fotos ihrer Delegierten beim Bundesparteitag in Berlin – mit oder ohne Kubicki.
FDP muss um Wiedereinzug in den Landtag bangen
Das zeigt das ganze Dilemma der FDP: Seit der desaströsen Kommunalwahl im Herbst 2025, wo sie selbst in Engels Heimatstadt Pulheim als größter Stadtverband kein Bein auf den Boden bekam, befindet sie sich immer noch in Schockstarre.
Von der Neuwahl des neuen Vorstands mit der erfahrenen Susanne Kayser-Dobiey und dem aufstrebenden Alexander Rheindorf im Januar 2026 ist keine Aufbruchstimmung ausgegangen. Öffentlich findet die FDP nicht statt, auch nicht auf den digitalen Plattformen, die andere Parteien längst für sich entdeckt haben.
Angesichts aktueller Umfragewerte müssen die Liberalen um den Wiedereinzug in den Landtag im April 2027 bangen. Doch wo bleibt das Personal, das die Wählerinnen und Wähler von der Partei überzeugen soll, die Kubicki wieder stark machen will? Als eine der letzten Parteien wird die FDP erst im Juli ihre Landtagskandidaten wählen.
Dem Vernehmen nach werden es weitgehend unbekannte Köpfe sein. Ihnen wird kaum Zeit bleiben, um für liberale Ideen zu werben.
