In Frechen-Habbelrath kümmert sich ein Verein aufwendig um eine der größten Krippen im Kreis; in Brühl gibt es vielfältige Veranstaltungen.
Zum Ende der WeihnachtszeitDas bieten die Kirchen im Rhein-Erft-Kreis am Krippensonntag

Viele fleißige Hände halfen bei der Aufstellung des Bildes zum zweiten Advent in Habbelrath.
Copyright: Wolfgang Mrziglod
Krippen werden in der Weihnachtszeit in vielen Haushalten und auch in den Kirchen aufgestellt. Die Habbelrather Kirchengemeinde St. Antonius aber kann sich rühmen, seit mehr als 30 Jahren wohl eine der größten Krippen in der Region zu besitzen. Der Habbelrather Krippenverein besteht seit den 1990er-Jahren. Er hat sich vor zwei Jahren neu formiert, derzeit gehören ihm 15 Mitglieder an.
Geschäftiges Treiben herrscht alljährlich in den Tagen vor dem ersten Advent in der Kirche. Rechts vor dem Altar wird ein Podium errichtet, auf dem die Krippe später stehen soll. Und so wuseln die Mitglieder des Vereins ständig hin und her, holen aus dem Keller die Aufbauten, die Felsbrocken und eimerweise Sand, der zur Gestaltung einer Wüstenlandschaft dient.

Auch drei Mäuse gehören zum Ensemble in Habbelrath dazu.
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Die Bepflanzung kommt aus dem Garten der Familie Neugebauer, wie das Paar erzählt. Das Jahr über stehen die Töpfe mit den Olivenbäumchen dort und warten auf ihren nächsten Einsatz.
Frechen: Krippenfiguren aus Oberammergau
Bevor die ersten Figuren aus dem Keller geholt werden, ein kurzer Rückblick: Schon immer hatte die Pfarrei eine Krippe, aber von normaler Größe. Das heißt: Von hinten, in den letzten Kirchenbänken, konnte man wenig erkennen. Das sollte anders werden, dachten sich eine Handvoll Männer um Anton Schlesinger, Franz Becker und Leonhard Hövel. Sie gründeten 1993 den Krippenverein. Auch wurden die Ehefrauen mit in die Arbeit eingebunden, an ihrer Spitze Elisabeth Engels, denn deren schneiderische Künste wurden für die Kostüme benötigt.
Dank vieler Spenden wurden die Figuren, die handgeschnitzten Menschen und Tiere, im Oberammergau erworben. Damit der Transport nichts kostet, wurde damals so manche Urlaubsfahrt für die „Überführung“ genutzt. Holte man früher mit Hilfe eines kleinen elektrischen Krans die 20 Kilogramm schweren Findlinge und die vielen mit Sand gefüllten Eimer aus dem Keller, so machen das heute wieder jüngere Mitglieder in Handarbeit, wie Günter Becker erzählt.

Auf dem Esel geht es in der Habbelrather Krippe zu Johannes, dem Täufer.
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Pünktlich zum ersten Advent stand das erste Bild. Es zeigte eine ländliche wüstenähnliche Szene, in der der Schäfer seine Herde bewacht, Figuren um ein Lagerfeuer stehen und in der Ferne der Jordan (dank einer Tauchpumpe mit echtem Wasser) vorbeirauscht, während ein alter Mann mit Esel vorbeizieht. Über dem Bild wachen zwei Engel.
Der Krippenaufbau orientiert sich am Evangelium. Und das bedeutet, dass das Krippenbild wöchentlich wechselt. Jeden Samstag steigen dafür die Mitglieder wieder in den Keller hinunter, um neue Figuren und Requisiten ans Tageslicht zu holen. Die beiden am Himmel schwebenden Engel waren zum zweiten Advent verschwunden, das Bild, hatte sich grundlegend verändert. Denn dann stand Johannes der Täufer im Mittelpunkt des Geschehens. Und plötzlich war zu seinen Füßen auch ein kleiner See zu sehen.

Dank einer Pumpe führt der Jordan in der Habbelrather Kirche auch Wasser.
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Aus den Engeln wurden Beduinenfrauen, die gemeinsam mit anderen Figuren zu Johannes' Quartier am See ziehen, der an seiner armseligen Behausung neben dem Lagerfeuer steht. Das alles müssen die Mitglieder des Krippenvereins rechtzeitig hinbekommen.
Viele Kirchen im Kreis öffnen am Krippensonntag länger
Hinter einer mit dem Wappen „FHK 1993“ geschmückten Tür warten die Requisiten wohlgeordnet in stählernen Spinden. Hochkant steht da der Ochse, während das riesige Kamel ein Extrazimmer bezogen hat. Schrank 5 ist für Esel, Schafe und Hund reserviert, Ochse und Stern liegen nebenan. Schrank 4 beherbergte bis zu ihrem Auftritt die männlichen und weiblichen Hirten, während in Schrank 2 die Heilige Familie wartete.
Sieben Bilder gibt es insgesamt, und daher war natürlich am Heiligabend, wenn die Krippe erstmals gefüllt ist, nicht Schluss. Die Heiligen Drei Könige kommen erst jetzt, im Januar, in Habbelrath an. „Wir lassen sie langsam durch die Kirche ziehen, immer ein Stück näher zur Krippe hin“, erzählt Günter Becker, während Iris Dietrich-Buir und Gabriele Neugebauer noch letzte Hand an die Kostüme der Hirten und Bauern legen.
Der Krippensonntag (11. Januar) im Rhein-Erft-Kreis
In den Städten an Rhein und Erft findet traditionell am Sonntag nach dem Dreikönigstag der Krippensonntag statt. Auch in diesem Jahr (11. Januar) öffnen viele Kirchen von 14 bis 17 Uhr ihre Türen.
Auf Besucher freuen sich etwa der Seelsorgebereich Bergheim/Erft, der Seelsorgebereich Stadt Bedburg, die Pastorale Einheit Bedburg/Elsdorf sowie die Kirchen St. Alban, St. Barbara, St. Michael und St. Lambertus der Pfarreiengemeinschaft Erftstadt-Ville. Auch in Frechen sind die Kirchen zu dieser Zeit geöffnet, ebenso wie alle katholischen Hürther Kirchen und alle Pfarrkirchen des Seelsorgebereichs Horrem-Sindorf in Kerpen. St. Maria Königin in Sindorf bleibt bereits nach dem Gottesdienst um 11 Uhr offen.
Auch in Pulheim können Krippen besichtigt werden. Die Krippe in St. Kosmas und Damian kann überdies täglich von 8 bis 18 Uhr besucht werden, die Krippe in St. Martinus Stommeln ist außer am Krippensonntag noch am 18. Januar (14 bis 17 Uhr) geöffnet. In der Abteikirche St. Nikolaus Brauweiler ist eine von den Pfadfindern gestaltete Krippe zu sehen. Die Öffnungszeiten der Kirche werden im Pfarrbüro unter der Rufnummer 02234/82248 mitgeteilt. (eva)
Besonderes Programm in Brühl
Der Krippensonntag am 11. Januar rückt auch in Brühler Kirchen und Kapellen die Kreativität und Kunstfertigkeit der Macher der Darstellungen von Christi Geburt in den Blickpunkt. Aus diesem Anlass finden Führungen und weitere Aktionen statt. Die Stadt informiert über die Geschichte der Krippen in einem ausführlichen Faltblatt.
Die Vielfalt ist groß. So ist in der Kapelle des Brühler Marienhospitals, Mühlenstraße 21, eine in den 1950er-Jahren aus einer großen Wurzel geschnitzte Krippe zu sehen. In der katholischen Kirche St. Margareta, Heinrich-Fetten-Platz, ziehen große Wachsfiguren aus dem 19. Jahrhundert die Blicke auf sich. Sie wurden in einem Kloster in Aachen hergestellt. Eine Krippe von Lita Mertens ist in der Schwadorfer Kirche St. Severin, Hermann-Faßbender-Straße 4, zu sehen. Lita Mertens gilt als bedeutende Krippenkünstlerin. Bis in die 1970er-Jahre hinein gestaltete sie rund 90 Krippen, die in vielen Gemeinden Kölns und des Umlands zu sehen sind.
Eine Milieu-Krippe steht in der Badorfer Jakobuskirche, Unter Eschen 24. Sie erzählt die Geschichte von der Geburt Jesu, als stünde dessen Wiege in Badorf. In dem evangelischen Gotteshaus findet zudem unter der Leitung von Pfarrerin Sandra Nehring von 15 Uhr an ein nachhaltiges Krippenbasteln statt. Um 17 Uhr werden dann an der Milieu-Krippe Lieder gesungen, und die Pfarrerin spricht den Segen.
In der griechisch-orthodoxen Kirche „Heiliger Johannes der Täufer“ an der Wallstraße 102 kann die Weihnachtsikone im Rahmen einer Führung entdeckt werden. Zwischen 12.30 und 16 Uhr finden in regelmäßigen Abständen etwa 15-minütige Führungen statt. In der Christuskirche können Gäste von 14.30 Uhr an unter der Leitung der Pfarrerin Renate Gerhard an einer Krippenführung teilnehmen. Ab 15 Uhr werden mit Kantorin Marion Köhler Lieder gesungen.
Wer mehrere Krippen kennenlernen möchte, kann sich auf eine Tour durch die Stadt machen oder an einer Wanderung der Brühler Ortsgruppe des Eifelvereins teilnehmen. Während der leichten Wanderung über rund sechs Kilometer werden an der Seite des zertifizierten Natur- und Landschaftsführers Wilfried Schultz-Rotter drei Krippen besucht. Die Wanderung, die um 12 Uhr an der KVB-Haltestelle Brühl-Schwadorf beginnt, endet in der Brühler Innenstadt. Anmeldung unter 02232/51367.
Die Ausstellungsorte der Krippen sind auch über eine digitale Karte abrufbar und in einem Flyer ersichtlich, der an der Tourist-Information der Stadt Brühl ausliegt. Die meisten Krippen können zwischen 11 und 18 Uhr besichtigt werden. Genaue Zeiten findet man im Flyer.
Das Betrachten der Krippen, da sind sich die Verantwortlichen der städtischen Tourismusförderung einig, ist wichtiger Bestandteil des Brauchtums in der Zeit um den Jahreswechsel. Denn „die Krippe gilt als Sinnbild der Weihnachtsgeschichte sowie als Symbol des Friedens, der Demut und Bescheidenheit“, so die Stadt. Weitere Infos hier. (wok)

