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Trotz RekordernteRheinische Rübenbauern sehen Existenz durch steigende Kosten gefährdet

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Zu sehen sind demonstrierende Landwirte vor dem Bergheimer Medio.

Vor dem Medio machten die Landwirte in einer kleinen Demo auf ihre Bedeutung für die Gesellschaft aufmerksam. 

Bauernpräsident fordert bei Verbandsversammlung Bürokratieabbau. Landwirte demonstrierten vor dem Bergheimer Medio.

„Stirbt der Bauer, stirbt das Land“, oder „Ist der Bauer ruiniert, wird klimaschädlich importiert“, so beschrieben Landwirte mit einer kleinen Traktorendemonstration vor dem Medio Rhein-Erft in Bergheim. Im Saal hatten sich die Mitglieder des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV) zu ihrer jährlichen Hauptversammlung getroffen, um genau diese Probleme zu erörtern und Lösungen zu fordern.

Trotz – oder wegen – Rekordernte bei den Zuckerrüben bleibt den Landwirten zu wenig übrig von ihrer Arbeit. Pflanzenschutzauflagen der EU, Arbeits-, Maschinen- und Produktionskosten sowie der mengenmäßig bedingtniedrige Zuckerpreis fressen mögliche Gewinne auf, wie RRV-Vorsitzender Bernhard Conzen vortrug. „Um Ernährungssicherheit muss es in der global schwierigen Zeit gehen“, forderte er. Dazu gehöre Bürokratieabbau und Lockerung der Pflanzenschutzauflagen.

Rhein-Erft-Kreis: Rübenstärkster Landkreis in Deutschland

Den Preisverfall schrieb Conzen, der den Rhein-Erft-Kreis als „rübenstärksten Landkreis in Deutschland oder gar der EU“ einsortierte, auch der Import-Politik für Zucker über Handelsabkommen, etwa mit Lateinamerika (Mercosur), wo ungleiche Sozial- und Umweltstandards herrschten, ins Stammbuch. „Das Preisniveau ist für Landwirtschaft und Fabriken nicht auskömmlich“, befand er.

Über eine Reduzierung der heimischen Rüben-Anbaufläche von „zehn Prozent plus X“ im nächsten Jahr solle die Überproduktion dieses Jahres aufgefangen werden. Dies sei einvernehmlich mit den Landwirten mit der Zuckerfabrik vereinbart worden. Pfeifer-und-Langen-Geschäftsführer Uwe Schöneberg dankte den Landwirten für die freiwillige Rückstellung von Anbauflächen.

Auch P&L leide unter dem Preisdruck. „Unsere Bestrebungen zur CO2-neutralen Produktion, in die wir in den vergangenen Jahren mehr deutlich über der Abschreibungssumme investiert haben, können wir uns aktuell nicht leisten“, bedauerte er. Er versicherte aber, dass das Unternehmen an den rheinischen Orten bleiben und nicht ins Ausland abwandern werde.

Hauptredner der Tagung, an der rund 400 der knapp 3000 Mitglieder von Höfen zwischen Münsterland und dem Norden von Rheinland-Pfalz teilnahmen, war Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes und selbst Rübenbauer im Landkreis Heilbronn. „Man muss den Beamtenapparat in Deutschland und bei der EU kritisch hinterfragen“, forderte er unter dem Applaus der Landwirtinnen und Landwirte. „Das wird ein Jahrzehnt und länger dauern, aber wir müssen jetzt damit anfangen. Sonst haben wir keine Zukunft.“

Mercosur befand er als für den Markt gut, „aber die landwirtschaftlichen Teile des Abkommens lehnen wir strikt ab“. Als Grund benannte auch er unterschiedliche Grenzen für Pflanzenschutzmittel. „Da lassen wir nicht locker. Das ist erforderlich für die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit.“ Erneut Applaus. „Ohne Pflanzenschutz geht Landwirtschaft nicht“, betonte er und forderte schnellere und EU-einheitliche Genehmigungsverfahren. Und auch „mehr Vertrauen in die Landwirtschaft“.

Außer bei Rind und Geflügel gebe es für die Landwirtschaft aktuell „keine kostendeckenden Preise. Das geht auf Dauer nicht.“ Auf der anderen Seite würden „Lebensmittel verramscht“. Trotzdem sei er positiv eingestellt. „Landwirtschaft hat Zukunft.“ Noch könnten Deutschland und die EU die Weichen stellen „für die nächste Generation auf den Höfen“. Auch dafür bekam Rukwied starken Applaus.