Rhein-Erft-Kreis – Ariel sitzt auf der Fensterbank und schaut mit großen Augen nach draußen. In die Freiheit. Der Blick des schwarz-weißen Katers ist versteinert, als er die Welt außerhalb seines Wohnzimmers beobachtet. Eine Wiese, auf der er sich wälzen könnte. Bäume, auf deren Ästen er sitzen könnte. Es ist fast so, als könne ein Mensch die Sehnsucht aus seinem Blick lesen. Ariel wurde in einer Waschküche gefunden. Jetzt lebt er in einem Tierheim.
Anders als für ihre Herrchen bedeutet die Urlaubszeit für viele Haustiere wie Ariel keineswegs Spaß und Erholung. Sobald die Sommerferien absehbar sind, gibt es immer wieder Tierhalter, die ihre Hunde, Katzen oder Kaninchen kurzerhand aussetzen oder im Tierheim abgeben. Der Urlaub als Grund, das Haustier abzuschieben. So erklärt sich auch Karin Schwanfelder, Leiterin des Tierheims in Bergheim-Niederaußem, den verstärkten Zulauf während der Sommermonate: „Wir finden den ein oder anderen Hund vor unserem Tor – angeleint“, sagt sie.
Die Gründe dafür sind vielfältig – vor allem aber finanzieller Natur. „Eine Pension oder sonstige Bleibe für das Tier zu finden bedeutet Kosten, die dann nicht mehr für den Urlaub zur Verfügung stehen“, erklärt Franziska Henseller, die das Katzenhaus betreut. Auf das ganze Jahr verteilt setzten die Leute aber weniger Tiere aus als früher, die Tendenz stimmt positiv. „Dadurch, dass viel darauf aufmerksam gemacht wird und zum Beispiel keine Tiere mehr zu Weihnachten verschenkt werden, ist die Problematik nicht mehr ganz so schlimm“, sagt Henseller. Im Rhein-Erft-Kreis werden zur Urlaubszeit vor allem Katzen ausgesetzt. Im Bergheimer Tierheim wurden im Juni circa 50 Tiere abgegeben, während es sonst zwischen 30 und 40 sind.
Martin Hilgers, erster Vorsitzender des Tierschutzvereins „Tiere in Not“ aus Brühl, hat in den vergangenen zwei Wochen sogar 30 bis 40 neue Katzenbabys in seiner Auffangstation gezählt. Karin Hövel vom Tierheim Helenenhof in Hürth kann die steigende Zahl an Neulingen während der Ferienzeit zwar nicht bestätigen, dafür sei aber wohl die ländlichen Lage verantwortlich. In stadtnahen Einrichtungen spüre man den Unterschied laut Hövel vermutlich mehr.
Martin Hilgers zufolge ist ein wirkungsvolles Mittel gegen das Aussetzen, die Fundtiere mit Foto in die Zeitung zu setzen: „So haben die Leute Angst, dass womöglich Bekannte mitkriegen, dass sie ihr Haustier ausgesetzt haben.“ Auch Fälle, in denen Leute ihr Tier über die Ferien aussetzten und beim Abholen so taten, als sei es ihnen entlaufen, hat der Tierschützer schon erlebt. Laut Karin Schwanfelder vom Bergheimer Tierheim ist das Hauptproblem während der Ferienzeit neben einem stärkeren Zulauf vor allem die schleppende Vermittlung der Tiere: „Es kommt während des Sommers zu einem Stau.“
Für Tierhalter, die nicht wissen, wo sie ihr Haustier während der Urlaubszeit unterbringen können, gibt es eine große Auswahl an Tierbetreuerservices und Tierpensionen. Sie sorgen tageweise oder einen ganzen Urlaub lang für die Tiere. Auch Tierärzte können als Ansprechpartner bei Fragen bezüglich der Urlaubspflege weiterhelfen. Und je nachdem, wohin es geht, können die Tiere sogar ohne größeren Aufwand mitkommen. Informationen dazu sind auch auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erhältlich.
