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Vom Maurer zum ForscherWesselinger kennt jedes Geheimnis der steinernen Zeugen des Krieges

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In die Türe des Bunkers sollen Bullaugen gesetzt werden, um hineinsehen zu können. Dort haben im Zweiten Weltkrieg bis zu 100 Menschen Schutz vor den Bomben gesucht.

In die Türe des Bunkers sollen Bullaugen gesetzt werden, um hineinsehen zu können. Dort haben im Zweiten Weltkrieg bis zu 100 Menschen Schutz vor den Bomben gesucht.

In seiner Kindheit hat Hans Techel in Luftschutzbunkern gespielt. Jetzt, als Rentner, sammelt er alles über deren Geschichte.

Es sind dunkle, aus Beton gegossene oder gemauerte Kammern – ohne Fenster und oft nur mit einer Türe tief unter der Erde: Luftschutzbunker. In Wesseling gibt es kaum einen, den Hans Techel (74) nicht kennt. Als Kind hat er darin gespielt. „Das war für uns ein einziges großes Abenteuer“, erzählt er.

Später änderte sich dann sein Bild auf diese Bauten. Mitunter läuft ihm alleine schon bei der Vorstellung, da hinunterzugehen und die Türe hinter sich fest schließen zu müssen, ein kalter Schauer über den Rücken: „Ich hoffe, dass solche Schutzräume nie wieder gebraucht werden.“ 

Wesseling: Unter dem Keller einer Villa befindet sich ein Behelfsbunker

Das Interesse an den Luftschutzräumen in seiner Heimat Wesseling hat ihn sein Leben lang nicht losgelassen. „Das war vielleicht auch beruflich bedingt“, erklärt er. Gerade 14-jährig startete er vor genau 60 Jahren ins Berufsleben. „Ich wurde Maurer“, sagt er stolz. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand – nach 48 Berufsjahren – habe er diese Arbeit voller Freude ausgeübt. Und auch über seinen Ruhestand hinaus blieb das besondere Interesse an den Luftschutzbunkern erhalten.

In Wesseling weiß er – Stand 2019 – von 58 Bunkern. Weitere jeweils acht Bunker habe es in Keldenich und Berzdorf gegeben und fünf in Urfeld. Dabei handele es sich zumeist um Behelfsbunker, die unter die Wohnhäuser gegraben wurden. „Ich bin in der Nordstraße in Wesseling groß geworden“, erzählt er. Seine Großeltern und seine Mutter haben ihm erzählt, dass sie und die komplette Nachbarschaft bei Fliegeralarm immer zur Zimmermann-Villa gelaufen seien. „Dort unter dem eigentlichen Keller der Villa befindet sich auch ein solcher Behelfsbunker.“ 

Hans Techel ist Sammler und Forscher. Seine Leidenschaft sind Bunker und die Flak im 2. Weltkrieg.

Hans Techel ist Sammler und Forscher. Seine Leidenschaft sind Bunker und die Flak im Zweiten Weltkrieg.

Ohnehin sind seinen Recherchen zufolge die meisten dieser Behelfsbunker in Privatbesitz, unter den eigentlichen Kellern der Wohnhäuser. Darüber hinaus gibt es auch sogenannte „Splitterschutzzellen“, die als Einmannbunker bekannt wurden. Einer davon steht bis heute im Rheinpark in Wesseling.

Eine Besonderheit sind sicherlich die Röhrenbunker, von denen es in Wesseling seinen Kenntnissen zufolge fünf gab. „Darin war Platz für etwa 100 Menschen“, erklärt er. Elektrisches Licht habe es in solchen Anlagen kaum gegeben. „Aber es gab Kerzen und spezielle Halterungen, die von der Wehrmacht eigens für die Nutzung in Luftschutzbunkern hergestellt wurden.“ 

Es gab ja in Wesseling keinen einzigen Bunker, der einem direkten Bombentreffer standgehalten hätte
Hans Techel

Sogar sogenannte Volksgasmasken für Kinder und Erwachsene, Erste-Hilfe-Kästen für Menschen und auch für Tiere seien inklusive einer Gebrauchsanweisung nur für die Nutzung in den Luftschutzbunkern geschaffen und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt worden.

Erschreckend findet Techel: „Es gab ja in Wesseling keinen einzigen Bunker, der einem direkten Bombentreffer standgehalten hätte.“  Unmöglich ist es für ihn auch, sich vorzustellen, welche Ängste die Bevölkerung in diesen unterirdischen Kammern, abgeschnitten vom Rest der Welt, ausgestanden haben muss: „Wie schlimm muss es für sie gewesen sein, die Einschläge der Bomben um sich herum zu hören, die Erschütterungen zu spüren und absolut nichts machen zu können.“

Ein Behelfsbunker soll es dort auch unter dem heutigen Rheinforum gegeben haben. Bei der Detonation einer Luftmine soll es darin durch herumfliegendes Metall, das die Menschen vor die Bullaugen geschraubt hatten, mehrere Tote gegeben haben.

Ein Behelfsbunker soll es dort auch unter dem heutigen Rheinforum gegeben haben. Bei der Detonation einer Luftmine soll es darin durch herumfliegendes Metall, das die Menschen vor die Bullaugen geschraubt hatten, mehrere Tote gegeben haben.

Und weiter: „Wie schrecklich muss es sein, solche Situationen aushalten zu müssen und auch still zu sein, bis über ihnen endlich wieder Ruhe eingekehrt war. Wie groß muss ihre Angst gewesen sein, dass sie selber verschüttet werden könnten und sie in diesen Bunkern alle gemeinsam sterben könnten – oder dass über ihnen ihr komplettes Hab und Gut zerstört werden könnte und sie dann kein Zuhause mehr haben?“

Techel hat mit vielen Zeitzeugen gesprochen und mit Fachleuten diskutiert und hunderte Fotografien, Dokumente und Utensilien gesammelt und schließlich zusammen mit Kerstin Oldendorf die „Historische Forschungsgruppe über Luftschutzbunker und Flugabwehr (Flak) während des Zweiten Weltkriegs in und um Wesseling“ gegründet. Längst ist er selbst Fachmann auch für Luftschutzbunker und ein gern gesehener Gast bei Ausstellungen und Veranstaltungen, bei denen auf das Grauen des Zweiten Weltkriegs hingewiesen wird.

Der Splitterbunker oder Einmannbunker im Rheinpark in Wesseling. Ein Schiffsführer soll 1944 darin einen Bombenangriff überstanden haben.

Der Splitterbunker oder Einmannbunker im Rheinpark in Wesseling. Ein Schiffsführer soll 1944 darin einen Bombenangriff überstanden haben.

Als vor ein paar Jahren ein Röhrenbunker in der Luciastraße in Wesseling abgerissen wurde, waren Hans Techel und seine Kollegin auch vor Ort und haben Bilder gemacht und Notizen geschrieben. Und auch als in Keldenich im Zuge der Bauarbeiten für das Rückhaltebecken der Röhrenbunker ein Stück freigelegt wurde, waren sie mit der Kamera vor Ort. Vom Röhrenbunker in Keldenich weiß Techel, dass die Wände etwa 0,80 Meter dick sind und die Betondecke obendrauf sogar bis zu 1,50 Meter dick ist. „Dieser Bunker reicht auf der einen Seite weit ins Gelände, auf der anderen Seite sogar bis unter die Keldenicher Straße“, erklärt er.

Bunker-Kerzen und entsprechende „Windlichter“, die eigens für einen Aufenthalt in Schutzbunkern produziert wurden.

Bunker-Kerzen und entsprechende „Windlichter“, die eigens für einen Aufenthalt in Schutzbunkern produziert wurden.

Wenn es nach Hans Techel geht, müssten die Schrecken der Vergangenheit sehr viel öfter und noch sehr viel deutlicher in den Alltag transportiert werden – gerade jetzt, wo sich die Welt auf erschreckende Weise ändert. „Dabei sollte man sich immer bewusst sein: Die Leidtragenden sind selten diejenigen, die einen Krieg heraufbeschwören – das größte Leid müssen immer die einfachen Bürger aushalten – Menschen, die so wie wir eigentlich nur in Frieden leben wollen.“