Westnetz lässt derzeit die sogenannten Erdseile auf den Masten ersetzen. Die Monteure müssen schwindelfrei und bei guter Kondition sein.
Arbeiten in 55 Metern HöheHochspannungsmasten bei Wesseling bekommen neue Blitzableiter

Freileitungsmonteure erneuern zwischen Wesseling und Bornheim das Erdseil der Hochspannungsleitung.
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Erstaunt bleibt der junge Mann auf dem Radweg an der Sechtemer Straße zwischen Wesseling-Keldenich und Bornheim-Sechtem stehen und blickt gebannt hinauf zu den Spitzen der Strommasten. In rund 55 Metern Höhe arbeiten dort mehrere Freiluftmonteure an der Stromautobahn zwischen Hürth und Bornheim-Sechtem. Nach einer Planungszeit von etwa drei Jahren erneuert aktuell der Netzbetreiber Westnetz das sogenannte Erdseil an den Masten der Hochspannungsleitung.
Die 110-Kilovolt-Stromautobahn verbindet Hürth mit Bornheim-Sechtem und ist als Teil der sogenannten kritischen Infrastruktur laut Netzbetreiber essenziell für die regionale Stromverteilung. Abgesichert wird die Leitung mit Erdseilen. Das ist stark vereinfacht so etwas wie ein Blitzableiter für die Stromleitung. Es ist „ein elektrisch leitfähiges, geerdetes Seil“, erklärt Henning Drees von der Westnetz. Das Erdseil ist „ganz oben an den stromführenden Leiterseilen“ befestigt, führt Drees aus.
Wesseling: Die Monteure brauchen eine fundierte Ausbildung
Fast jeden Tag sind deswegen zurzeit die „Seilakrobaten“ an den Masten auch vom Hessenweg aus zu sehen. Die Spezialisten brauchen für diese Aufgabe eine fundierte Ausbildung, keine Angst vor Höhen und eine gute Kondition. Denn der Weg hinauf führt über eine steile Leiter – Tritt für Tritt muss mit eigener Muskelkraft geschafft werden. Der Austausch in luftiger Höhe ist also Handarbeit. Mutmaßlich genau so wie 1957, als die Masten aufgestellt wurden.
Die Leitung „ist also inzwischen schon fast 70 Jahre alt“, erklärt Drees. Die Technik aus den 1950er Jahren nutzen bis heute unter anderem auch Großkunden sowie die Umspannwerke. Bis Oktober 2026 werden die Arbeiten an den Hochspannungsmasten andauern. Westnetz lässt nach eigenen Angaben nur ausgebildete Freiluftmonteure auf ihre Maste. Die meisten ihrer „Hochseil-Artisten“ haben die Zusatzausbildung intern im Unternehmen absolviert. Voraussetzung für die Weiterbildung zur Elektrofachkraft für Hochspannungsfreileitungen ist laut Drees eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik.
Größter Verteilnetzbetreiber
Das Unternehmen mit Sitz in Dortmund ist Deutschlands größter Verteilnetzbetreiber und versorgt ein Gebiet von rund 50.000 Quadratkilometern, vor allen in NRW und weiteren Teilen Westdeutschlands.
Kritik gibt es an dem Unternehmen vor allem im Zusammenhang mit der Energiewende, da die Westnetz auch für den Wechsel der Zähler in Privathaushalten und auch für die Abrechnung der Einspeisevergütung zuständig ist. In diesem Zusammenhang berichteten mehrere Medien über Verfahren der Bundesnetzagentur gegen die Westnetz. Das Unternehmen informiert in diesem Fall auf seiner Internetseite selbst über Verzögerungen. (r)
