Zum 85. Mal berichten die Wesselinger Heimat- und Geschichtsblätter über vergangene Zeiten in der Stadt am Rhein.
Heimatblätter erschienenReibekuchen von Wesselinger Luziastraße hatten eine Besonderheit

Die Titelgeschichte der Heimatblätter widmet sich der Umbenennung des Erftkreises: „Wasser vom Rhein wird mit Wasser der Erft gemischt – der Rhein-Erft-Kreis war geboren.“
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Was muss das ein köstliches Gebrutzel gewesen sein – und erst der Duft… Über mehrere Generationen hinweg soll es im vergangenen Jahrhundert in der Luziastraße Tradition gewesen sein, am Geburtstag der Heiligen Luzia – dem 13. Dezember - Reibekuchen zu backen. Doch mitnichten wurden die Kartoffelpuffer selbst verputzt – nein: „Die gebackenen Köstlichkeiten wurden an die vor Rede liegenden Schiffer und Flößer auf dem Rhein verteilt“, schreibt Jürgen Esser in der neuesten und bisher 85. Ausgabe der Wesselinger Heimat- und Geschichtsblätter.
Auch in diesem Heft stellen die Autoren beeindruckend unter Beweis, wie spannend und interessant es sein kann, öfter einmal innezuhalten — und mit dem Wissen von heute auf die Geschichte zu schauen. So erinnert Esser in seinem Text an die Tradition des Reibekuchenbackens in der Luziastraße. Die warme Abwechslung sei bei den Rheinschiffern in der Vorweihnachtszeit sehr gut angekommen und habe die Herzen selbst hartgesottener Rheinschiffer weich werden lassen.
Erinnerungen an einen alten Brauch in Wesseling
Esser berichtet aber auch, dass die Reibekuchen aus der Luziastraße ein absolutes Alleinstellungsmerkmal hatten. „Diese Rievkooche waren nur auf einer Seite gebraten und nicht gewendet worden“, schreibt er. Diese Einzigartigkeit sei alleine darauf zurückzuführen, dass die Luziastraße damals nur einseitig – nur auf der linken Seite — bebaut gewesen sei.
Doch die Erinnerung an den alten Brauch ist längst nicht die einzige lesenswerte und liebevoll verfasste Geschichte zur Historie der Stadt Wesseling. Abgedruckt ist zum Beispiel auch der ausführliche Vortrag den der Geschichtsforscher und Autor Wolfgang Drösser am Tag des offenen Denkmals zum Sioniterhof und der Luziakapelle gehalten hat.
Dabei erklärt Drösser auch, dass die Luziakapelle sozusagen die Hauskapelle des Sioniterhofes zu verstehen sei. Erstmals erwähnt worden sei die Kapelle 1244 – die ersten urkundlichen Belege für den Sioniterhof stammen aus dem Jahr 1238. Drösser erklärt in diesem Vortrag auch, was es mit der Grenzgasse in Wesseling auf sich hat. Tatsächlich soll die Stadt am Rhein in früheren Jahrhunderten nämlich aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen bestanden haben – dem zum Herzogtum Jülich zählenden Niederwesseling und dem zum Kurfürstentum Köln gehörenden Oberwesseling. „Die Staatsgrenze verlief genau dort, wo noch heute die Grenzgasse anzutreffen ist“, schreibt Drösser.
Von der „Geburt“ einer vielleicht ganz neuen Tradition informiert Petra Lohr. Die Rede ist von „Berzdorf Classic“ einem Oldtimertreff, dass erstmals im vergangenen Jahr, am letzten Juniwochenende 2025 in Berzdorf stattgefunden hat. Schon bei dieser Auftaktveranstaltung sollen rund 500 Oldtimerfans mit ihren historischen Schätzchen in Berzdorf vorgefahren sein. Und schon jetzt steht fest, dass Berzdorf auch am letzten Sonntag im Juni 2026 – beim zweiten „Berzdorf Classic“ – ganz im Zeichen der Oldtimer stehen wird.
Stadt war entscheidender Faktor bei der Umbenennung des Erftkreises in Rhein-Erft-Kreis
Auch einige Jubiläen sind Thema in Heft 85 – 40 Jahre Kunstverein Wesseling etwa und 50 Jahre Rhein-Erft-Kreis. Wesseling sei zwar verspätet in den damals neuen Erftkreis gekommen – 2003 sei die Stadt allerdings der ganz entscheidende Faktor bei der Umbenennung des Erftkreises zum Rhein-Erft-Kreis gewesen. Es gibt auch traurige Ereignisse aus dem Jahr 2025, an die im aktuellen Heft erinnert wird. Am 3. August 2025 ist Ilse Schellschmidt im Alter von 88 Jahren gestorben. 1996 hatte sie den Vorsitz des Vereins für Orts- und Heimatkunde übernommen und wurde dann über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg immer wieder einstimmig als Vorsitzende im Amt bestätigt.
Abgedruckt ist die Trauerrede die die Vereinsvorsitzende Doris Sinnwell bei der Trauerfeier in der Kreuzkirche in Wesseling gehalten hat. Das Heft 85 der „Wesselinger Heimat- und Geschichtsblätter“ kostet 5 Euro und ist in Wesseling in der „Süße Ecke“, Bahnhofstraße 23, in der Thalia Buchhandlung, Flach-Fengler-Straße 62-64 und in Berzdorf im Berzdorfer Lädchen, Hauptstraße 53 zu haben.

