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Träger braucht mehr PersonalStadtjugendring in Bad Honnef kürzt Betreuungszeiten für OGS

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Der Stadtjugendring kürzt die Betreuungszeiten an der OGS.

Der Stadtjugendring kürzt die Betreuungszeiten an der OGS.

Die Kürzung der Betreuungszeiten betrifft alle vier Standorte der Offenen Ganztagsschulen (OGS).

Der Stadtjugendring Bad Honnef reduziert zum neuen Schuljahr 2026/2027 die Öffnungszeiten der Offenen Ganztagsschulen (OGS). An allen vier Standorten endet dann die Betreuung der Kinder schon um 16 Uhr statt wie bisher um 16.30 Uhr. Laura Solzbacher, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Träger GmbH des Stadtjugendrings, will die Entscheidung auch als „Signal“ verstanden wissen, dass es bei der OGS und deren Finanzausstattung nicht mehr richtig funktioniere. Und sie stellt gegenüber dieser Zeitung klar: „Es muss auch Baumaßnahmen geben.“

Etwa vier bis sechs Kinder nutzen laut Solzbacher pro Standort die langen Betreuungszeiten bis 16.30 Uhr. Sie habe nach Bekanntgabe der Kürzungspläne jedoch nur fünf E-Mails von Betroffenen erhalten, die wirklich in Schwierigkeiten kommen, die das Problem aber sehr differenziert sähen. Es gebe auch unterschiedliche Betroffenheiten. So sei die Grundschule in Selhof zentral gelegen, Kinder könnten zu Fuß nach Hause gehen. In Aegidenberg liege die Schule etwas außerhalb des Ortes, und zu der fraglichen Zeit fahre dort kein Bus.

Rahmenbedingungen der Ganztagsbetreuung haben sich verschärft

„Die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen in der Ganztagsbetreuung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft“, heißt es in einer Mitteilung der Träger-Gesellschaft zu den kürzeren Öffnungszeiten. Steigende Anforderungen, wachsende Kinderzahlen sowie der ab dem Schuljahr 2026 „hochwachsende Rechtsanspruch“ auf einen OGS-Platz führten zu einem „erheblichen Mehrbedarf an Personal, Räumen und Investitionen“.

Für die Kürzung habe man sich erst nach intensiven Prüfungen und Elternbefragungen und in enger Abstimmung mit der Stadt Bad Honnef entschlossen. „Nach langem Abwägen und unter Berücksichtigung aller organisatorischen und personellen Faktoren haben wir uns für diesen Schritt entschieden. Er ermöglicht uns, die Qualität der pädagogischen Arbeit stabil zu halten und gleichzeitig verantwortungsvoll mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen“, so Hille Staß, die pädagogische Leiterin der Stadtjugendring-Trägergesellschaft in der Mitteilung.

Der Stadtjugendring unterhält und managt an allen vier Grundschulen – das sind die Montessori-Grundschule (Bad Honnef), die Löwenburgschule (Rommersdorf), die St. Martinus-Schule (Selhof) und die Theodor-Weinz-Grundschule (Aegidienberg) – die Offenen Ganztagsschulen (siehe Infokasten).

Nach Angaben von Laura Solzbacher sind insgesamt rund 58 Mitarbeitende (inklusive Küchenkräften) in dem Bereich tätig. Man bräuchte aber dringend mehr Fachkräfte, am besten zwei je Standort. Dafür müsse aber erheblich mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Ausdrücklich lobt der Stadtjugendring die Zusammenarbeit mit der Stadt; der Austausch sei konstruktiv und lösungsorientiert. Alle Beteiligten wollten gemeinsam die bestmögliche Betreuung sicherstellen.

Architekten hatten drei Varianten für  zusätzliche OGS-Plätze vorgestellt

Der „hochwachsende Rechtsanspruch“ bringt vor allem auch räumliche Probleme mit sich. Ab 2026 haben zunächst die Erstklässler Anspruch auf einen OGS-Platz, im Jahr darauf zusätzlich die Zweitklässler und ein weiteres Jahr später die Drittklässler. Das könne theoretisch dazu führen, so das Beispiel von Laura Solzbacher, dass dann alle OGS-Plätze belegt sind und für die Viertklässler, die dann noch keine Rechtsanspruch hätten, keiner mehr zur Verfügung stünde.

Im Juni 2024 hatten Architekten insgesamt drei Varianten für die Schaffung von zusätzlichen OGS-Plätzen unter anderem für die Löwenburgschule vorgestellt. Je nach Lösung waren die Kosten seinerzeit auf 5,3 bis zehn Millionen Euro geschätzt worden. Laura Solzbacher stellt den Zahlen die lediglich 875.000 Euro gegenüber, die das Land NRW für alle Standorte zusammen bereitgestellt habe.

Eine Idee der Architekten sah unter anderem vor, in Rommersdorf die alte und sanierungsbedürftige Turnhalle abzureißen und einen Neubau in gleicher Größe mit Umkleiden und Nebenräumen sowie mit neuer Mensa und drei zusätzlichen OGS-Räumen zu schaffen. Eine Lösung für den Standort Rhöndorf der Löwenburgschule käme dann aber noch hinzu, wo ein Neubau mit Mensa und drei OGS-Räumen nötig wäre.

Aber: Angesichts der städtischen Finanzen „sind die drei ursprünglich dargestellten Ausbauvarianten in der vorliegenden Form nicht umsetzbar“, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Im Rahmen des Schulentwicklungsprozesses sei der Investitionsbedarf kritisch überprüft worden. In enger Abstimmung mit den OGS-Trägern und den Schulleitungen seien erneut Gespräche geführt und an allen Schulen Begehungen durchgeführt worden, „um den tatsächlichen Raumbedarf realistisch und verantwortungsvoll zu ermitteln“. Am 4. März soll es im Bildungsausschuss dazu eine Beschlussvorlage geben.