Rhein-Sieg-Kreis – Kein Tag wie jeder andere war der Mittwoch. Während die S-Bahnen fuhren, blieben die Busse der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) und ihrer beiden Tochterunternehmen Bus- und Bahn-Verkehrsgesellschaft (BBV) sowie Rechtsrheinische Busverkehrsgesellschaft (RBV) im Depot in Hennef.
„Hier ist kein Fahrzeug vom Hof gefahren“, sagte Verdi-Sprecher Norbert Zumhoff. „Auch die nicht organisierten Mitarbeiter waren solidarisch und haben sich nicht ans Steuer gesetzt.“ Mit seinen Kollegen stand er als Streikposten am Tor des großen Betriebsgeländes an der Reutherstraße. „Dieser Betrieb wird bestreikt“, grüßte ein Plakat gleich an der Ein- und Ausfahrt. „Streik“ prangte es groß an den Scheiben eines Busses, der dahinter stand. Zur Kundgebung am Donnerstag in Köln werden Zumhoff und seine Mitstreiter nicht fahren. „Wir werden wieder Posten beziehen. Sonst fahren die später Kommenden zum Linienverkehr raus.“ Aus der Hennefer Stadtverwaltung werden 30 bis 40 Menschen vom Baubetriebshof aus starten, um auf dem Heumarkt zu demonstrieren.
In den Schulen machte sich der Ausfall der Busse deutlich bemerkbar. Sichtlich dezimiert waren in den ersten Stunden die Reihen in den Klassenräumen. Viele Kinder wurden aber von den Eltern gebracht, einige Subunternehmer hielten einige wenige Linien aufrecht. Auch der eine oder andere Schulbus fuhr, allerdings war kaum nachvollziehbar, nach welchen Plänen.
Dichter Verkehr herrschte am Morgen auf den Straßen des Kreises zu den großen Zentren. Dank der frühzeitigen Informationen der Gewerkschaften hatten sich die Pendler offensichtlich darauf einstellen können. Neue Fahrgemeinschaften wurden gegründet, in vielen Fahrzeugen saßen, anders als sonst im Berufsverkehr, mehrere Personen statt eines Einzelfahrers. Gleichwohl gab es Behinderungen auf den Autobahnen, schlimmer noch war es nach Angaben der Polizei auf den Zu- und Abfahrtsstraßen. Das befürchtete Chaos aber blieb aus.
Schwierig gestaltete sich anfänglich der S-Bahnverkehr. Obwohl der Betrieb nicht bestreikt wurde, führte ein Gleisbruch im Kölner Hauptbahnhof zu Verspätungen. Gänzlich leer gefegt waren die Bahnsteige der Stadtbahn Linie 66 am Bahnhof in Siegburg. „Warnstreik – hier kein Bahnverkehr heute und morgen“ war auf den Anzeigetafeln zu lesen. Am Vormittag liefen keine irritierten Reisenden mehr herum, die Auswirkungen des Arbeitskampfes beschränkten sich auf die frühmorgendlichen Pendlerzeiten. Das wird am Donnerstag weiterhin der Fall sein. Verdi hat für Donnerstag wieder zu Streiks aufgerufen.
Erhebliche Auswirkungen hat der Streik auf den Betrieb der 27 städtischen Kindertagesstätten (Kitas) in Troisdorf: 15 Einrichtungen bleiben geschlossen, in weiteren vier Kitas ist regulärer Betrieb mit Einschränkungen möglich, und in sechs Tagesstätten wird ein Notdienst eingerichtet. Nur zwei Kitas können regulär arbeiten. (mit ah)

