Kommt der Netto-Markt noch nach Marienfeld? Das Nein der Bezirksregierung will die Gemeinde Much nicht hinnehmen; es gebe noch eine Chance.
Nein aus KölnGemeinde Much sieht noch eine Chance für Netto-Markt in Marienfeld

Seit Jahren schon ist der Netto-Markt am Rand von Marienfeld in der Diskussion. (Archivbild)
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Im Jahr 2021 war der geplante Netto-Markt am Rande Marienfelds ein heiß diskutiertes Thema. Es gab überwiegend Befürworter unter den Bewohnern des zweitgrößten Ortes der Gemeinde. Aber auch Kritik wurde laut, die Grünen in Much positionierten sich dagegen. Dann wurde es still um das Thema. Jetzt kam die Hiobsbotschaft aus Köln: Die Bezirksregierung sagt Nein zum Nahversorger. Knackpunkt ist die Lage an der Landesstraße.
Die Verwaltung hatte in der Zwischenzeit etliche Gespräche im Hintergrund geführt, mit dem Investor und der Bezirksregierung. Das „niederschmetternde“ Ergebnis verkündete die neue Beigeordnete Kerstin Zeilinger in der jüngsten Ratssitzung. Es gebe aber eventuell noch eine Chance, einen Supermarkt zu realisieren. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Ist der Bauherr noch an Bord?
Die Firma Netto hatte einst die Anfrage im Rathaus gestellt. Die Kommunalpolitiker im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Digitalisierung und Tourismus votierten im April 2021 mehrheitlich dafür, dass die Gemeinde in Verhandlungen mit Netto einsteigt. Ansprechpartner für das Bauprojekt war die Schoofs-Gruppe aus Kevelaer. Die Niederrheiner sind keine Unbekannten in der Region, sie haben das Huwil-Center in Ruppichteroth gebaut. Laut der Beigeordneten Zeilinger, die zuvor als Leiterin des Mucher Bauamtes eingebunden war, hat Schoofs noch Interesse.
Was ist das Hauptproblem am Standort?
Der Netto-Markt sollte urspünglich mit 800 Quadratmetern eine relativ geringe Verkaufsfläche haben, geplant war auch ein Backshop mit Café, 60 Parkplätze sollten ausreichen. Für die Landesbehörde wäre ein Nahversorger an der Landesstraße gegenüber dem Abzweig der Kreisstraße 31 nach Marienfeld zu weit weg vom Schuss, die relativ breite L312 habe zudem eine „Trennwirkung“.
Ein kleinteiliger Einzelhandel sei besser im Ortskern aufgehoben, argumentierte die Bezirksregierung. Dort aber kommen zu wenig Leute vorbei, allein die Marienfelder Kundschaft würde den Markt wirtschaftlich nicht tragen. Diese Meinung vertrat der Investor, die Gemeinde zeigte Verständnis. Die Bezirksregierung sieht hingegen zwei mögliche Standorte: eine Wiese am hinteren Ende der Dorfstraße und eine abschüssige Fläche im Wohngebiet. Laut Zeilinger seien diese aber nur auf dem Papier geeignet.
Wie könnte die Lösung aussehen?
Der neue Bürgermeister Karsten Schäfer, der vor der Kommunalwahl in seiner Funktion als Beigeordneter das Projekt vorangetrieben hatte, setzt wie die Beigeordnete auf die Änderung des Landesentwicklungsplans. Der neue Plan ist zwar noch nicht beschlossen, steht aber in seinen Grundzügen. Künftig soll es ausnahmsweise möglich sein, in ländlichen Ortsteilten großflächigen Einzelhandel zu erlauben. Voraussetzung sei, dass die Siedlungsstruktur keinen geeigneten Platz für eine wohnortnahe Versorgung biete. Im Rathaus werde man nun parallel weiterabeiten: zum einen an der Alternative stricken, zum anderen die getroffene Entscheidung nicht akzeptieren. „Wir fahren wieder zur Bezirksregierung“, kündigte Zeilinger an.
Womit rechnet der Investor?
Laut Kaufkraftanalyse der Schoofs-Gruppe könnten 3000 Kunden pro Woche für einen Jahresumsatz von 3,3 Millionen Euro sorgen. Das sind die Zahlen von vor einigen Jahren, als das neue Baugebiet Stockemsiefen nur teilweise bebaut war. Marienfeld hat rund 1300 Einwohner.
Wie lange müssen die Marienfelder noch warten?
Karsten Schäfer hatte einst optimistisch von einer Eröffnung noch 2022 gesprochen. Selbst wenn nun alles glatt liefe, dauere das Verfahren zwischen eineinhalb und zwei Jahren, schätzt Kirsten Zeilinger. Das wäre Ende 2027 bis Mitte 2028.
Wo lauern Fallstricke?
Die Bezirksregierung muss zunächst einmal der Argumentation der Gemeinde folgen, das gilt sowohl für den kleinteiligen als auch für den größeren Einzelhandel. Im letzten Fall brauche Much eine stichhaltige Begründung, warum Marienfeld unter die erlaubten Ausnahmen fällt, erläuterte Zeilinger.
Es folgten die frühzeitige Beteiligung und die Offenlage der Pläne, danach werde der Flächennutzungsplan geändert. Die Fläche sei aus dem Landschaftsschutz herauszunehmen. Natur und Umwelt, seltene Tierarten und die Hochwassergefahr, müssten Berücksichtigung finden. Die Erreichbarkeit war auch ein Thema: Für Fußgänger sei die Lage unattraktiv, so die Grünen, die auch den „Flächenfraß“ anprangerten.
Gibt es einen dritten Weg?
Die Alternative, dass die Marienfelder nach dem Vorbild der „Dorv-Läden“ ihre Versorgung selbst in die Hand nehmen, scheint vom Tisch zu sein. Das wurde in Bürgerversammlungen bereits diskutiert, ohne Ergebnis. In der Region gibt es in Windeck-Leuscheid ein solches Lädchen, in dem viel ehrenamtliches Engagement steckt. Die Marienfelder erledigen ihre größeren Einkäufe derzeit hauptsächlich in Much – überwiegend mit dem Pkw.
