Mehr als 100 Wohnungen wurden und werden in Much geschaffen, dazu zwei Pflegeeinrichtungen. Der jetzige Abwasserkanal ist dafür zu klein.
AbwasserkanalWas passiert eigentlich auf der Riesen-Baustelle in Much?

In der Baustelle für den neuen Stauraumkanal in Much stehen Michael Hoppe (Gemeindewerke Much), Bürgermeister Karsten Schäfer, Bauleiter Kai Vogel und Kanalsanierungsberater Johannes Urbach auf den großen Röhren.
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In der Straße Auf dem Beiemich in Much gibt es schon länger kein Durchkommen mehr für den normalen Verkehr. Wer an dem Bauzaun vorbeispäht, sieht den Grund für die Sperrung: eine fünf Meter breite Baugrube.
Die Anwohner bekommen die seit Jahren anhaltenden Bauarbeiten, auch in der angrenzenden Dr.-Wirtz-Straße, unweigerlich mit. Der dortige Gebäudekomplex inklusive Tierarzt, Apotheke und Bäckerei ging bereits im vergangenen Jahr in Betrieb, das „Vitalquartier“ auf dem Beiemich soll am 1. Juni starten. Durch die insgesamt mehr als 100 Wohnungen und zwei Pflegeeinrichtungen wird der Mucher Abwasserkanal in Zukunft deutlich mehr in Anspruch genommen. Die jetzige Leitung, die das gesamte Abwasser der Schmerbacher Seite nördlich der Hauptstraße bündelt, reicht nicht mehr aus.
Zehn Liter pro Sekunde sollen durch den neuen Schacht fließen können
Deshalb plant Bauleiter Kai Vogel einen sogenannten Stauraumkanal mit Drosselschacht. Zehn Liter pro Sekunde sollen durch diesen Schacht fließen können, sodass das Abwasser in einer geregelten Dosis Richtung Kläranlage transportiert werden kann. 340 Kubikmeter können auf diese Weise zurückgehalten werden. Bei Starkregen und vollen Rohren sei auch eine Taktung von bis zu 320 Litern pro Sekunde möglich, erläutert Johannes Urbach vom Ingenieurbüro Holzem und Hartmann. Deswegen sind es auch zwei Rohre, die auf dem Beiemich verlegt werden: Bei Starkregen kommt das zweite zum Einsatz.
Etwa 90 Meter lang ist der Stauraum, nach und nach wird die Straße aufgerissen, um die Sechs-Meter-Rohre einzusetzen. Auch Karsten Schäfer wollte sich von der großen Baugrube ein Bild machen. „So ein Stauraumkanal ist ja nichts Alltägliches“, stellte der Bürgermeister von Much fest.
Die Planung war eine Herausforderung: Der ursprünglich geplante Betonkanal hätte mit mehreren Schwertransporten von jeweils 30 Tonnen in die enge Straße angeliefert werden müssen. Auch ein Mobilkran mit Stützen, um die Rohre einzusetzen, hätte dort keinen Platz gehabt. Eine kostengünstigere Alternative sind Polypropylen-Rohre. Der Kunststoff ist verhältnismäßig leicht zu transportieren und hat eine hohe chemische Resistenz.
Die Rohre mit einem Durchmesser von 1,60 Meter haben auch keinen weiten Weg bis nach Much: Die Firma Hawle aus Drabenderhöhe stellt sie her, das ist nur ein Transport von etwa acht Kilometern. Die Betonrohre wären aus Niedersachsen angeliefert worden. In zwei Monaten soll der Stauraumkanal fertig sein.
