Der Fall vor dem Jugendschöffengericht wirft ein Schlaglicht. Es braucht mehr Kontrolle von Pflegefamilien, meint unsere Kommentatorin.
Misshandlungs-Fall in MuchBei Pflegekindern braucht es mehr Kontrolle


Erschreckende Gewalt in einer Pflegefamilie machte die älteste Tochter öffentlich. (Symbolbild)
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Sechs Monate Mindeststrafe erhält ein Dieb. Und wie wird jemand bestraft, der eine gefährliche Körperverletzung begeht, gar Schutzbefohlene misshandelt? Hier gelten ebenfalls sechs Monate als unterste Grenze im deutschen Strafrecht. Kaum nachvollziehbar. Das milde Urteil des Jugendschöffengerichts gegen die Pflegeeltern aus Much lässt juristische Laien ratlos zurück.
Was ist in diesem Fall eine gerechte Strafe? Kann jemand, der ihm anvertraute Kleinkinder, Kindergartenkinder, Schulkinder über einen Zeitraum von zehn Jahren perfide misshandelt, mit elf Monaten auf Bewährung davonkommen? Es war kein bloßes Handausrutschen, kein Augenblicksversagen, das stellte das Gericht unmissverständlich klar.
Ehepaar räumte wohl nur Bruchteil der Misshandlungen ein
Doch auch Gewalttätern müssen ihre Übergriffe im Einzelnen nachgewiesen werden, sehr schwierig, wenn es für die Prügelstrafen hinter verschlossener Tür keinen neutralen Zeugen gibt, wenn die Opfer sich nicht genau erinnern. Indizien aber gab es zuhauf. Der Abschluss des Verfahrens hat deshalb einen bitteren Beigeschmack: Unter dem Ermittlungsdruck haben die grausamen Ehegatten wohl nur einen Bruchteil des begangenen Unrechts eingestanden, das legt die dicke Akte der Staatsanwaltschaft nahe.
Eine andere Frage stellt sich ebenso drängend: Was muss sich ändern, damit solche Fälle schnell entdeckt werden, am besten gar nicht erst geschehen? Es braucht eine engmaschigere Kontrolle von Pflegefamilien seitens des Jugendamtes, vielleicht intensivere Gespräche mit den Pflegekindern und den leiblichen Kindern – ohne Eltern und in einer vertrauensvollen Atmosphäre, in der Probleme eher angesprochen werden.
Es braucht Kinderärzte, die genau hinsehen – Striemen unter den Füßen sind kaum erklärlich
Und es braucht ein schnelles Eingreifen schon bei Verdachtsmomenten. Es braucht Kinderärzte, Therapeuten, die noch genauer hinsehen. Ja, nicht jeder blaue Fleck ist ein Hinweis auf Schläge, aber Striemen unter den Füßen sind wohl kaum erklärlich.
Zivilcourage, Mitgefühl und Herz hat die älteste, leibliche Tochter des Lehrers und seiner Frau bewiesen. Sie, die die Taten stoppen wollte und so selbst Opfer wurde, brachte den Stein ins Rollen. Andere, erwachsene Familienmitglieder, machten sich mitschuldig. Sie hätten im Prozess bei der Aufklärung helfen können, nutzten aber ihr Zeugnisweigerungsrecht. Die vermeintlich so aufrechten Christen ließen die Pflegekinder im Stich.
