Der Ausbau der Schnellbuslinien ist beschlossene Sache. Doch am Knotenpunkt Much regt sich Protest gegen die zentrale Haltestelle.
„200 Busse pro Tag“Mucher Bürger protestieren gegen zentrale Haltestelle – Sorge wegen Verkehrssicherheit

Etwa 200 Busse am Tag könnten bald am Schulzentrum halten. Bürger protestieren, Verwaltung und Politik sehen ebenfalls große Probleme.
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An der Haltestelle Much Schulzentrum droht Gefahr. Mit dem Ausbau der Schnellbuslinien unter Regie des Rhein-Sieg-Kreises kurvten Gelenkbusse durch die schmalen Straßen und gefährdeten die Kinder, kritisiert die Gemeindeverwaltung. In der Ratssitzung protestierten die Anwohnerinnen und Anwohner. Sie befürchten chaotische Zustände am neuen Knotenpunkt.
„Eigentlich sind wir ja alle für einen besseren ÖPNV“, sagte Bürgermeister Karsten Schäfer. Doch in Much fühlt man sich überfahren, schon Anfang September soll die Linie SB 54 den Rendez-Vous-Platz ansteuern, obwohl die baulichen Voraussetzungen fehlten. Im Dezember wird nach jetzigem Planungsstand die SB 56 folgen.
Anwohner in Much beschwerten sich bereits über laufende Dieselmotoren
Bislang wird die Station lediglich alle halbe Stunde von der 578 angefahren. Nur zum Unterrichtsbeginn und Ende sorgt der Schulbusverkehr für viel Betrieb. Probleme gebe es schon jetzt, schilderten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in der Ratssitzung. Einige Fahrer ließen in ihrer Pause sommers wie winters den Dieselmotor laufen, für Kühlung und Heizung. Deutlich zu hören auch das Türklappen des Dixi-Klos am Rand der Wohngrundstücke.
„Ich habe schon viele Diskussionen geführt und E-Mails geschrieben, ans Ordnungsamt und an die Busunternehmen“, berichtete ein Nachbar. Danach sei Ruhe gewesen, aber nur kurz. „Setzen Sie sich mal auf unsere Terrasse“, sagte er zu den Kommunalpolitikern und zu Dr. Christoph Groneck, Projektleiter Nahverkehrsplanung beim Rhein-Sieg-Kreis.
Zahlreiche Fragen aus Much seien im Kreishaus noch nicht bearbeitet worden
Der betonte die Vorteile: Die Verlängerung der Schnellbuslinien schaffe Verbindungen zwischen den beiden Bahnstrecken im Kreis – vom Bahnhof Overath bis zum Bahnhof Eitorf. An den Knotenpunkten gebe es Umstiege in weitere Linien, ohne lange Wartezeiten.
Nun ist der Start in Sicht, aber zahlreiche Fragen aus Much hätten die Planer im Kreishaus nach wie vor nicht bearbeitet, wandte Bürgermeister Schäfer ein. Vor allem geht es um die Verkehrssicherheit. Schon jetzt müssten Solobusse, die aus der Fritz-Wilhelm-Straße ausfahren, „den Gehweg an mehreren Stellen überstreichen“. Bald stoppten überwiegend Gelenkbusse am Knotenpunkt, rund 200, wie die Anwohner errechneten.
Alle halbe Stunde alle Linien, die 578 über Neunkirchen und Hennef wie bisher, und zusätzlich am dem 2. September, dem ersten Tag nach den Sommerferien, die SB 54; zum Fahrplanwechsel im Dezember die SB 56. Aktuell steuern diese das Rathaus an.
An der Mucher Hauptstraße ist für einen Knotenpunkt kein Platz
Die Hauptstraße im Ortskern wird so erheblich weniger frequentiert, lediglich jeder zweite Schnellbus fährt weiter über die neue Strecke nach Bielstein (SB 56) beziehungsweise über Marienfeld nach Eitorf (SB 54). Wenn am Rathaus nur noch alle Stunde ein Bus hält, so die Kritik der Anwohner, wäre auch der kleinflächige Einzelhandel bis zur Kirche nicht mehr so gut angebunden. „Der Weg bis in den Ortskern wird für Fahrgäste, die nicht so gut zu Fuß sind, zu beschwerlich, auch aufgrund der Steigungen.“
Tatsächlich habe es gute Gründe gegeben, den Knotenpunkt nicht auf die Hauptstraße zu legen, erläuterte Dr. Christoph Groneck, Projektleiter Nahverkehrsplanung beim Rhein-Sieg-Kreis. Die Schnellbusse, die im Moment dort enden, müssen bis zum Doppelkreisel fahren, um zu drehen. Das koste viel Zeit. Für einen Umsteigeplatz gebe es keine verfügbaren Flächen.
2020 war klar, dass die Mobilstation am Rathaus keinen Platz findet, ebenso wenig an alternativen Standorten in Höhe Kirche oder Supermärkte. Im Dezember 2022 gab es den ersten Ratsbeschluss, einen Verknüpfungspunkt am Schulzentrum zu prüfen, im November 2024 erfolgte der zweite. 2025 gab der Kreistag für die Schnellbusverlängerung grünes Licht.

Nadelöhr Hauptstraße: Hier müssen zur Zeit die Schnellbusse bis zum Doppelkreisel fahren, um zu drehen.
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Fahrproben im Oktober 2025 hätten ergeben, dass der Rundumschluss Much machbar und „die erweiterte Nutzung der Haltestelle am Schulzentrum im Bestand verkehrssicher möglich ist“, berichtete Groneck. Dabei waren Vertreter des Landesbetriebs Straßen NRW, des Straßenverkehrsamtes und der Kreispolizeibehörde mit an Bord.
„Dieses Ergebnis wundert mich sehr“, kommentierte Bürgermeister Schäfer kopfschüttelnd. Aus Sicht der Gemeindeverwaltung und der Anwohner gebe es weitere Problemfelder, wie das Abbiegen der langen Busse von der Schulstraße auf die Bundesstraße 56.
Mehr Lärm drohe sowohl am Begegnungsplatz, befürchten die Anwohner, als auch auf Schul- und Klosterstraße, wo Schwellen den Verkehr verlangsamten. „Dann habe ich vor und hinter meinem Haus Krach, unsere Immobilien werden unverkäuflich“, sagte ein Zuhörer.
Much ist zuständig für die Erweiterung und die barrierefreie Umgestaltung der Haltestelle, doch das Projekt ruhe, erläuterte Karsten Schäfer. Much befinde sich im Haushaltssicherungskonzept, das keine freiwilligen Ausgaben erlaube. Ebenfalls auf Eis liege die Schaffung einer sicheren Aus- und Einfahrtsituation insbesondere an der Fritz-Wilhelm-Straße, eine Grundvoraussetzung für die zentrale Busstation.
Ist die Schnellbus-Schleife noch aufzuhalten? „Die Entscheidung liegt in Much“, sagte Dr. Groneck leicht ernüchtert. Aus Sicht des Kreises sei das Projekt startklar. Ursprünglich sollte in der Ratssitzung ein Vorschlag formuliert und abgestimmt werden. Das ist nun erstmal verschoben.
Am 25. Juni wird sich der Ausschuss Verkehr, Planung und Wege mit dem Thema beschäftigen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Mensa der Gesamtschule.
