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Kein Gewerbe plus WohnenWarum Aldi in Neunkirchen-Seelscheid einen neuen Supermarkt baut

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Der Aldi-Markt an der Hauptstraße Ecke Eisenerzstraße

Aldi baut an der Hauptstraße einen neuen Discounter und einen dm-Drogeriemarkt. Anders als in Hennef und Bergisch Gladbach entstehen aber keine Wohnungen.

Aldi plant an der Hauptstraße einen neuen Discounter und einen dm-Markt ohne Wohnungen. Ein Mix, so der Konzern, würde Nachteile für die Kunden bringen.

Im Hennefer Zentrum gibt es ein schmuckes Wohngebäude mit einem Aldi-Markt im Erdgeschoss, in Bergisch Gladbach entsteht aktuell ein ähnliches, noch größeres Projekt mit 115 Wohnungen. Das könnte ein Modell sein für Neunkirchen-Seelscheid, meinte die SPD-Fraktion und stellte einen Antrag, das neue Vorhaben des Discounters an der Hauptstraße mit der Schaffung dringend benötigten Wohnraums zu verknüpfen.

Doch vom Konzern kam dazu ein freundliches, aber klares „Nein“. Für diesen Standort gebe es andere Pläne, erläuterte Harald Peters von der Aldi Süd-Immobilienverwaltungsgesellschaft im Ausschuss für Gemeindeplanung und Ortsentwicklung. „Wir machen auch Mixed-Used-Projekte (also Gewerbe plus Wohnen, d. Red.), aber nicht aus Begeisterung, sondern nur wenn es unbedingt erforderlich ist.“ Sprich, wenn die Vorgaben so gefasst sind, dass sich ein Investor daran halten muss.

Der alte Rewe-Markt in Neunkirchen-Seelscheid steht seit acht Jahren leer

Das langgestreckte Grundstück zwischen den Einmündungen Eisenerzstraße und Ohlenhohnstraße ist Sondergebiet, man habe das alte Rewe-Areal, das an den Discounter angrenzt, im Dezember vergangenen Jahres in Vertrauen auf das Planungsrecht erworben, so Peters. Rewe war vor langer Zeit in einen Neubau im Gewerbegebiet umgezogen, der zu klein gewordene Markt steht seit acht Jahren leer.

Der wird abgerissen, genau wie der Aldi. Die neuen Geschäfte – entstehen soll auch eine Bäckerei – erhalten einen gemeinsamen Parkplatz in der Mitte, das sei erfahrungsgemäß attraktiv für die Kunden. Man stehe im Wettbewerb mit anderen Anbietern am Standort, darunter Netto.

Peters lobte die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, der Bauantrag wurde bereits beim Rhein-Sieg-Kreis gestellt. Man brauche lediglich eine Befreiung vom Bebauungsplan, weil die im Bebauungsplan festgelegten Baugrenzen an drei Stellen überschritten würden. 

Fußgänger und Radfahrer haben demnächst kürzere Weg durch den  Zugang von der Hauptstraße, die Zufahrt für Pkw erfolgt über die Ohlenhohnstraße. Laut einem Gutachten sei das möglich, ohne dass die Kunden in Spitzenzeiten extrem lange warten müssten, um in den fließenden Verkehr auf der Hauptstraße abzubiegen, sagte Harald Peters: „Wir haben gezählt und hochgerechnet.“   

Das Grundstück sei zu lang und schmal für die Erschließung über den Kreisverkehr an der Eisenerzstraße, der Zufahrt ist für die anderen Supermärkte im Sondergebiet und derzeit noch für den Aldi. Diesen Weg würden dann nur die Zuliefer-Lkw nehmen, die aus Platzgründen rückwärts aufs Gelände fahren, erläuterte der Aldi-Verantwortliche auf Anfrage von Mario Weesbach (CDU). 

Porträt-Aufnahme vin Harald Peters,  Aldi-Immobiliengesellschaft

Harald Peters von der Aldi-Immobiliengesellschaft betreut das Bauprojekt an der Hauptstraße.

Sein Unternehmen, so Peters, sehe in einer Aufstockung der Gebäude und in einer Überbauung des Parkplatzes mehr Nach- als Vorteile. Die Wohnungen seien erfahrungsgemäß nicht einfach zu vermarkten, die Anlieferzone und der Parkplatz stellten ein Problem dar.

Ein Bau auf Stelzen über den Stellplätzen sei aufwendig und würde den Parkraum verringern. Eine Tiefgarage, teuer im Bau, würde Kunden eher abschrecken - ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz. Ein solcher Kompromiss wäre nur dann sinnvoll, „wenn es städtebaulich zwingend geboten ist“.

Wohnraum ist unser drängendstes Problem, die Schaffung wäre ein Imagegewinn für Aldi.
Thomas Cremer von den Grünen Neunkirchen-Seelscheid

Auf das Argument von Thomas Cremer (Grüne), dass der Discounter eine Chance vergebe, ging er nicht ein. „Wohnraum ist unser drängendstes Problem, die Schaffung wäre ein Imagegewinn für Aldi“, sagte Cremer, „da kann keiner mithalten.“         

Dass ein Bau-Turbo das Verfahren eventuell beschleunigen könnte, sei für Aldi nicht relevant, meinte Peters. Die Idee der SPD, mit diesem Instrument zusätzlich Wohnraum auf dem Gewerbeareal zu schaffen, ist laut Verwaltung ohnehin nicht zu realisieren.

Früheres Supermarktgebäude im Zentrum von Neunkirchen-Seelscheid

Seit acht Jahren steht das alte Rewe-Gebäude leer. Es soll einem dm-Drogeriemarkt weichen. Die gemeinsame Zufahrt läuft über die Ohlenhohnstraße.

Das neue Gesetz gelte grundsätzlich ausschließlich für Wohnungsbauprojekte. Für Sondergebiete gebe es zwar Ausnahmen, die Schaffung von Wohnraum müsste aber im Vordergrund stehen, erklärte Thomas Maffei, Wirtschaftsförderer und Leiter des Amts für Gemeindeentwicklung. Wolfgang Maus (SPD) hatte der Verwaltung vorgeworfen, den Gesetzestext nicht richtig verstanden zu haben.  

Maus zog schließlich den SPD-Antrag zurück. Man wolle den Investor zu nichts verpflichten, stellte er klar: „Wir sind froh, dass Aldi vorankommen kann.“ Der Ausschuss votierte einstimmig dafür (bei einer Enthaltung aus der SPD und einer Enthaltung der Grünen), für das Projekt das Einvernehmen zu erteilen. Die CDU, das stellte Dreesbach klar, sei „immer für die Schaffung von Wohnraum“. Der Einzelhandel habe aber auch ein großes Gewicht – als „Daseinsvorsorge“.