Der Flughafen Köln/Bonn will seinen Nachtflugbetrieb dauerhaft sichern. Doch die Gemeinde befürchtet, dass dann der Lärmschutz hinten ansteht.
Nachtflüge „verdreifacht“Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid beklagt steigenden Fluglärm

Nachtflüge sollen weiterhin beschränkt bleiben, das fordert die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid in ihrer Stellungnahme zum Antrag des Flughafens Köln/Bonn. (Symbolbild)
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Der Flughafen Köln/Bonn ist einerseits ein Wirtschaftsfaktor, andererseits birgt der Fluglärm Gesundheitsgefahren. Trotz der Bemühungen um mehr Lärmschutz sei dieser Konflikt nicht gelöst, so steht es in einem Schreiben aus Neunkirchen-Seelscheid an das Landesverkehrsminiterium. Die Gemeinde spricht sich für strengere Regeln aus. In den vergangenen 15 Jahren habe sich der nächtliche Passagierverkehr „nahezu verdreifacht“.
Anlass ist ein aktueller Antrag des Flughafens auf Entfristung. Hintergrund: Im Oktober 2030 endet die Frist für die 1997 vom Ministerium verhängten Beschränkungen, die zuvor zweimal verlängert worden war. Dann müsse neu entschieden werden. Das aber bedeute „eine erhebliche Unsicherheit für die am Flughafen ansässigen Firmen“, heißt es in dem Antrag.
UPS will am Drehkreuz Köln/Bonn 475 Millionen Euro investieren
Internationale Akteure wie UPS müssten schon heute Investitionsentscheidungen treffen, dabei gehe es um Summen von rund 475 Millionen Euro für den Bau eines neuen Frachtzentrums und die Modernisierung bestehender Einrichtungen. „Fehlt die Planungssicherheit, werden diese nicht getätigt.“
Köln zähle als Drehkreuz für Luftfracht und Expressluftfracht zu den Flughäfen im Bundesinteresse und sei „für den Wirtschaftsstandort Deutschland von essentieller Bedeutung“.
Neunkirchen-Seelscheid gehört als besonders betroffener Anrainer zur Fluglärmkommission. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses räumt das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen nicht nur der Kommission, sondern den einzelnen Kommunen die Möglichkeit ein, ihre Belange bis Mitte Juli einzubringen.
Messergebnisse zeigen erhöhten Fluglärm
Die von Bürgermeister Guido Vierkötter unterzeichnete Stellungnahme hat der Ausschuss für Umwelt, Wirtschaft und Infrastruktur mehrheitlich beschlossen. Dagegen stimmten die drei AfD-Vertreter. Man wolle dem Flughafen als wichtigem Arbeitgeber in der Region „keine zusätzlichen Fesseln anlegen“, sagte ein sachkundiger Bürger. Die etwa 300 bis 400 Beschäftigten aus dem Rhein-Sieg-Kreis müssten ansonsten auf ihre Nachtzuschläge verzichten.
Die Gemeinde verweist auf die Messergebnisse. So hätten sich die nächtlichen Dauerschallpegel an den lautesten Messstellen seit 2002 leicht erhöht – trotz des vom Flughafen selbst formulierten Ziels, den Fluglärm deutlich zu verringern. Auch stiegen die nächtlichen Lärmereignisse von 15.000 im Jahr 2016 auf rund 18.000 im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2025.
Die Belastung der Kommunen durch Nachtfluglärm ist nach wie vor unzumutbar hoch.
Die höheren Gebühren hätten nicht zu einer Verringerung der Nachtflüge geführt, das zeige der starke Anstieg der Passagierflüge. Die Belastung der Kommunen sei „nach wie vor unzumutbar hoch“. Es brauche neue, strengere Regelungen, mit verbindlichen, überprüfbaren Lärmminderungsvorschriften, einer Kernruhezeit für Passagierflüge von 0 bis 5 Uhr und einer genau definierten „signifikanten Lärmminderung“. Die Behörden hätten eine Verringerung von einem Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1997 schon als signifikant eingeordnet.
Als Bürgermeister Neunkirchen-Seelscheids erkenne er die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens an, so Vierkötter, wobei der Flughafen in den vergangenen zehn Jahren von den Gesellschaftern (Stadt Köln, Land und Bund) mit etwa 75 Millionen Euro unterstützt worden sei und keine Dividenden ausgeschüttet habe. Die durchschnittlichen Steuerzahlungen von 3,5 Millionen Euro im Jahr entsprächen gerade mal 0,2 Prozent der Gewerbesteuern der Stadt Köln.
Weniger als 15 bis 20 Prozent der Luftfracht würden in die Region geliefert. Neben der Gesundheitsgefährdung für die betroffenen Bürger habe die „Verlärmung“ auch Auswirkungen auf den Wohn- und Wirtschaftsstandorte, das städtebauliche Entwicklungspotenzial und den Tourismus.
