Haus BröleckSeniorenheim in Ruppichteroth muss wegen Baumängeln schließen

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Unter einem großen Baum auf einem grünen Hügel ist das ehemalige Schullandheim und heutige Seniorenheim zu erkennen: Ein Gebäude aus Natursteinen, weißem Gemäuer und Fachwerk sowie einer breiten Zufahrt an der Seite.

1975 übernahmen die Eltern der jetzigen Betreiberin das ehemalige Schullandheim und bauten es für Senioren um.

Wegen baulicher Mängel muss das Seniorenheim Bröleck schließen, ein Umbau ist nicht realistisch.

Wenn Gabriele Miebach in diesen Tagen durch ihr Seniorenheim Bröleck geht, ist sie oft den Tränen nahe. Sie war 14 Jahre alt, als ihre Eltern 1975 das ehemalige Landschulheim an der Straße Bernauel nach Jünkersfeld kauften und zum Seniorenheim umbauten.

Mitte April ist für die 61-Jährige und ihre 30 Mitarbeiter Schluss. Die Heimaufsicht hat das Haus wegen baulicher Mängel zum 31. Juli geschlossen. Hoffnungen, mit den Bewohnern anderswo unterzukommen, haben sich zerschlagen. Die letzten fünf Bewohner werden schon in den nächsten Tagen wegziehen.

Seniorenheim Bröleck: Die meisten Bewohner leben inzwischen in anderen Einrichtungen

„Wir leben in einer Zeit, die nicht gerade rosig ist. Da müssen wir durch“, versucht sich die 61-jährige Heimleiterin Mut zu machen. Schon in ihrer Jugend hat sie ihre Eltern in dem Brölecker Seniorenheim unterstützt. Später absolvierte sie ihre Ausbildung auch in anderen Einrichtungen, bildete sich für den Pflegedienst und die Einrichtungsleitung fort.

2011 übernahm Miebach das Haus mit 39 Betten in Ein- und Mehrbettzimmern von den Eltern. Wie eine Familie „Wir waren hier wie eine Familie“, erinnert sie sich, als sie durch die leeren Flure geht und auf die Fotocollagen schaut. Ausflüge in die Umgegend sind dort dokumentiert, die Karnevalsfeier von 2019, eine kreative Reise ins „Weltall“.

Eine Frau schaut auf eine Fotocollage an der Wand, mit Bildern von Personal und Bewohnern bei Feierlichkeiten.

Leiterin Gabriele Miebach blickt wehmütig auf gemeinsame Feiern und Ausflüge zurück.

„Der Sommer ist sehr schön hier“, berichtet sie und weist auf das Freigelände rund um das Haus. „Bei uns ist keiner im Bett geblieben.“ Sie berichtet vom Umgang mit dementen Bewohnern. Auch als sie sich mit einem der letzten Verbliebenen unterhält, ist ihr anzumerken, wie schwer der Abschied fällt.

Die meisten Bewohner leben inzwischen in anderen Einrichtungen in der Region. Andere sind zu Kindern nach Berlin, Neuss oder Waldbröl gezogen. Das Ende für das Seniorenheim hatte sich bereits 2018 angedeutet. Wegen Brandschutzmängeln musste die Zahl der Bewohner um neun reduziert werden.

Ruppichteroth fehlt ein Grundstück in zentraler Lage für den Neubau eines Seniorenheims

Weil im Raum stand, dass die gesamte Einrichtung in einen Neubau ziehen könnte, wurde die Frist danach immer wieder verlängert. „Wir haben alle noch gehofft“, erklärt Gabriele Miebach. Jetzt hat sich diese Hoffnung erst einmal zerschlagen.

Miebach hatte nach eigenen Angaben einen Investor an der Hand. „Die erste Idee war ein Umbau unseres Hauses.“ Dann habe sich herausgestellt, dass ein Neubau und ein gemeinsamer Umzug realistischer sei. „Wir haben die Gemeinde eingeschaltet.“ Aber in den vergangenen fünf Jahren seien nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, meint Miebach. So seien Verhandlungen ohne Ergebnis eingestellt worden.

„Wir haben als Gemeinde einfach kein Grundstück in zentraler Lage, wie sich das der Investor wünscht“, weist Bürgermeister Mario Loskill die Vermutung zurück, es sei bislang nicht alles getan worden sei, um eine Ersatzlösung zu finden.

Der Bedarf für eine zweite Einrichtung in Ruppichteroth sei unstrittig. Auch der Investor stehe nach wie vor bereit. „Was uns fehlt, ist ein Grundstück.“ Angesprochene Eigentümer seien nicht bereit gewesen, zu verkaufen, berichtet Loskill. „Vielleicht wird ja jemand aufmerksam, wenn der Fall öffentlich wird“, hofft der Rathauschef.

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