Monumentales KunstwerkBonn lagert 15 Tonnen schweres Mosaik ein

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Das Mosaik „Heiterer Tag am Wasser“ im Bad Godesberger Kurfürstenbad

Das Mosaik „Heiterer Tag am Wasser“ im Bad Godesberger Kurfürstenbad

Die Stadt Bonn will ein Mosaik des Künstlers Paul Magar aus dem früheren Kurfürstenbad bewahren, aber seine Zukunft ist ungewiss. Das Mosaik ist nicht das einzige Kunstwerk aus früheren Bädern, um dessen Erhalt die Stadt ringt.

Es ist 12,50 Meter breit und 2,08 Meter hoch. Und es wiegt 15 Tonnen: Das Mosaik „Heiterer Tag am Wasser“ des aus Altenahr stammenden Künstlers Paul Magar ziert eine Längsseite des 2016 wegen akuter technischer Mängel geschlossenen Kurfürstenbades in Bonn Bad Godesberg. In der Debatte darüber, ob und wie diese schwergewichtige Arbeit des im Jahr 2000 in Bad Godesberg gestorbenen Künstlers erhalten werden kann, hat die Bezirksvertretung des Stadtbezirks jetzt eine Entscheidung gefällt: Das Mosaik wird aus der Wand des Bades herausgeschnitten, in zwei Teile geteilt und dann mit Hilfe eines Mobilkrans aus dem Bad herausgehoben. 

Die Entscheidung drängte jetzt, denn das seit sechs Jahre geschlossene Bad soll Mitte 2023 abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut werden. Auch in dem neuen Bad soll Magars in leuchtenden Farben gestaltetes Mosaik, dass mit seinen geometrischen Formen an den Kubismus erinnert, wieder eine Wand zieren. Vor dem Ausbau soll „Heiterer Tag am Wasser “ fotografisch und zeichnerisch dokumentiert werden. 

Definitiv gerettet ist das monumentale Mosaik damit aber noch nicht. Denn die gesamte Operation – vom Ausbau, über die Einlagerung bis hin zur fachgerechten Restaurierung des Schnittes – steht unter dem Vorbehalt, dass sie bezahlbar bleibt. Im Mai dieses Jahres sollen der Bezirksvertretung dazu Zahlen vorliegen, teilt die Stadt Bonn mit.

300 Kunstharzscheiben auf 30 Metern Länge

Noch deutlich größer und nur an Ort und Stelle erhaltbar ist ein weiteres Kunstwerk, dass ein anderes ehemaliges Bonner Bad ziert: Die gesamte Fensterfassade des Viktoriabades in der Bonner Innenstadt – 30 Meter lang und acht Meter hoch – wird von 300 einzelnen Kunstharzscheiben, die in stilisierter Form eine nordische Geysirlandschaft darstellen, verziert. Abgase, Staub, Farbschmierereien, Sonnenlicht und der Zahn  der Zeit haben die seit 1970 in der Fassade eingehängten 3,5 Millimeter dicken glasfaserverstärkten Polyesterplatten allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Farbenglanz des leuchtenden Blau, Rot und Gelb, in dem die Geysirlandschaft entsteht, ist deutlich ermattet. 

Klar ist, dass die Fassade erhalten werden soll, auch wenn das seit 2010 geschlossene Bad am Belderberg vis a vis vom Universitäts-Hauptgebäude nie wieder als Schwimmbad genutzt werden wird. Geplant, aber noch nicht endgültig beschlossen, ist, dass die Universität Bonn das umgebaute Gebäudes Viktoriabades für eine Art Forum nutzen wird, mit Bibliotheks- und Büroflächen. Die Geysir-Fassade ist seit 2013 ein Baudenkmal und damit ist neben der Stadt Bonn auch das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland mit im Boot bei der Frage, wie es mit der farbenfrohen Wandgestaltung weitergeht.

Das Amt hat im Sommer vergangenen Jahres das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg gewonnen, um die Frage zu klären, ob und wie die Kunstharzplatten restauriert werden können. Denn einfach putzen, abschleifen und mit Klarlack streichen ist keine Lösung.

Im März 2023 sollen die Kunststoff-Forscher aus Würzburg die Ergebnisse ihrer Machbarkeitsstudie vorlegen, für die sie drei der Elemente mit nach Franken genommen haben. Am Ende dürfte auch hier unter anderem die Kostenfrage darüber entscheiden, ob die Kunst am Bad eine Zukunft hat. 

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