Hanfplantage in KönigswinterLandgericht Bonn verurteilt Drogenanbauer zu Haftstrafen

Hanfpflanze (Symbolbild)
Copyright: Oliver Berg/dpa
Bonn/Königswinter – Das Landgericht Bonn hat am Dienstag zwei junge Männer wegen des Betriebs einer Cannabisplantage sowie Drogenhandels zu viereinhalb beziehungsweise drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. „Das war schon eine ziemliche Hausnummer“, hieß es in der Urteilsbegründung: Immerhin fast 30 Kilogramm Cannabis mit einen Schwarzmarktwert von 80.000 Euro hatten die beiden 28 und 29 Jahre alten Männer in einem Haus im abgelegenen Königswinterer Stadtteil Bockeroth, verteilt auf vier Räume angebaut.
Allerdings waren die Drogen nicht alle in den Handel gekommen: Bei einer Razzia am 19. November 2020 hatte die Polizei 600 Stecklinge in verschiedenen Wachstumsphasen sowie 800 Gramm bereits geerntetes Marihuana beschlagnahmt.
Cannabisplantage in Königswinter bis ins Detail durchgeplant
Als die beiden Angeklagten auf das Urteil warteten, wirkten sie wie beste Freunde: Gemeinsam hatten sie im Jahr 2018 die Cannabisplantage geplant. Am Anfang stand – angeblich fast ein Jahr, bevor es richtig losging – die Immobilie fest: Ein alter Bau im Bergdorf Bockeroth. 25.000 Euro hatten sie in das gemietete Anwesen investiert, das sie professionell umbauten, wobei sie die Elektrik komplett austauschten. Auch an das Anzapfen einer fremden Stromleitung hatten die beiden Männer gedacht, denn ein ungewöhnlich hoher Energieverbrauch eines Haushalts hat bereits öfter den illegalen Cannabisanbau auffliegen lassen.
Das könnte Sie auch interessieren:
In der Verhandlung vor dem Landgericht wurde deutlich, dass finanzielle Probleme die Freunde auf die Plantagen-Idee gebracht hatten. Sie hofften, das „schnelle große Geld“ zu machen, wie sie gestanden hatten. Der Initiator für den illegalen Plan soll der Jüngere gewesen sein. Der gelernte Bankkaufmann war bei einem Versuch, sich selbstständig zu machen, finanziell in Bedrängnis geraten und hatte 80.000 Euro Schulden.
Ins Boot nahm er seinen alten Freund, der als Zerspanungstechniker fürs Handwerkliche und für die Pflanzen zuständig sein sollte. „Aber das Ganze“, so der Ex-Banker reumütig im Prozess, „war ein großer Irrtum; ein untauglicher Weg, schnell Geld zu verdienen.“
Interpol leitete Handy-Unterhaltungen an deutsche Ermittler weiter
Aufgeflogen war die Plantage, weil ihre scheinbar so gute Tarnung platzte. Ausgestattet mit verschlüsselten sowie ortungssicheren Handys fühlten sich die jungen Cannabis-Bauern so sicher, dass sie offen über ihr illegales Projekt chatteten. Interpol jedoch nahm den europäischen Anbieter der präparierten Handys hoch und leitete einen großen Datensatz nach Deutschland weiter, darunter die Chats des Duos.
Drogenfahnder observierten die Angeklagten daraufhin monatelang. GPS-Tracker führten die Bonner Ermittler zur abgelegenen Plantage – bis es schließlich mit Hilfe eines Spezialeinsatzkommandos zur Razzia in Bockeroth kam.



