„Ticketautomat kein Ersatz“DB Reisezentrum in Bonn-Beuel schließt – OB Dörner kritisiert Entscheidung

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Ein Aushang weist auf die baldige Schließung des Reisezentrums am Bahnhof Beuel hin.

Die Deutsche Bahn schließt das Reisezentrum am Bahnhof Bonn-Beuel.

Die Schließung hat laut DB zwei wesentliche Gründe: den Trend zum digitalen Ticket-Kauf und Wirtschaftlichkeit.

Reisende, die am Bahnhof in Bonn-Beuel unterwegs sind, können bald nur noch online oder am Automaten Fahrkarten kaufen. Das Reisezentrum am Bahnhof wird Ende Juni endgültig geschlossen, teilt die Deutsche Bahn (DB) über einen Aushang am Eingang mit.

„Am 30.06.2024 schließt unser Reisezentrum dauerhaft“, heißt es auf dem Aushang, der seit kurzem an der Eingangstür hängt. Damit können Fahrscheine, Reservierungen und Fahrplaninformationen nur noch an Automaten oder online über die DB-App und auf bahn.de abgerufen und erworben werden.

Reisezentren in Beuel und Leverkusen werden Ende Juni geschlossen

In ihren Reisezentren bietet die Bahn verschiedene Service-Leistungen an. Hier erhalten Reisende und Pendler persönliche Beratung über Fahrkarten und Reservierungen. Außerdem können Gäste Tickets, Zeitkarten und DB Monatskarten sowie BahnCards kaufen. 

Allerdings ist das Reisezentrum in Bonn-Beuel nicht das Einzige in der Region, das bald endgültig schließt. Auch in Leverkusen-Mitte weist ein Aushang darauf hin, dass das DB Reisezentrum ab Ende Juni geschlossen ist. 

Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte ein Sprecher der Bahn, dass das Unternehmen bedauere, die Reisezentren nicht weiter betreiben zu können. Die zwei wesentlichen Gründe dafür seien wirtschaftliche Tragfähigkeit und der anhaltende Trend zum Ticketkauf via Digitalangeboten.

Bonn-Beuel: Trend geht vermehrt zum digitalen Ticket-Kauf

„Go.Rheinland, der Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in der Region Köln/Bonn/Aachen, hatte die Deutsche Bahn bis Juni 2024 mit dem personenbedienten Verkauf im Nahverkehr beauftragt“, teilt der Sprecher mit. Die Beauftragung sei ausgelaufen. Zudem führe der Online-Kauf von Tickets dazu, dass „immer weniger Kund:innen das Reisezentrum für den Fahrscheinkauf oder Auskünfte in Anspruch genommen haben. Auch weitere Serviceleistungen, wie z.B. Fahrgastrechte geltend machen, erledigen Fahrgäste zunehmend digital.“

„Fahrgäste, die in Leverkusen Mitte oder Bonn-Beuel in den Zug einsteigen und nicht bereits digitale Tickets nutzen oder mit einem Abo unterwegs sind, haben weiterhin die Möglichkeit, ihre Fahrkarten an den Ticketautomaten an den Bahnsteigen zu kaufen“, betont der DB-Sprecher. Zudem gebe es weiterhin DB-Reisezentren in der Umgebung. „Die nächstgelegenen personenbesetzten Verkaufsstellen für Leverkusen liegen in Köln Mülheim und Köln-Deutz. Für Bonn-Beuel sind die nächsten Verkaufsstellen in Bonn Hbf und Bonn-Bad Godesberg. “

Gebäude soll weiter genutzt werden – Gespräche laufen

Wie das Empfangsgebäude am Beueler Bahnhof weiter genutzt werde, sei noch nicht klar, so der Sprecher. Die Stadt Bonn und die Deutsche Bahn stünden im Austausch miteinander, um das Gebäude für eine Nutzung wiederherzustellen. „Inzwischen gibt es Mietinteressenten aus der Kulturszene.“

In einer Mitteilung äußert sich jetzt auch Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner zu der Schließung des Beueler Reisezentrums. Nachdem die DB am 11. Juni über die Schließung des Reisezentrums informiert hatte, schrieb tags darauf Dörner einen Brief an Werner Lübberink, Konzernbevollmächtigter der DB für NRW, in dem sie sich für den Erhalt des Reisezentrums aussprach und darum bat, die Entscheidung zu überdenken.

Oberbürgermeisterin Katja Dörner: „Weitere deutliche Verschlechterung für Beuel“

Sie kritisiert insgesamt die Situation am Bahnhof Beuel: Es herrsche mangelnde Barrierefreiheit, es gebe keinen ICE-Halt und nun werde das Reisezentrum geschlossen. Das sei eine „weitere deutliche Verschlechterung“.

Immer noch würden immerhin 20 Prozent der Fernverkehrstickets nicht digital gekauft, so Dörner. Ein Ticketautomat sei kein adäquater Ersatz für weniger digital-affine Menschen. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Bahn habe seit langem über das Auslaufen der Beauftragung durch Go.Rheinland gewusst, aber nicht frühzeitig eine Verlängerung ermöglicht und die Stadt Bonn nur kurzfristig über die Situation informiert.

Ob demnächst weitere DB-Reisezentren an Bahnhöfen in der Region dauerhaft geschlossen werden, konnte der DB-Sprecher nicht beantworten. Dazu könne man derzeit keine Aussage machen, da dies unter anderem abhängig davon sei, inwieweit die DB weiterhin mit dem Verkauf von Fahrkarten für den Nahverkehr durch Go.Rheinland beauftragt wird.

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