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LaichwanderungWanderbereitschaft niedrig: Nicht einen Lachs in der Sieg gesichtet

Niedrige Pegel und fehlende Anstiege halten die Tiere zurück, doch die Saison ist nicht verloren: Expertinnen und Experten hoffen auf Regen.

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Für Lachse ist Niedrigwasser insbesondere während der Laichwanderung problematisch.

Normalerweise kehren zwischen September und November die Lachse aus dem Meer in den Rhein zurück und wandern von dort in die Nebenflüsse zu ihren Laichgebieten. In diesem Jahr erschweren niedrige Wasserstände die Rückkehr, und auch in der Region ist das spürbar. Laut Armin Nemitz, Biologe beim Rheinischen Fischereiverband, wurde im September an den Zählstationen entlang der Sieg kein einziger Lachs gesichtet.

Niedrigwasser erschwert die Laichwanderung

„Für Lachse ist Niedrigwasser insbesondere während der Laichwanderung im Herbst problematisch“, sagt Susanne Blersch, Pressesprecherin des Landesamts für Verbraucherschutz und Ernährung NRW (LAVE). Zum Landesamt gehört das Zentrum für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur (ZAFFA) in Albaum. Bei zu geringer Wasserführung könnten flache Abschnitte die Wanderung nicht nur erschweren, sondern auch zeitweise verhindern. Gleichzeitig stünden den Tieren weniger geeignete Lebens- und Rückzugsräume zur Verfügung.

Entscheidend für den Beginn des Aufstiegs ist laut Nemitz ein steigender Wasserstand, der den Fischen signalisiert, dass die Bedingungen günstig sind. „Die Lachse und andere Wanderfische brauchen höhere Abflüsse, also steigende Wassermengen, als Signal, damit sie instinktiv den Weg flussaufwärts antreten. Dieser Trigger fehlt bisher.“ Bleibe der Anstieg aus, laichten die Tiere an suboptimalen Stellen ab.

Einen allgemeingültigen Pegelstand gibt es nicht. Entscheidend sei ein relativer Anstieg gegenüber der aktuellen Lage: „Das können unter Umständen schon wenige Zentimeter sein“, sagt Nemitz. Als Orientierung nennt er für den Pegel Siegburg-Kaldauen, der derzeit bei rund 40 Zentimetern liegt, einen idealen Bereich von 60 bis 90 Zentimetern.

Hitze verschärft die Lage zusätzlich

Hinzu kommt die Hitze. Hohe Wassertemperaturen könnten die Aktivität und Wanderbereitschaft der Fische einschränken und physiologischen Stress auslösen, so Blersch. Steige die Temperatur auf über 22 Grad Celsius, komme die Wanderung laut Nemitz zum Erliegen. Besonders ungünstig sei das Zusammentreffen von hohen Temperaturen und niedrigen Abflüssen: „Das Wasser kann sich stärker erwärmen und geeignete Rückzugsräume mit ausreichend kühlem, sauerstoffreichem Wasser können knapper werden“, so Blersch.

Ein Lachs an der Siegwehr

Kehren die Lachse nicht zurück, gerät auch das Wiederansiedlungsprogramm in NRW ins Stocken. „Niedrige Wasserstände können die Möglichkeiten zur Gewinnung von Elterntieren für die Nachzucht beeinträchtigen, sofern die hierfür vorgesehenen Fang- und Monitoringmaßnahmen nicht wie geplant durchgeführt werden können“, erklärt Blersch.

Erste Hoffnungsschimmer

Die Bestandszahlen zeigen, wie viel auf dem Spiel steht. Am Siegwehr in Sankt Augustin-Buisdorf wurden im Schnitt rund 250 Lachse pro Jahr gezählt, in guten Jahren bis zu 450. „In den vergangenen Jahren haben wir aber teils weniger als 100 Lachse gezählt. Das deutet darauf hin, dass die Bestände abgenommen haben“, sagt Nemitz.

Immerhin gibt es erste Hoffnungsschimmer. „Es lässt hoffen, dass aktuell erste Lachse am Siegwehr Buisdorf gesichtet wurden“, so Blersch. Sie hätten trotz des niedrigen Wasserstands eine kleine Abflussspitze der vergangenen Tage für ihre Wanderung genutzt (Stand 9. Oktober).

Neben dem Klimawandel setzen auch menschengemachte Faktoren der Lachspopulation zu. „Wasserkraftanlagen können bei der Abwanderung zu Verletzungen oder Verlusten führen, wenn geeignete Schutz- und Abstiegseinrichtungen fehlen oder nicht ausreichend wirksam sind“, erklärt Blersch. Hinzu kommen Querbauwerke, unzureichende Fischaufstiegsanlagen und Feinsedimente, die die Sauerstoffversorgung der Eier verschlechtern. Nemitz nennt zudem „genetische Veränderungen durch zum Beispiel Farmlachse“ als Risiko.

Langfristig müssen die Gewässer nach Angaben des LAVE widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit werden. Gewässerrandstreifen könnten helfen, Feinsedimente und Nährstoffe zu verringern. Künstliche Nachzucht könne Bestandsstützungsprogramme ergänzen, ersetze aber nicht die natürlichen Lebensbedingungen. Noch ist die Saison nicht verloren. „Die Hauptmonate für die Lachswanderung an der Sieg und ihren Nebenflüssen sind Oktober und November. Wir brauchen jetzt dringend viel Regen, damit die Pegel wieder ansteigen“, sagt Nemitz. (tis)