Abo

BröltalbahnDas Tal hinauf geschnauft

3 min

Nur wer es weiß, erkennt das ehemalige Dienstgebäude in Hennef-Bröl.

Rhein-Sieg-Kreis – Die Zahl 78,5 soll vor gerade einmal drei Generationen im Bröltal jedes Schulkind gekannt haben. Darauf hätten Lehrer großen Wert gelegt, heißt es. Schließlich durchzogen Gleise in genau diesem Abstand – zweieinhalb englische Fuß – das Tal von Hennef bis ins oberbergische Waldbröl. Das legendäre Brölbähnchen, verband die Steinbrüche und Gruben rund um Ruppichteroth mit dem übrigen damaligen Sieg-Kreis und über Beuel und den Rhein sogar mit dem Rest der Welt. Seit März 1954 also seit genau 60 Jahre ist die Bröltralbahn Geschichte. Damals fuhr der letzte Zug das Tal hinab, Gleise und Trasse wichen dem Ausbau der Bundesstraße 478.

Den Ausschlag für den Bau einer zunächst von Pferden gezogenen Schmalspurbahn hätten unter anderem Eisenerzgruben im Saurenbachtal westlich des Hauptortes Ruppichteroth gegeben, berichtet Hans-Peter Hohn im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises für 2014. Erze kostengünstig ins Eisenhüttenwerk in Troisdorf zu bringen, sei eine Aufgabe der neuen Bahn gewesen, auf die die Anrainerkommunen mächtig stolz waren. So wurde Ende Mai 1862 in Ruppichteroth gefeiert. Knapp ein Jahr später schnaufte die erste Dampflok das Tal hinauf. Damit war die Bröltalbahn Deutschlands älteste dampfbetriebene Schmalspurbahn. Ihre Schienen verliefen kostengünstig auf und unmittelbar neben der Provinzialstraße, der heutigen Bundesstraße 478.

Im September 1870 erreichte sie ihren nordöstlichsten Endpunkt, Waldbröl. Bis 1902 wurde das Netz der schmalspurigen „Rhein-Sieg“ von Hennef aus ständig erweitert, bis Beuel am Rhein, Rostingen und Asbach im Westerwald. In Hennef und Siegburg gab es Übergabepunkte zur Staatsbahn. Alte Bilder belegen, dass normalspurige Waggons auf Rollböcken bis ins Bröltal gezogen wurden.

Die Personenbeförderung nahm die Bröltalbahn 1871 auf, zunächst bis Ruppichteroth, ein Jahr später auf der ganzen Strecke. Zwei Stunden 20 Minuten benötigten die Dampfrösser bergauf, zehn Minuten weniger talabwärts, berichtet Hohn im Jahrbuch. Zu den berühmtesten Passagieren soll der englische Autor D. H. Lawrence gewesen sein. In Waldbröl habe er sich zu seinem Roman Lady Chatterley inspirieren lassen, heißt es.

Das Ende der Stammstrecke der Bröltalbahn läutete schließlich die erstarkende Konkurrenz auf der Straße ein. Da erwies sich ausgerechnet die preiswerte Lösung beim Bau, nämlich der Verzicht auf eine eigene Trasse als verhängnisvoll. Im Frühjahr 1953 fuhr die Bahn zum letzten Mal bis Waldbröl. Ab März 1954 wurden die Gleise durch das Bröltal stillgelegt und später abgebaut. Mit dem Ausbau der Bröltalstraße (B 478) verschwand die Trasse bis auf wenige Teile, die nur Kenner entdecken, völlig.

image

Ein äußerst flach ansteigender, kaum kurviger Feldweg im Saurenbachtal ist laut Hans-Peter Hohn der letzte erhaltene Teil der alten Trasse. Geblieben sind bis heute stumme Zeugen des immerhin 80 Jahre währenden Betriebes des Brölbähnchens: Güterschuppen und Bahnhofsgebäude, wie jenes Haus am Ortsausgang von Hennef-Bröl, oder das in Bröleck, die ihre Vergangenheit dem Betrachter auch nur beim zweiten Blick preis geben.

Zeugnisse der „Rhein-Sieg“, der „Brölthaler Eisenbahn“ gibt es heute noch beim Nachfolgebetrieb, „Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft“ in Troisdorf und im Bröltalbahn Museum Asbach. In Ruppichteroth erinnert zudem ein Denkmal an den Bahnanschluss.

www.mueseum-asbach.de