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Rhein-Sieg-KreisEinige Kommunen melden deutlich mehr Befall durch Eichenprozessionsspinner

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Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest an einem Baum in der Gemeinde Wachtberg

Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest an einem Baum in der Gemeinde Wachtberg

Einige Kommunen melden einen deutlichen Anstieg, andere geben Entwarnung. Ein Überblick über die Situation im Rhein-Sieg-Kreis.

In den Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises ist der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr wieder ein Thema. Während  aber einige Kommunen von einem deutlich stärkeren Befall als im Vorjahr berichten, bleibt die Lage andernorts weitgehend unverändert. Vor allem an Schulen, Kindertagesstätten, Spielplätzen und Sportanlagen werden derzeit Maßnahmen ergriffen, um Gesundheitsgefahren durch die Brennhaare der Raupen zu minimieren.

Dr. Manuela Gianetti vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warnt davor, einfach jedes Nest des Eichenprozessspinners zu entfernen. „Die Insekten sind ein Teil unseres Ökosystems und haben ihre Berechtigung zum Leben und sich fortzupflanzen “, so die Biologin. Der heimische Nachtfalter fliege von Ende Juli bis Anfang September und sei harmlos. Er sei zum Beispiel für Fledermäuse und Vögel eine gute Nahrungsquelle.

Ein Schild „Achtung Eichenprozessionsspinner“ hängt am Baum in der Gemeinde Wachtberg.

Ein Schild "Vorsicht Eichenprozessionsspinner" hängt am Baum in der Gemeinde Wachtberg.

Seine Raupen tragen allerdings giftige Brennhaare, die bei Kontakt starke Hautausschläge und Atemnot auslösen können. Deshalb sollten Raupennester an Stellen, die Menschen oft frequentieren, entfernt oder mit einem Flatterband abgesperrt werden. „Im Wald können sie jedoch belassen werden, da Menschen dort auf den Wegen bleiben sollen“, so Gianetti.

Nur wenige Vogelarten dienen die Raupen als Nahrung

Die Raupen werden nur von wenigen Vogelarten gefressen. Der Wiedehopf oder der Kuckuck schätzen sie. Die Raupen können ihm mit ihrem Gift nicht schaden, da er die Fähigkeit besitzt, seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Brennhaaren herauszuwürgen. Räuberische Käfer machen auch Jagd auf die Raupen. 

Dass in diesem Jahr die Population der Eichenprozessionsspinner so stark ist, führt Manuela Gianetti darauf zurück, dass die Eisheiligen Anfang Mai nicht so ausgeprägt waren. Dadurch konnten mehr Raupen überleben, die im April oder Mai aus den im vorigen Jahr gelegten Eiern geschlüpft waren.

Außergewöhnlich starker Befall in Sankt Augustin

In Sankt Augustin fällt der Befall in diesem Jahr nach Angaben der Stadt außergewöhnlich stark aus. Aufgrund der Vielzahl betroffener Bäume sei eine flächendeckende Bekämpfung inzwischen nicht mehr möglich.

Die Stadt setzt deshalb auf ein abgestuftes Vorgehen. Vorrang haben Bereiche wie Schulen, Kitas, Spielplätze, Sportanlagen, Friedhöfe und viel genutzte Wege. Dort werden Bäume abgesperrt, mit Warnhinweisen versehen und – soweit möglich – mechanisch von Fachfirmen oder städtischen Mitarbeitenden behandelt. Weniger stark frequentierte Bereiche wie Waldwege werden hingegen lediglich gekennzeichnet oder abgesperrt.

Deutlich mehr Meldungen in Bornheim

Ähnlich sieht es in Bornheim aus. Dort ist die Zahl der Meldungen zum Eichenprozessionsspinner im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. Bei der Bekämpfung haben Bereiche Vorrang, in denen sich viele Menschen aufhalten. Ist eine sofortige Entfernung der Nester nicht möglich, werden die betroffenen Bereiche vorübergehend abgesperrt.

Much meldet mehr Nester

Auch Much verzeichnet in diesem Jahr einen Anstieg des Befalls. Nach Angaben der Gemeinde liegt dieser etwa 40 Prozent über dem Vorjahr. Als mögliche Ursache nennt die Verwaltung den länger andauernden Zeitraum der Eisheiligen.

Nach Angaben aus dem Rathaus werden auch in Much Nester vor allem dort entfernt, wo viele Menschen unterwegs sind. Zusätzlich kontrolliert das gemeinsame Kommunalunternehmen Much–Neunkirchen-Seelscheid regelmäßig die Bäume entlang öffentlicher Straßen und Wege. Entdeckte Nester werden anschließend ebenfalls entfernt.

Befall nimmt auch in Wachtberg zu

Mehr Einsätze als im vergangenen Jahr verzeichnet derzeit die Gemeinde Wachtberg. Nach Angaben der Verwaltung werden spürbar mehr Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt und beseitigt. Im Blick habe man vor allem Schulen, Kindertagesstätten, Spielplätze, Grünanlagen sowie Straßen und Wege. Werden dort Nester gefunden oder gemeldet, werden die betroffenen Bereiche zunächst mit Warnhinweisen versehen. Auch in Wachtberg wird die Entfernung der Nester von Fachfirmen übernommen.

Stadt Niederkassel warnt vor Gesundheitsgefahren

An mehreren Stellen im Stadtgebiet wurden in den vergangenen Wochen Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt. Bekannte Nester an städtischen Bäumen werden durch Fachfirmen entfernt, wobei Schulen, Kitas und Spielplätze bevorzugt behandelt werden.

Die Stadt ruft dazu auf, befallene Bäume zu meiden und Raupen oder ihre Nester nicht zu berühren. Funde an öffentlichen Bäumen können dem Tiefbauamt gemeldet werden. Auf Privatgrundstücken seien die jeweiligen Eigentümer für die Beseitigung verantwortlich.

Stadt Hennef setzt auf schnelle Reaktion

Nach Einschätzung der Stadt Hennef ist die Population des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr zwar wieder größer als in den beiden Vorjahren, von einer außergewöhnlichen Ausbreitung könne jedoch keine Rede sein. Die Verwaltung verweist auf natürliche, wetterabhängige Schwankungen der Population. 

Vorrang haben auch in Hennef Schulen, Kindergärten und Spielplätze. Werden dort Nester gemeldet, werden sie in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden entfernt. Anders als in manchen anderen Kommunen gibt es laut Stadt bislang keine Wartezeiten bei der Beseitigung. Möglich sei das durch den Einsatz des städtischen Baubetriebshofs und die Zusammenarbeit mit regionalen Fachbetrieben. Zusätzlich informiert die Stadt regelmäßig über Pressemitteilungen, soziale Medien und ihre Internetseite über den richtigen Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner.

Siegburg sieht Lage unter Kontrolle

Auch in Siegburg ist die Zahl der Nester in diesem Jahr gestiegen. Nach Angaben der Stadt fallen sie zudem deutlich größer aus als in den vergangenen Jahren. Betroffen sind vor allem bereits bekannte Standorte sowie Eichen an besonders sonnigen und heißen Standorten.

Mehrere Tage lang waren beauftragte Fachfirmen im Einsatz, um Raupen, Gespinste und Brennhaare mit Industriestaubsaugern zu entfernen und fachgerecht zu entsorgen. Im Wald greift die Stadt dagegen nicht ein, da der Eichenprozessionsspinner dort als „waldtypische Gefahr“ gilt. Insgesamt stuft die Stadt die Situation laut Sprecher Jan Gerull als unter Kontrolle ein, regelmäßige Nachkontrollen seien jedoch weiterhin erforderlich.

Bad Honnef behandelte Eichen frühzeitig

In Bad Honnef wurden bereits im späten Frühjahr rund 600 Eichen vorbeugend mit einem Biozid auf Bacillus-Basis behandelt. Nach Angaben der Stadt fiel der Befall in den behandelten Bereichen dadurch geringer aus.

Dennoch mussten mehrere Nester auch in Bad Honnef beseitigt werden. Die Entfernung übernahmen der städtische Bau- und Betriebshof sowie beauftragte Fachfirmen. Während sensible Bereiche zügig bearbeitet wurden, betrug die Wartezeit in anderen Bereichen drei bis fünf Tage. 

Königswinter setzt auf schnelle Kontrolle

Vergleichsweise entspannt ist die Lage derzeit in Königswinter. Nach Angaben der Stadt gibt es keinen auffällig hohen Befall. Gehen Hinweise aus der Bevölkerung ein, werden diese noch am selben Tag überprüft. Je nach Befallsstärke sperrt die Stadt die betroffenen Bereiche ab. Die Nester werden in der Regel spätestens am folgenden Tag entfernt.

In Swisttal ist keine deutliche Verschärfung zu erkennen

Während andere Kommunen von steigenden Zahlen berichten, hat Swisttal bislang keinen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Betroffen sind vor allem bekannte Standorte, an denen der Eichenprozessionsspinner bereits in den vergangenen Jahren aufgetreten ist. Dazu zählen insbesondere die waldnahen Ortsteile Heimerzheim, Buschhoven und Morenhoven.

Die Gemeinde kontrolliert diese Bereiche regelmäßig. An Schulhöfen, Sportplätzen und anderen sensiblen Orten werden Nester durch Fachfirmen entfernt. Zusätzlich werden Warnschilder aufgestellt und Bereiche bei Bedarf abgesperrt.