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Durchwachsene Bilanz für die WälderDer Zustand unserer Wälder im Rhein-Sieg-Kreis

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Der Zustand der Wälder könnte besser sein.

Der Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft berichtet über den Zustand der Wälder in unserer Region – und nennt auch gute Nachrichten.

Die Nächte werden wieder länger und kühler. Morgens liegt Tau auf den Wiesen und Nebel über den heimischen Wäldern. Mit den Herbstmonaten lässt auch langsam die Anspannung bei den Forstämtern in Nordrhein-Westfalen nach, denn die Vegetation trocknet nun nicht mehr so schnell aus, berichtet Forstamtsleiter Franz van Elsbergen vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft.

„Entwarnung gibt es aber erst, wenn es mehrere Tage am Stück ordentlich geregnet hat. Denn für die Waldbrandgefahr sind vor allem die Feuchte von Vegetation und Boden, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und die Niederschlagsentwicklung entscheidend", erläutert er im Gespräch mit der Redaktion.

Auch im Herbst könne trockenes Laub die Ausbreitung eines Feuers begünstigen. Allerdings sei die Waldbrandgefahr im Frühjahr noch beträchtlich höher, bevor das neue Grün komme und die abgestorbene Bodenvegetation trocken sei, so der Experte. Im August dieses Jahres kam es in der Region zu mehreren Waldbränden: In Bergheim an der Glessener Höhe im Rhein-Erft-Kreis brannten rund acht Hektar Wald- und Wiesenfläche, im Kottenforst bei Buschhoven brannten 18 Hektar, davon 5,4 Hektar Wald, und im Hürtgenwald kam es mit rund 300 Hektar zum größten Waldbrand in der Geschichte des Landes, wie der Forstamtsleiter erklärt. „Als dann noch auf der anderen Seite der Rauch aus dem Hohen Venn aufstieg, wurde einem schon anders. Das vergisst man nicht so schnell."

Zustand der Wälder in der Region insgesamt durchwachsen

Insgesamt sei der Zustand der Wälder in der Region laut dem Experten durchwachsen. Der extrem heiße und trockene Sommer zeige seine Folgen vor allem bei den älteren Laubbäumen. Temperaturen von weit über 30 Grad und ein Föhnwind hätten den Wald stark ausgetrocknet. Die Regenspeicher in den Böden seien vielerorts vollständig aufgebraucht. Da konnten auch die Niederschläge der letzten Wochen kaum helfen und nur die obersten Zentimeter wieder auffüllen, berichtet van Elsbergen. „Was wir brauchen, ist langer und ergiebiger Landregen und ein nasser Winter."

Die Laubwälder der Ville mit viel Eiche und Buche, dazu die Rekultivierungswälder auf den ehemaligen Tagebauflächen – dies seien vergleichsweise junge Wälder auf aufgeschütteten Böden. Die Fichte spiele hier kaum eine Rolle, dafür mache linksrheinisch der Eichenprachtkäfer mehr Sorgen, so der Forstamtsleiter. Hinzu komme, dass Teile der Region im Regenschatten der Eifel liegen und deshalb vergleichsweise trocken seien. Das setze die Eichen zusätzlich unter Stress und begünstige darüber hinaus auch den Eichenprachtkäfer als Sekundärschädling.

Das größte Sorgenkind sei die Buche, erklärt van Elsbergen. Im Kottenforst und in der Ville sehe er bereits jetzt geschwächte Baumkronen und Lücken im Bestand, obwohl dort seit Jahrzehnten ohne Kahlschlag gewirtschaftet werde. Alte Buchen zeigten Symptome des vorzeitigen Absterbens, auch auf Standorten, die eigentlich für Buchen als gut geeignet gelten.

Wiederbewaldung und Pflege junger Bäume laufe auf Hochtouren

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern, die vor allem bei Fichten zu extremen Schäden und zum Absterben großer Waldflächen führt, ist laut dem Experten vorbei. Die Wiederbewaldung und die Pflege der jungen Bäume laufe seitdem auf Hochtouren. „Allein im Einzugsgebiet des Forstamtes haben wir in den Jahren 2018 bis 2022 aber mindestens rund 6.600 Hektar Fichtenwald verloren, und diese Flächen müssen jetzt zu einem stabilen und resilienten Mischwald werden."

Das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft umfasst insgesamt 28 Forstbetriebsbezirke. „Damit unsere Wälder in Zukunft länger Wasser halten können, im Sommer, aber auch bei Starkregenereignissen, haben wir in gemeinsamen Projekten alte Entwässerungsgräben verschlossen und leiten Wasser in die Waldbestände hinein“, erklärt der Forstamtsleiter.

Der Waldbrandschutz wird weiter verbessert

Auch das Thema Waldbrandschutz wird überarbeitet. Der Landesbetrieb Wald und Holz verfüge inzwischen über geländegängige Fire-Fighter-Löschfahrzeuge, über speziell ausgebildete Kräfte für Vegetationsbrände sowie über eigene Waldbrandkonzepte im Forstamt. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW verfügt der Landesbetrieb landesweit über zwei solcher Fahrzeuge: Das erste ist seit rund 2023 im Arnsberger Wald im Sauerland stationiert, das zweite wurde am 17. Juli 2026 im Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde in Düren in Dienst gestellt.

Damit sind die beiden größten zusammenhängenden Waldgebiete des Landes schneller erreichbar. Speziell ausgebildete Forstleute von Wald und Holz NRW unterstützen im Einsatz die örtlichen Feuerwehren; die Fahrzeuge können landesweit angefordert werden und sind auch für grenzüberschreitende Einsätze vorgesehen – zuletzt kamen sie auch bei den großen Bränden im Hürtgenwald und im belgischen Hohen Venn zum Einsatz.

Ergänzend beschafft das Innenministerium acht neue Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge mit je 3.000 Litern Fassungsvermögen für die kommunalen Feuerwehren; das erste wurde am 1. September 2026 an die Feuerwehr Bonn übergeben.

Was van Elsbergen indes Sorge bereitet: Das Klima verändere sich schneller als der Wald mitkommt.„Die Witterungsextreme treten in immer kürzeren Abständen auf: Stürme, Dürre, Käfer, Hochwasser und jetzt Waldbrände." Hoffnungslos ist er aber nicht: „Mich fasziniert immer wieder, wie gut sich die Natur selbst reparieren kann. Aber vom Nichtstun wird es nicht besser, wir dürfen jetzt bloß nicht die Hände in den Schoß legen.“ (mit rag)