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Spannend und geheimnisvollEitorfer Kunstinitiative bringt Wolfgeschichte als Heftroman heraus

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Wolfsgroschenroman der Kunstinitiative im Heimatverein Eitorf. "Auf der Pirsch" von Heike Schmidt-Wilhelmi

Kunst im Groschenroman: „Auf der Pirsch“ von Heike Schmidt-Wilhelmi

Autor und Kunstinitiative-Mitglied Veit Beck hat eine Wolfsgeschichte geschrieben, die mit Kunstwerken bebildert als Heftroman erscheint.

„Und wer nah genug ist, wer die Ohren spitzt, der kann sie hören, die traurige Melodie, die hinunterschwebt ins Tal, durch das sich der Fluss schlängelt. Die Melodie trägt ein Lied, das uns erzählt, warum den Wölfen zum Heulen ist. Hier in dieser Gegend.“ Derart geheimnisvoll geht es oft zu im Kurzroman „Eine ungeheuerliche Geschichte aus einem kleinen Dorf und einem nahen Wald“. Schnell kristallisieren sich die Schauplätze heraus mit der Sieg und dem Krabachtal, in dem auch der Wolf eine entscheidende Rolle spielt. Was freilich, ungewollt oder nicht, durchaus Bezug zu heutigen Aufeinandertreffen von Mensch und Isegrim in unserer Region hat.

Leichte Kost für kleines Geld: Das Projekt ähnelt den Groschenromanen von Früher

Neue Wege geht die „Kunstinitiative im Heimatverein Eitorf“ mit der Herausgabe des DIN A5 großen Heftes. Autor und Kunstinitiative-Mitglied Veit Beck hat Talent im Schreiben von Geschichten verschiedener Couleur, während seine Kolleginnen und Kollegen sich nicht minder begabt mit bildender Kunst vielerlei Art auseinandersetzen. Davon profitieren Beck, die Kunstschaffenden und die Leser. Jedenfalls erhielt Veits Erzählung mit 13 zu den jeweiligen Szenen assoziierenden Bildern unterschiedlicher Techniken einen hochwertigen Feinschliff - was allemal doppelte Freude beim Lesen macht.

Wolfsgroschenroman der Kunstinitiative im Heimatverein Eitorf. Gruppenbild rechts Veit Beck, 2.v.r. Alwin Müller

Alle am Heftroman beteiligten Künstlerinnen und Künstler.

In einer kleinen Feierstunde im Atelier von Dasha Riezanova präsentierte die Kunstinitiative erstmals das Heft, dessen Ähnlichkeit mit den Groschenromanen von früher durchaus gewollt ist. Alwin Müller, Vorsitzender des Heimatvereins, sah auch im Entstehen der Lektüre eine „eine ungeheuerliche Geschichte.“ So habe sich aus einer künstlerischen Inspiration, dem Bild einer Kollegin, ein modernes Märchen entwickelt.

Bewusst sei man neue Wege gegangen, so Müller. Man habe zum Motto „Große Kunst zum kleinen Preis“ die regionale Kunst „in einem traditionellen, für den Inhalt jedoch eher ungewöhnlichen Format zugänglich machen wollen.“ Es sei mehr als ein Experiment, so der Vorsitzende weiter: „Es bietet Raum für Fortsetzungen und kann als Blaupause für ähnliche Vorhaben dienen.“

Wolfsgroschenroman der Kunstinitiative im Heimatverein Eitorf. gebackene Wölfe von Li Dreves

Zum Essen gab es selbstgebackene Wölfe von Li Dreves.

„Das wird kein großes Ding, bestenfalls eine Riesensache“, eröffnete Autor Veit Beck seine Rede ironisch. Er ging auf die Situation der Literaten und bildenden Künstler ein. Es fehle an Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, es fehle an Geld, an Räumen. Gleichwohl gebe es viele Regulativen, die verhindern, was eigentlich möglich sein sollte. Das Rückgrat von Bildung und Unterhaltung werde heute von Massenmedien, Internet und Streamingdiensten erledigt: „Leichte Kost, leicht verdaulich, mit einem Angebot ohne Grenzen.“

Der kostengünstige Heftroman sei für ihn ein Weg, der auf vielen Gebieten eingeschlagen werden könne. Deshalb habe man das Vorhaben als Serie unter dem Titel „HeimArt“ installiert. Tatsächlich entsprechen die drei Euro, die der Roman kostet, in etwa den 60 Pfennigen der 60er. Wenig Geld für ein spannendes und gruseliges Lesevergnügen. Was im Roman aus dem Wolf wird, wird nicht verraten, die von Li Dreves gebackenen Wölfe gingen den Weg des Verdaulichen.