Der SV Höhe und der TuS Schladern spielen nach wie vor auf Ascheplätzen Fußball. Das wird vorerst wohl auch so bleiben.
Für Kunstrasen fehlt GeldIn Windeck kicken Jugendliche auf Asche und Schlamm

Der Platz des SV Höhe in Altenherfen ist einer der letzten im Rhein-Sieg-Kreis, der noch eine Aschedecke hat.
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Am Muttertag steht das Asche-Derby an: Der SV Höhe trifft am Sonntag, 10. Mai, auf den TuS Schladern. Die beiden Windecker Vereine sind die letzten im Rhein-Sieg-Kreis, die noch auf einem Ascheplatz spielen. Doch von Fußballromantik kann keine Rede sein, noch mehr als den Aufstieg wünschen sich die Vereine einen Kunstrasenplatz. Die Gemeinde kann dies jedoch nicht stemmen und verweist auf nötiges Fördergeld.
Spieler erlitten bereits Verletzungen durch den harten Untergrund
Auf seinen Sportplatz kommt Hans-Jürgen Müller etwa jeden zweiten Sonntag. Seit November trainiert die Herrenmannschaft des SV Höhe beim Bröltaler SC, unten in Ruppichteroth. Nur die Heimspiele in der Kreisliga C trägt sie auf dem Platz in Altenherfen aus, um den Untergrund zu schonen. „Im Winter ist der Platz häufig unbespielbar: Wenn der Sand nass wird, wird er knüppelhart. Wenn er austrocknet, auch. Das ist gefährlich für alle, die darauf spielen.“ Seine Spieler hätten sich bereits Fußgelenke gebrochen, weil sie in Löcher getreten seien.
So wie das Kicken auf dem Altenherfener Hartplatz Spuren hinterlässt, so tut es das auch auf dem Bröltaler Kunstrasenplatz – im positiven Sinne: „Unsere Spieler werden besser. Denn bei uns kann man manche Übungen gar nicht machen, weil der Ball ständig verspringt“, klagt Müller. Jedoch müsse der Verein für die Nutzung zahlen. Die Heimspiele trage man auf dem eigenen Platz aus, nicht zuletzt wegen der Einnahmen.

Hans-Jürgen Müller ist Trainer der 1. Mannschaft des SV Höhe.
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Trotzdem sei die Mannschaft eine eingeschworene Truppe. „Wir erhalten stetig Zulauf, unsere Spieler kommen teilweise aus Hennef. Sie bringen sich im Verein ein und engagieren sich auch finanziell.“ Dies betreffe jedoch nur die Seniorenspieler – Jugendmannschaften gibt es bei dem stolzen Verein schon lange nicht mehr. Selbst der Enkel des 62-Jährigen spielt beim SV Leuscheid. „Wir haben keine Schule hier, die den Platz für ihren Sport nutzen könnte. Aber deswegen darf so ein Verein mit über 100 Jahren Tradition nicht kaputt gehen“, meint Müller. „Die Eltern schicken ihre Kinder woanders hin, hier verletzen sie sich und werden dreckig“, berichtet Müller. „Über kurz oder lang geht es um die Existenz des Vereins.“
Vor drei Jahren habe die Gemeinde die Decke des Ascheplatzes austauschen lassen. „Für 130.000 Euro – das hätte man lieber gespart, was drauf gepackt und in einen Kunstrasenplatz gesteckt“, argumentiert Müller. „Wir würden auch einen Eigenanteil aufbringen, durch Sponsoren oder den symbolischen Verkauf von Parzellen. Aber das macht erst Sinn, wenn die Gemeinde den Betrag aufbringen kann.“

Klaus-Dieter Klein ist beim TuS Schladern für die Belange des Kunstrasenplatzes zuständig.
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Einige Kilometer die Sieg hinauf schaut Klaus-Dieter Klein den Kindern der E- und F-Jugend zu, die über den Platz rennen. Er ist im Vorstand des TuS Schladern und dafür verantwortlich, dass auch hier bald auf Kunstrasen gespielt werden kann. „Die ersten Gespräche, in denen wir auf die prekäre Situation hingewiesen haben, gab es sicher vor zehn Jahren“, schätzt er. Bei schlechtem Wetter stehe der Platz unter Wasser, oft müssten Heimspiele verlegt werden. „Vertreter der Gemeinde waren auch vor Ort und haben eingesehen, dass ein Kunstrasenplatz besser wäre. Doch sie haben immer drauf hingewiesen, dass das nur mit Fördermitteln gehe.“
Die habe der Verein bei der Bezirksregierung beantragt, doch stets seien andere Vereine bevorteilt worden. „Das führt bei uns zu einem gewissen Sanierungsstau: Wir kaufen keine energieeffizientere Flutlichtanlage, weil wir hoffen, dass es jederzeit losgehen könnte – wir wollen die neuen Masten ja nicht gleich wieder abreißen“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Katja Eschmann. Das Problem mit einem verschlammten Platz kennen sie hier auch: „Eigentlich müssten wir die Kinder hinterher mit dem Gartenschlauch abspritzen.“
Eigentlich müssten wir die Kinder hinterher mit dem Gartenschlauch abspritzen.
Weil es mit den konventionellen Fördertöpfen nicht geklappt hat, denkt der TuS größer: „Wir wollen eine Multifunktionsanlage herrichten, mit Elementen wie einem Basketballfeld, einer 100-Meter-Bahn und einem Gymnastikfeld. Denn der Verein hat noch mehr Sparten als Fußball“, schildert Klein. „Diese Sportanlagen sollen auch von der Öffentlichkeit nutzbar sein, schließlich verläuft der Natursteig Sieg gleich neben dem Platz.“ Auch ein neues Vereinsheim sei geplant, das der örtliche Karnevalsverein mitnutzen könne.
„Wir stellen einen Antrag, verbunden mit einer Machbarkeitsstudie, und erhoffen uns so bessere Fördergelder. Entschieden wird aber bei der Bezirksregierung in Köln und die übersehen strukturschwache Orte auf dem Land meist – wir müssen uns für Ansprechpartner sehr strecken“, klagt er. Immerhin erlebe er die Gemeindeverwaltung als engagiert.

Bei Regen steht der Platz des TuS Schladern unter Wasser. Oft müssen Trainings oder Heimspiele abgesagt werden.
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Den Wunsch nach der bestmöglichen Sportförderung teilt die Gemeinde. Jedoch verweisen Bürgermeisterin Alexandra Gauß und der 1. Beigeordnete Thomas Becher im Gespräch mit der Redaktion auf die leeren Kassen. Aus eigenen Mitteln sei eine Umwandlung in Kunstrasenplätze niemals zu stemmen, es bedürfe einer Förderung. „Die Kosten dürften mindestens 700.000 Euro betragen – pro Platz“, stellt Becher klar. Ohne Eigenanteile der Vereine gehe es ohnehin nicht.
„Die Kommunen erhalten zwar eine Sportpauschale vom Land, das geht aber meistens schon für den Unterhalt drauf. Aus rechtlicher Sicht sind Sportangebote freiwillige Leistungen einer Kommune – und da Windeck überschuldet ist, wird da umso genauer hingeschaut“, sagt Becher. Mit den Vereinen, die bereits einen Kunstrasenplatz hätten, sei deswegen durch den Pachtvertrag festgelegt, dass sie den Unterhalt selbst tragen müssten.
Kunstrasen wäre nur mittels Fördergeldern möglich: Bessere Karten für Schladern
Der ländliche Raum sei in der Strukturfinanzierung benachteiligt: Zuweisungen erfolgten nach Einwohnerzahl anstatt nach Fläche und Infrastruktur, klagt die Bürgermeisterin. Zudem spielten, verglichen mit den 90er Jahren, weniger Kinder und Jugendliche Fußball. „Dazu kommt, dass wir so viele Einwohner haben wie Eitorf, aber acht Kunstrasenplätze – die haben zwei. Und wenn ich mir die Zahl der Jugendmannschaften ansehe, erkenne ich auch den Bedarf nicht.“
Die einzige Möglichkeit, dem TuS Schladern und dem SV Höhe doch noch einen Kunstrasenplatz zu bescheren, sei über Fördergeld, wobei Schladern wesentlich bessere Karten habe. „Bei einer Vergabe wird auch geprüft, wie viele Menschen von einer multifunktionalen Sportstätte profitierten. Die Chancen sind umso größer, je realistischer die Pläne sind. Es geht um schnelle Ergebnisse“, sagt Becher.
Beim Hallenbad in Dattenfeld habe so ein Projekt Fördergeld erhalten. Die gebe es allerdings nicht jedes Jahr. „Erst jetzt haben wir wieder die Möglichkeit dazu. Darum hat die Politik die Verwaltung gebeten, das Konzept in Abstimmung mit dem Verein anzupassen“, sagt Becher. Allerdings sei der angefragte Förderbedarf deutlich größer als die zur Verfügung stehende Summe, so Gauß.
Es könnte also passieren, dass der TuS Schladern eines Tages auf Kunstrasen spielen kann und der SV Höhe leer ausgeht. Der SV habe allerdings bereits eine neue Deckschicht erhalten, auch das sei eine Investition in die Zukunft, betonen die Gemeindevertreter. Alexandra Gauß bekräftigt: „Wir schauen mit dem Gemeindesportbund immer, was geht, sei es eine Flutlichtanlage oder die Hilfe des Bauhofs.“ Thomas Becher betont: „Wir sind beide dem Sport verbunden, auch persönlich. Gesellschaftlich gesehen ist es viel zu wertvoll, was die Vereine leisten.“
