Wildtiere zerstören GartenEhepaar ärgert sich über Schäden – Regulierung kompliziert

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Eindeutiger Beweis: Wildschweine haben nachts den Garten der Amers auf der Suche nach Fressbarem mit ihren Rüsseln umgepflügt.

  1. Renate und Hassan Amer blicken fassungslos auf ihren Garten.
  2. Wiederholt haben Wildtiere gewütet, wie Fotos der ungebetenen Gäste zeigen.
  3. Schutzmaßnahmen wie Zäune halfen nicht.
  4. Weder Jäger noch Versicherungen können helfen.

Eitorf – Der Marder posiert vor der Kamera, ein Rehbock tappt in die Fotofalle, als er genüsslich Blätter eines Zierstrauchs mümmelt. „Oh, wie putzig“, möchte man angesichts der Bilder ausrufen. Anwohner der Straße Am Weissenstein freuen sich allerdings schon lange nicht mehr über nächtliche Tierbesuche.

Auch dieser Marder tappte in die Fotofalle.

Vor drei Jahren begann der Ärger

Renate und Hassan Amer blicken in ihren Garten: Dort, wo ein gepflegter Rasen grünte, ist alles braun. Fast lückenlos hat jemand die Fläche rund um die Wäschespinne aufgewühlt. Der Garten der Amers ist zum Tummelplatz für Wildschweine geworden.

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Seit 1970 wohnen die Eheleute in dem Reihenhaus am Hang, einem Ausläufer der Wilhelmshöhe – bis vor drei Jahren „ohne Probleme“, wie Renate Amer sagt. Dann begann der Ärger mit den Schwarzkitteln. „Die kommen lustig hier herunter“, erzählt die 80-Jährige.

Bis zu neun Tiere gezählt

Einmal zählte sie einmal neun Tiere im Garten, der jetzt einem umgepflügten Acker gleicht. Die Rotte kam immer wieder. Jüngst flogen die ausgerissenen Grasnarben teils bis auf die Terrasse. Auch in einem Nachbargarten haben die Wildschweine mit ihren Rüsseln tiefe Furchen in den Rasen gezogen. Fotos und Videos liefern eindeutige Beweise.

Hassan und Renate Amer hofften vergeblich auf Hilfe vom Jäger.

Amers vermuten, dass das Borstenvieh von den Maisfeldern rund um den nahe gelegenen Golfplatz angelockt und dort von den Jägern vertrieben wird. Vergeblich hat sich Renate Amer bereits 2016 zwecks Entschädigung an die Untere Jagdbehörde im Kreishaus gewendet und in der Hoffnung, dass er sich einmal Am Weissenstein auf die Lauer legt, an den zuständigen Jagdpächter. „Da können wir nichts machen“, habe Letzterer gesagt. In besiedeltem Gebiet dürfe er nicht schießen.

Jäger können nichts tun

Seine Erklärung, dass eine Kugel abprallen und als Querschläger einen Menschen verletzen könnte, hält Renate Amer indes für „an den Haaren herbeigezogen“. „Morgens um vier ist hier keiner draußen.“

Der Rehbock ließ sich die Blätter eines Strauchs schmecken.

Was eine Entschädigung angeht, haben die Opfer der gefräßigen Schweine ebenfalls schlechte Karten. Anders als in Wäldern und auf landwirtschaftlichen Flächen müssen Jäger und Jagdgenossenschaften für Wildschäden in privaten Gärten, die nicht zu den „jagdbaren Gebieten“ zählen, nicht aufkommen.

Sogar ein Elektrozaun half nicht

Hassan und Renate Amer fühlen sich mit dem Problem alleingelassen. Auf die Frage, was sie denn tun könnten, bekamen sie den Tipp, Klosteine auszulegen oder sogenannte Vergrämungslappen aufzuhängen. „Die stinken fürchterlich“, weiß die 80-Jährige und glaubt, dass man mit den Tüchern eher die Nachbarn als die Wildschweine vergrämen würde.

Wo ein gepflegter Rasen grünte, ist jetzt fast alles braun. Auch der Elektrozaun konnte die Schwarzkittel nicht davon abhalten, den Garten heimzusuchen.

Von seiner in Bourauel wohnenden Tochter lieh sich das Ehepaar einen Elektrozaun aus und spannte ihn ums Grundstück, das an eine große Wiese mit Eichen grenzt. Doch auch das half nicht. „Da springen die Schweine drüber“, berichtet Renate Amer. Und einer der Zaunpfosten sei von den Tieren einfach umgedrückt worden. Grundsätzlich habe das Einzäunen auch nur einen Sinn, wenn alle Eigentümer des Reihenhausriegels mitzögen, was nicht zu erwarten sei.

Versicherungsschutz gegen Wildschäden schwierig

Per Smartphone versucht Renate Amer im Internet herauszufinden, ob Versicherungen Schutz gegen Wildschäden anbieten. Äußerst schwierig sei das, „was die schreiben, ist kaum zu verstehen“. Trotzdem gibt sie nicht auf.

Eine Kamera nimmt die nächtliche Besuche auf.

Einen Brief an die Untere Jagdbehörde schloss sie mit Galgenhumor: „Ich habe mir vorgemerkt, dass ich im Spätherbst, wenn im Eitorfer Forstamt mal wieder Wildfleisch-Verkauf ansteht, etliche Kilos von den Wildschweinen kaufen werde, die sich auf unserem Grundstück dick und rund gefressen haben, obwohl mir klar ist, dass ich so mein Eigentum für teures Geld zurückkaufe.“

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