Das wissen selbst Ortskundige oft nicht: Drei ehemalige Volsschulen liegen im Windecker Ortsteil dicht nebeneinander.
Ortsgeschichte von WindeckAls Dattenfeld noch drei Schulen hatte

Drei ehemalige Volksschulen gibt es Windeck-Dattenfeld: Das lang gezogene Fachwerkhaus links ist Schule Nr. 2, der große Backsteinbau in der Mitte Schule Nr. 3, unterhalb vom Siegtaldom war Schule Nr. 1. Die heutige Schule Nr. 4 liegt hinter dem Siegtaldom.
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Eine außerordentliche Besonderheit, so unscheinbar, dass selbst nur wenige Ortsbewohner sich dessen bewusst sind, findet sich in Windeck-Dattenfeld. Wie an einer Perlenschnur reihen sich in der Alten Schulstraße unterhalb vom Siegtaldom, jeweils nur wenige Schritte voneinander entfernt, drei ehemalige Volksschulen aneinander. 1954 wurde schließlich eine ausreichend große vierte Schule am Dreifelder Kirchweg gebaut, heute Gemeinschaftsgrundschule mit Dattenfeld als Hauptstandort und Herchen als Teilstandort.
Bildung war Privatsache, bis 1795 in Dattenfeld die erste Volksschule eröffnet wurde
Seit dem frühen Mittelalter oblag die Bildung der Jugend ausschließlich der Kirche und war weitgehend Privatsache der Geistlichen und der Eltern. Nachdem die Regierung erstmals die schulpflichtigen Kinder feststellen ließ, eröffnete 1795 in Dattenfeld die erste Volksschule in der Alten Schulstraße im heutigen Haus Joest, am Treppenaufgang zum Siegtaldom. Als Lehrer wurde der Küster und Organist Joseph Bestgen eingesetzt. Sein Lohn bestand aus acht Stübern Schulgeld im Monat pro Kind (heute etwa 18 Cent). Die Armut der Menschen war groß, nur wenige Eltern konnten das Schulgeld für ihre Kinderschar aufbringen. Somit nagte auch der Lehrer am Hungertuch.
Bei jedem Wetter machten sich die Schüler auf unbefestigten Wegen, teilweise aus weit entlegenen Orten und Weilern, auf den Weg. Unzureichend gekleidet, erreichten sie oftmals nass und durchfroren die Schule. Das Brennholz zum Heizen mussten sie reihum selbst aus den Ortschaften mitbringen. 1842 machte Lehrer Joseph Schwellenbach eine Schenkung von hundert Thalern, deren Zinsen zur Bekleidung armer Kinder verwandt werden sollen.
Hausaufgaben gab es ausschließlich im Winter, es gab auch nur ein Klassenzimmer. Die Schulpflicht dauerte vom sechsten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr. Für höhere Klassen war bis nach dem Ersten Weltkrieg von 8 bis 12, im Winter von 9 bis 12 Uhr Unterricht und nachmittags ganzjährig von 13 bis 16 Uhr. Dennoch gingen viele Kinder nicht oder nur selten zur Schule: Sie wurden bei der Haus- und Feldarbeit gebraucht.

Ein Foto von Schülerinnen und Schülern mit Lehrpersonal an der Volksschule Dattenfeld im Jahr 1912. Zu der Zeit waren Franz Lückeroth als Hauptlehrer, Hugo Recht als Schulamtsbewerber und Else Pohlmann als Lehrerin an der Schule.
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Nach dem Wiener Kongress 1815 gehörte Dattenfeld zum Königreich Preußen. Wichtigste Neuerung für den Schulbetrieb war, dass nur noch ausgebildete Lehrer angestellt werden durften. 1817 war die Schule so überfüllt, dass im Nachbarort Rossel eine weitere Schule gegründet wurde. Die Schulkinder aus Windeck, Schladern, Dreisel und einigen kleinen Weilern blieben aber in Dattenfeld.
Unterrichtet wurden Religion, Deutsch, Rechnen und Gesang
Als 1819 Joseph Schwellenbach aus Schladern Lehrer wurde, erhielt er ein Fixum sowie Schulgeld von Eltern, die es zahlen konnten. Zusätzlich gab es fünf Thaler Gartenentschädigung und freie Wohnung (Lehrer erhielten Gartenland oder Gartenentschädigungen, weil ihre offizielle Besoldung oft unzureichend war). Unterrichtet wurden Religion, Deutsch, Rechnen und Gesang, ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch Erdkunde, wobei die erste Wandkarte erst 1866 angeschafft wurde. Um 1875 wurde der Fächerkanon um Geschichte, Naturlehre, Naturkunde, Zeichnen, weibliche Handarbeit und Turnen erweitert.
Besonders ernst genommen wurde ab den 1830er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg speziell für Jungen der Obstbaumschnitt. Im schuleigenen Garten wurden Obstbäume vom Samen bis zum veredelten Kern gezogen. Gegen geringes Entgelt durften Kinder Bäumchen mit nach Hause nehmen, die anderen wurden zugunsten der Schule verkauft. Für Gemeinschaftsveranstaltungen und dringend benötigte außergewöhnliche Anschaffungen der Schule gingen im Sommer alle Schulkinder Waldbeeren pflücken.

Blick auf die erste Volksschule unterhalb vom Siegtaldom, in der 1795 der Schulbetrieb mit einem Raum begann.
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1828 besuchten 225 Schulkinder die Schule, allein von Lehrer Schwellenbach in zwei Schichten unterrichtet. Die als notwendig erachtete zweite Lehrkraft, wurde erst 1844 bewilligt. Mit Unterlehrer Johann Weinstock aus Oberkassel erfolgte vermutlich der Umzug ins benachbarte Fachwerkhaus Heuser um die Ecke. Damit standen zwei Klassenräume zur Verfügung. Als Weinstock 1859 nach Rossel versetzt wurde, kam mit „Fräulein Jüdefeld“ die erste weibliche Lehrkraft an die Schule. Die Schüler wurden nun nach Geschlecht unterrichtet.
Der Ort wuchs: Für das Jahr 1861 ist die Einwohnerzahl mit 1280 im Kirchspiel Dattenfeld hinterlegt, mehr Kinder besuchten die Schule, der Bedarf an Unterrichtsräumen wurde größer. Drei Jahre später wurde die Schule dreiklassig. Ein zusätzlicher Klassenraum wurde im Speicherraum eingerichtet und ist heute fast noch im Originalzustand erhalten. Doch immer noch war Schulbildung unregelmäßig. Nach Berichten aus dem Jahr 1863 fehlte ständig etwa ein Drittel der schulpflichtigen Kinder.
1866 folgte Johann Franz Lückeroth als Nachfolger auf die erste Lehrerstelle. Er hielt in der Chronik fest, dass 1869 seinem Vorgänger Schwellenbach für die Verdienste in 50 Jahren Schuldienst im Auftrag Seiner Majestät König Wilhelm der Hausorden der Hohenzollern IV. Klasse überreicht wurde. Ganz Dattenfeld habe die Ehrung zum Anlass genommen, den Jubilar mit einem großen Fest zu ehren.
Lehrer Lückeroth besuchte mit Schülern täglich den Gottesdienst. Ab 1874 wurde aber auch in Dattenfeld der Kulturkampf zwischen Kirche und Staat ausgetragen, der unter Reichskanzler Otto von Bismarck begonnen hatte. Diesen Kampf bestritten in Dattenfeld Pfarrer Hilden, Lückeroth und dessen Nachfolger Christian Etzbach.
Bis in die 50er Jahre wurde die dritte Schule noch betrieben
Auf anhaltenden Druck der Königlichen Regierung beschloss der Rat der Gemeinde den Bau eines neuen, dreiklassigen Schulgebäudes, keine 50 Meter entfernt von der Vorgängerin. Zeitgleich wurden kurz hintereinander 1878 die Grundsteine für die Neubauten der Schulen Dattenfeld, Rossel und Dreisel sowie für die Pfarrkirche St. Laurentius gelegt. „Was es für eine arme Gemeinde wie Dattenfeld damals bedeutete, vermögen wir heute nur noch zu ahnen“, schrieb der inzwischen verstorbene Lehrer Herbert Bohlscheid. Er hatte über die drei Volksschulen recherchiert und 1979 das Buch „Dattenfeld einst“ veröffentlicht.

Matthias und Franziska Müller sind die heutigen Eigentümer der Schule Nummer drei, die bis Mitte der 1950 Jahre in Betrieb war.
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Als „Alte Schule“ ist dieser Bau im Sprachgebrauch gemeint, der bis Mitte der 1950er Jahre Schulgebäude blieb. Gut erinnern sich ältere Menschen vermutlich an den letzten Hauptlehrer Anton Gauchel aus Dreisel. Im Jahr 2018 haben Matthias und Franziska Müller das Anwesen erworben, es behutsam renoviert und mit Einzelstücken Akzente gesetzt, die einstige Bestimmung des Hauses wiedererkennen lassen.
Am 27. Juni feiert das Bodelschwingh-Gymnasium Herchen sein 75-jähriges Bestehen. Das wird ab 17 Uhr mit Gottesdienst und Festakt gefeiert, um 19 Uhr spielt die BGH Revival Bigband, danach gibt es Party im Festzelt. Zum Jubiläum erscheint eine 247 Seiten starke Festschrift „Vom Leben auf dem Pädaberg“.
